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Scheiß Job? Dann steig aus! (Teil 1)

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GENERATION Y
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Mein Job bremst mich aus, macht mich nicht glücklich, fühle mich hier eingeengt, mich nicht verstanden, mich nicht wertgeschätzt und weiß jetzt nicht, was tun? Woran erkenne ich denn Unternehmen, die besser zu mir passen? Wie weit kann ich mich inhaltlich von meiner bisherigen Ausbildung lösen? Irgendwie will ich was ganz anderes machen, aber kann ich das auch?

Fragen über Fragen, die in letzter Zeit von Generation Why Vertretern bei mir eintreffen. Spürbarer Leidensdruck und möglicherweise auch Sehnsucht, die ich in all den Kommentaren wahrnehme. Deshalb möchte ich euch hier mal meine eigene Geschichte mitteilen. Euch von all den Überlegungen, Ängsten, Unsicherheiten, Überzeugungen, Motivationslöchern und -schüben berichten und rückblickend meine Erkenntnisse aus all dem aufzeigen.

Naja, wie das halt so ist, entscheidet man sich mit 18, 19 Jahren für oder gegen ein Studium (heute muss man das ja noch viel früher tun!). Weil ich selbst aus einer sehr leistungsorientierten Familie mit einem schlauen Zwillingsbruder und einer noch schlaueren älteren Schwester komme, konnte ich mich natürlich nicht gegen ein Studium entscheiden. Es war klar: ich gehe studieren.

Und was auch recht schnell klar war, nachdem mir mein damaliger Biologie-Lehrer davon abriet, Medizin zu studieren und ich mich für ein Psychologie-Studium zu doof hielt: ich studiere Sport. Mehr Stärken erkannte ich damals nicht in mir. Wie auch, man is ja grade am Anfang seiner Selbstfindungsphase des Erwachsenendaseins!

Heute würde ich meinem Biologie-Lehrer und all den anderen, die mich mehr für naiv als schlau hielten, am liebsten auf den Tisch kacken. Das tue ich heute gedanklich immer noch, wenn mir irgend jemand weismachen möchte, ich kann dies oder kann das nicht. Bullshit! Wir können alles! Wir müssen es nur wirklich wollen! Es ist alles eine Frage des Willens, der Disziplin, des Durchhaltevermögens und der Leidenschaft. Mit schlau sein oder nicht genug schlau sein hat das nichts zu tun.

Also bin ich hochmotiviert und überglücklich nach Köln gegangen, hab dort Sport mit Schwerpunkt Rehabilitation und Prävention studiert und stellte von Praktikum zu Praktikum fest, dass die Realität leider so gar nicht meinen Vorstellungen entsprach. Weil: Ich wollte die Welt verbessern, Menschen wieder gesund machen, Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und als Gegenleistung Dankbarkeit und Anerkennung kriegen.

Pustekuchen! Die Realität war völlig ernüchternd. Ich stellte fest, viele Menschen leiden lieber als das sie ihren Arsch hoch kriegen und diszipliniert ihre Trainingspläne durchziehen. Sie jammern lieber, saugen unfassbar viel Energie aus ihren Therapeuten und verlassen immer noch humpelnd die Klinik. Also war klar, das will und kann ich nich mein Leben lang machen (ohne dass ich am Ende nicht selber in der Klinik lande!).

Hab dann neben meinem Studium diverse andere Sachen ausprobiert und nach dem gesucht, was mich wirklich glücklich macht. Und genau an dem Punkt haben andere Menschen (aus Familie und Bekanntenkreis) wieder angefangen, sich gedanklich in mein Leben einzumischen. Im Kern eine gute Absicht. Sie führt aber häufig bei einem selbst zu Unsicherheit und Misstrauen seinen eigenen Gedanken und Gefühlen gegenüber.

Besonders, wenn dann so Aussagen kommen wie: "Mensch, jetzt hast du vier Jahre studiert, jetzt kannst du doch nicht was anderes machen!?" oder "Aber das war doch schon immer deine Leidenschaft!?" oder "Das ist nur ne Phase, die macht jeder mal durch." oder "Das Leben ist auch nicht immer ein Ponyhof." oder "Wie du willst promovieren? Hast du dir das auch wirklich gut überlegt? Du bist doch gar nicht der Typ dazu ...".

Es gibt nur wenige Menschen, die einem in dieser Phase auch wirklich Mut zusprechen. Mut, die aufgebauten Gleise zu verlassen und ein neues Schienennetz aufzubauen, das man im Leben viel lieber befahren möchte. Und, was noch viel wichtiger ist, einem wirklich relevante Fragen stellen oder einem mit positiven Beispielen und Anregungen zur Seite stehen.

Ich bin immer noch sehr dankbar, in dieser Phase meinen Mentor kennen gelernt zu haben. Ohne ihn würde ich heute nicht so denken, wie ich denke und da stehen, wo ich stehe. Deshalb: Sucht euch GUTE Mentoren, die euch darin unterstützen, euren eigenen Weg zu finden und nicht die Wege anderer zu gehen. Umgebt euch mit Menschen, die euch energetisch aufladen und euch nicht in den Jammersumpf ziehen.

