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Auch Unternehmer brauchen manchmal einen Advocatus Diaboli

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YOUNG BUSINESS
Milton Brown via Getty Images
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Sie stellt unbequeme Fragen und bringt somit Gründer und ihr Unternehmen auf die nächste Stufe: Julia Derndinger ist Sparringspartner aus Leidenschaft und kann bei der Beratung nicht nur auf eine Vielzahl gecoachter Unternehmen zurückgreifen, sondern ist selber seit vielen Jahren erfolgreiche Unternehmerin.

Im Interview mit Steffen Zoller spricht sie über ihre Arbeit, alltägliche und besondere Herausforderungen von Unternehmern, vielfältige Erwartungen an deren Rolle und weshalb auch Chefs niemals auslernen.

Frau Derndinger, ich habe in meinem Leben schon verschiedene Unternehmen aufgebaut und weiß, dass es viele große sowie kleine Herausforderungen beim Aufbau gibt. Sie stellen sich Gründern und Unternehmern als so genannter Sparringspartner zur Verfügung. Was kann ich mir darunter genau vorstellen?

Der Begriff Sparringspartner kommt ursprünglich aus dem Sport. Er bezeichnet dort einen Partner, mit dem man sich kämpferisch auseinandersetzt. Ich ziehe an dieser Stelle gerne den Vergleich zum Hochleistungssport: Jeder Hochleistungssportler hat einen Trainer, der am Rand steht und von außen beobachtet, der Feedback gibt und spiegelt, der motiviert und unterstützt, aber auch relativiert und versachlicht.

Als Unternehmer ist man mit seinen Entscheidungen häufig alleine: Die Mitarbeiter sind in der Regel von diesen Entscheidungen betroffen und die eigenen Familienangehörigen besitzen nicht unbedingt die nötige Fachkompetenz oder Distanz. So bekommt ein Unternehmer mit mir einen Gesprächspartner auf Augenhöhe.

Anders als ein Coach stelle ich nicht nur Fragen, sondern gebe meine eigenen Erfahrungen zum Besten und berate auch zu Dingen, die ich bei anderen Unternehmern bereits gesehen und in meinen 14 Jahren als Unternehmerin selbst erlebt habe.

Mit welchen Themen kommen Gründer zu Ihnen?

Ich unterstütze Unternehmer dabei, möglichst schnell gute Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Dabei geht es häufig - aber nicht ausschließlich - um strategische Themen und Personalentscheidungen. Im täglichen operativen Geschäft verliert man schnell den Blick für das Wesentliche, immer wieder zu priorisieren und zu fokussieren sind elementar. Manche Gründer sind so visionär, dass sie zwar klar wissen, wo sie hinwollen, aber nicht, auf welchem Weg sie ihr Ziel erreichen können.

In den regelmäßigen Gesprächen mit meinen Gründern und Unternehmern diskutieren wir ebendiese Themen, über die sie sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht haben. Ich gebe meine Meinung und meine Erfahrung dazu und stelle die ein oder andere Frage, sodass die Entscheidung durch den Dialog mit mir schlussendlich deutlich leichter fällt, als wenn man diese alleine treffen muss.

Haben alle Mandanten die gleichen Herausforderungen?

Eine Ähnlichkeit bei den Herausforderungen ist definitiv vorhanden. Zunächst baut man ein Unternehmen erfolgreich auf und muss es anschließend managen und in die Wachstumsphase bringen. Insofern bin ich der Partner, der dafür sorgt, dass der Gründer diese Herausforderung nicht alleine meistern muss.

Nicht jeder, der ein Unternehmen gründet, wollte schon immer Mitarbeiter führen. Das Finden und Führen lernt man auch nicht an der Uni, sodass es guttut, sich dazu mit jemanden auszutauschen.

Wie verändern sich die Aufgaben eines Gründers, wenn sein Unternehmen wächst?

