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Generation-Y: "Arbeitstage müssen ein klares Ende haben"

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Jacob Ammentorp Lund via Getty Images
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Manchmal, wenn ich mit meinen Freundinnen koche oder ein romantisches Kino-Date habe, schweife ich ab. Dann dreht sich in meinem Kopf alles um potenzielle Geschichten, mögliche Umsetzungen und kreative Einstiegsszenen.

Bevor die Ideen wieder wegfliegen, schleiche ich mich meist klammheimlich aus dem Kinosaal, zücke mein iPhone und transkribiere die Gedanken in meine Notizbuch-App.

Ich bin Journalistin. Freiberuflich. Selbstständig. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich abends um halb elf nochmal schnell ein paar E-Mails beantworte, meine Recherchen vorantreibe oder zwischen zwei Verabredungen versuche, einen Protagonisten zu erreichen. Oder eben, wie ich meinen Freundinnen nur noch mit halbem Ohr zuhöre.

Tschüss, Wochenende

Obwohl es weit nach 17 Uhr, aka Feierabend-Zeit ist, arbeitet mein Kopf weiter. Neulich war ich im RE1 von Dortmund nach Köln. Meine Kopfhörer lagen zuhause, also musste ich mich damit beschäftigen, aus dem Fenster zu gucken und meine drei Sitzgenossen zu belauschen.

Folgendes habe ich rausgefunden: Einer von ihnen kommt aus Syrien. Er ist ungefähr 25 Jahre alt und studiert Hotelmanagement in Bochum. Er spricht gut Deutsch, hat bald seinen nächsten Sprachtest.

Er würde gerne mehr Leute kennenlernen, aber er wird von den meisten für einen Flüchtling gehalten, dabei ist er doch einfach ein ganz normaler Student. Nicht geflohen. Einfach nur hier, weil er in Deutschland studieren will. O-Ton Ende.

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Mein erster Gedanke: Das ist eine Geschichte. Also habe ich ihn angesprochen. Eigentlich war es Samstagvormittag, ich war auf dem Weg zu meiner Mutter und ich hatte eine anstrengende Arbeits- und Uniwoche hinter mir.

Aber Wochenende gibt es nicht. Frei zu arbeiten ist kein Nine-to-five-Job bei dem pünktlich ausgestempelt wird. Trotzdem brauche ich gewisse Regeln, damit Arbeit nicht gleich Leben wird.

Freizeit in Budapest

Das habe ich vor allem in Budapest festgestellt. Seit zehn Wochen lebe hier und mache ein Auslandssemester. Im Vorfeld habe ich genug Geld gespart, um hier nicht arbeiten zu müssen.

Ich habe wenig Uni, wenig Stress, wenige Verpflichtungen. Meine Freunde sind keine Journalisten. Wir sprechen nicht ständig über mögliche Geschichten, ich muss mich an niemandem messen.

Letzte Woche hatte ich Besuch von drei Freundinnen. Alle Journalistinnen. Wir sind durch die Stadt gelaufen und irgendwann fiel der Satz: „Das kannst du verkaufen. Das ist auf jeden Fall eine Geschichte!"

Das hatte ich die letzten zehn Wochen nicht mehr gehört. Weil sich die Welt hier nicht um Arbeit dreht. Hier habe ich Urlaub. Urlaub von meinem Job und von dem Kreislauf zuhause, in dem wir alle darauf konditioniert sind, in Geschichten zu denken.

Damit wir Geld verdienen können. Und das ist gut - keine Frage. Ich schätze es, dass ich Freunde habe, die meine Leidenschaft teilen. Die mich beraten, mit mir zu Themen brainstormen und über Umsetzungen philosophieren.

Auszeit vom Arbeitsleben

Zuhause denke auch ich in Geschichten. Denn nur wenn ich hart arbeite, bekomme ich den nächsten Auftrag. Und damit das nächste Geld. Und nur dann kann ich die nächste Miete bezahlen.

Es ist nicht wie bei einem festen Job, bei dem ich auch mal die Mittagspause um ein halbes Stündchen verlängern kann und dann trotzdem um 16:57 den Stift fallen lasse. Wenn ich etwas nicht schaffe, dann ist das einzig mein Problem. Dann kommt mein Film, mein Radiobeitrag oder mein Zeitungsartikel nicht zustande.

Mittlerweile weiß ich aber eines ganz sicher: Wenn ich zurück nach Deutschland komme, müssen meine Arbeitstage ein klares Ende haben. Dann werde ich nicht abends um 23 Uhr Mails beantworten.

Dann werde ich öfter mal sagen: "Jetzt sprechen wir nicht über die Arbeit." Und ich werde öfter mal mein Handy ausschalten. Hier in Budapest habe ich eine Auszeit vom Arbeitsleben. Hier habe ich gelernt, was Feierabend bedeutet.

Feierabend-Tipps:

  • Setzt euch feste Arbeitszeiten. Von 9-18 Uhr - danach ist dann aber auch Schluss. Laptop zuklappen, Sport machen, kochen, Freunde treffen.
  • Macht euch realistische Tagespläne: Was will ich heute schaffen? Und dann nach und nach abhaken.
  • Arbeitet nicht aus eurem Schlafzimmer. Ihr braucht eine räumliche Trennung, denn nichts ist schlimmer, als ein Arbeitstag, der scheinbar nie endet, weil ihr nebenbei noch eine Folge Game of Thrones geguckt und vier Facebook-Nachrichten geschrieben habt. Deshalb: Geht zum Arbeiten ins Café, in die Bibliothek oder mietet euch ein Büro.
  • Macht mit euren Freunden aus, dass ihr heute Abend mal nicht über die Arbeit redet. Sucht euch andere Themen und gebt eurem Kopf eine Ruhepause.
  • Handyfreie-Zeit nach Feierabend hilft. Keine E-Mails, kein Google und keine Anrufe. Lest ein Buch und gönnt euch eine digitale Pause.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Blog.

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