Bei all meinen Überlegungen zu der Frage, was macht mich wirklich glücklich und wofür brenne ich, kam ich zu dem Schluss, dass ich mich sowohl für das Thema Gesundheit als auch für die Frage interessiere, wie tickt der Mensch. Also überlegte ich mir, noch ein Psychologie-Studium drauf zu setzen oder in der Gesundheitspsychologie zu promovieren.

Ich entschied mich dann für letzteres, suchte mir ein Thema, nen Doktorvater und ein Unternehmen, in dem ich meine Studie umsetzen und gleichzeitig auch arbeiten kann. Und so landete ich im Betrieblichen Gesundheitsmanagement eines Tochterunternehmens eines Großkonzerns. Und erlebte dort meinen ersten Kulturschock was Arbeitswelt angeht: Bürokratie statt Demokratie, Bevormundung statt Mündigkeit, Kontrolle und Anweisung statt Mitbestimmung und Entfaltungsfreiraum, Regelkonformität und viele Ja-Sager statt Sinnorientierung und Freigeister die auch mal Nein sagen.

Beziehungsweise die Freigeister gibt es (sogar in großer Menge), die haben nur keinen Bock mehr (weil Unternehmensstrukturen aus Löwen Zookatzen machen ...), sind schon vor Jahren in innere Kündigung gegangen und machen nur noch Dienst nach Vorschrift, lachen oftmals über die dämlichen Entscheidungen von oben und warten nur darauf, bis die vermeintlich schlauen Überlegungen und Ideen wieder an die Wand fahren.

Recht schnell wurde mir klar: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist für die Katz, wenn die ganz oben nicht anfangen umzudenken. Und das tun viele nicht. Sie sind halt Manager und keine Unternehmer.

Und mir wurde auch recht schnell klar: So enden wie die meisten im Unternehmen will ich nicht. Ich will was bewegen, mitentscheiden, Spaß bei der Arbeit haben, coole Leute um mich rum haben, Ideen entwickeln und diese auch umsetzen dürfen, keine Schlaumeier über mir und Schleimer neben mir sitzen haben, und und und. Weil ich mir aber fest in den Kopf setzte, meine Studie dort durchzuziehen, blieb ich zwei Jahre, bis mein Vertrag auslief und meine Studie rum war.

Und glaubt´s mir, in den zwei Jahren hatte ich wirklich Angst, dass diese Mentalität in dem Laden auf mich abfärbt und bat meinen Mentor und andere mir wichtige Menschen darum, aufzupassen, dass ich nicht gaga in der Birne werde. Diese Forderung war auch wirklich wichtig! Weil es in der Tat Momente gab, in denen ich mir versuchte, all das schön zu reden: "Ja, man verdient ja echt viel Kohle und mein Chef hat mir versprochen, mich in den außertariflichen Bereich zu befördern. Hey cool! Dann bin ich mit 27 Führungskraft in einem Großkonzern und das kommt ja schon verdammt gut an im Lebenslauf. Plus, ich krieg dann auch noch mal ne Gehaltserhöhung." Bla bla bla. Und genau in den Momenten waren es wichtige Menschen in meinem Umfeld, die mich immer wieder mit guten Argumenten aus dieser verzerrten Gedankenwelt rauszogen.

Nach zwei Jahren Kulturschock und abgeschlossener Studie habe ich den Laden verlassen. Missen will ich die Zeit nicht. Immerhin haben sie mich dazu bewegt, genau das zu tun, was ich heute tue: Über Arbeitsverhältnisse zu sprechen, Aufklärung zu leisten, aus Vorgesetzten bessere Führungskräfte zu machen und Jung und Alt zusammen zu bringen. Ich habe also das, was mich zwei Jahre bewegt hat, was mich frustriert und gleichzeitig fasziniert hat, zu meinem Beruf gemacht.

Bin zu GEDANKENtanken gewechselt und bin dort nun für Konzeption und Training zuständig. Und wenn mich jemand fragt, was mich dazu qualifiziert, Führungskräftetrainings zu konzipieren und durchzuführen, argumentiere ich mit meiner Erfahrung. Erfahrungen mit schlechten versus guten Chefs und demotivierenden versus motivierenden Unternehmensstrukturen. Alles Weitere ist Neugierde, Disziplin, Ausdauer und Leidenschaft. Heißt, fachspezifische Bücher und Artikel lesen, sich mit Menschen auszutauschen, Seminare besuchen, an Kongressen teilnehmen, Diskussionen zu führen und und und.

Und ich denke, damit bin ich aktuell auf einem guten Weg. Auf einem Weg, der mir Spaß macht und mich am Ende des Tages energetisch auflädt und nicht aussaugt. Um dort hin zu kommen, brauchte ich a) Menschen um mich herum, die mich immer wieder darin bestärkten, genau das in der Arbeit zu finden - Zufriedenheit, Begeisterung und Leidenschaft und b) das Vertrauen in mich selbst, unabhängig von all den Zweifeln und Zweiflern, trotzdem mein eigenes Schienennetz aufzubauen.

Welche Rückschlüsse ich rückblickend aus meinem bisherigen Weg ziehe und was das möglicherweise für euch bedeuten kann, erzähle ich dann im zweiten Teil, der morgen folgt :-)

Mehr von mir gibt´s hier: www.generation-why.org // www.facebook.com/GenerationYpsilon

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