Jeder erfolgreiche Unternehmer kommt früher oder später an den Punkt, an dem der nicht mehr der wichtigste Mitarbeiter im schnell wachsenden Unternehmen sein darf. Ab einer bestimmten Unternehmensgrößte kann und darf nicht mehr jeder Prozess und jede Kundenanfrage über seinen Tisch laufen.

Die Aufgabe und größte Herausforderung des Gründers ist es, nicht nur Talente zu finden, die in fachlicher und menschlicher Hinsicht die richtige Besetzung sind, sondern diese auch ihre Arbeit machen zu lassen.

Häufig gestaltet es sich aber als sehr schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden. Hier komme ich als Unterstützung ins Spiel: Als Unternehmer neigt man gerne dazu, Leute ins Unternehmen zu holen, die einem ähnlich sind, was das Unternehmen aber nicht weiterbringt.

Anstatt eines weiteren Generalisten oder Visionärs sind Experten gefragt, die etwas besser können und die Organisation auf die nächste Stufe bringen. Ich unterstütze in diesem Fall unter anderem in den Bewerbungsgesprächen oder im Auswahlprozess und spiele Teufels Advokat.

Was sind die unangenehmsten Themen mit denen sich ein Gründer/Unternehmer beschäftigen muss?

So schön es ist, Unternehmer zu sein und gemeinsam mit anderen als Team ein Ziel zu erreichen, so unangenehm wird es, wenn Entscheidungen darüber getroffen werden müssen, wer aufgrund seiner Leistung oder seiner Werte nicht mehr dem Team angehören soll.

Mit dem Aussprechen einer Kündigung wird eine Art von Macht gegenüber dem Mitarbeiter ausgespielt, die als sehr unangenehm empfunden wird. Konsequentes Handeln ist jedoch die Pflicht eines jeden Unternehmers, da er Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitern und ihren Arbeitsplätzen hat.

Wichtig ist hierbei ein transparenter und fairer Prozess, das heißt eine Kündigung darf keine Überraschung sein. Es muss ein erstes und ein zweites Gespräch mit dem Mitarbeiter gegeben haben, sodass er weiß, was er ändern oder leisten muss, um bleiben zu dürfen. Nur wenn die Person das nicht erreicht, trennt man sich von ihr.

Was kann man tun, wenn man sich einen Experten wie Sie entweder nicht leisten kann oder keinen kennt?

Ich empfehle jedem, der die Reise als Unternehmer macht und sich keinen Sparringspartner wie mich leisten kann, sich beispielsweise einen Mentor zu suchen. Das sind in der Regel ältere, erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, die aus Freude an der Sache etwas von ihrem Erfolg weitergeben möchten.

Hier sollte man sich jedoch auch die Frage stellen, wie man gelegentlich der Person etwas zurückgeben kann. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich eine eigene Peer Group aufzubauen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Unternehmern in einer ähnlichen Phase, mit denen man sich regelmäßig trifft und gemachte Erfahrungen austauscht.

Die Entrepreneurs Organization oder das EO Accelerator Programm bieten solche Formate auch professionell organisiert an. Gründercoaches und andere Experten, die von staatlichen Banken gefördert werden und Gründern bei der Arbeit helfen, wären eine weitere Alternative, die häufig stark bezuschusst werden.

Haben Sie noch einen abschließenden Tipp für Unternehmer?

Weiterentwicklung ist in meinen Augen ein wichtiges Stichwort. Wir wollen und müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln und meiner Meinung nach sind die besten und erfolgreichsten Unternehmer jene, die permanent lernen und sich weiterentwickeln, die nach Feedback fragen und die die Einstellung haben, selbst von ihren Praktikanten noch etwas lernen zu können, die Feedback aufnehmen, die mit sich wachsen und diese Kultur auch ins Unternehmen tragen.

Diese Art Unternehmer kommt auch zu mir, denn sie ist gewillt, sich permanent weiterzuentwickeln, und das macht dann wirklich Spaß.

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