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Genug von Müllstränden? Tipps für nachhaltiges Reisen

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Wer schnorchelt schon gerne neben Müllinseln auf Borneo oder sonnt sich an Müllstränden in Thailand? Leider gibt es zahlreiche Beispiele von Umweltverschmutzung, an denen nicht zuletzt der Tourismus schuld ist.

Damit nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder die Schönheit exotischer Länder genießen können, habe ich die Naturschutz-Expertin Martina von Münchhausen vom WWF und verschiedene nachhaltige Reiseblogger gefragt, was wir bei der Planung und im Urlaub besser machen können.

Die Schattenseiten: Müllhalden satt weißen Stränden

Menschenleere, weiße Sandstrände und eine atemberaubende Natur - genau so werden einem die schönsten Ecken von Europa, Asien, Afrika und Amerika auf Bildern verkauft.

Was nicht fotografiert wird, ist die Umweltverschmutzung, die Touristen direkt oder indirekt hinterlassen. Drei Blogger berichten von ihren erschreckendsten Erfahrungen.

  • Petra Haubner vom Blog Hollightly beobachtete in Thailand Folgendes: "Es gibt viele Orte und Hotels an denen täglich Müll am Strand aufgesammelt werden muss. Überall sind Massen von Plastik, die einem an jeder Ecke in den Städten in die Hand gedrückt werden - sogar das Streetfood auf den Straßen wird in kleinen Plastiktüten verpackt. Das fand ich erschreckend."
  • Dass der Umgang mit Plastik oft problematisch ist, kann auch die Bloggerin Michaela Harfst von Transglobalpanparty bestätigen: "Während meiner Borneo-Reise ist mir bewusst geworden, dass Umweltschutz noch nicht in allen Ländern angekommen ist. Überall im malaysischen Teil der Insel waren die Strände, Nationalparks und Häfen voller Müll. Es war an den meisten Stränden undenkbar baden zu gehen. Cola-Dosen wurden während der Fahrt durch den Dschungel einfach aus dem Fenster geschmissen."
  • Julia Recker von subvoyage beobachtete während ihrer Arbeit in Hotels ebenso extreme Missstände: "Über zwei Jahre hinweg konnte ich als Servicekraft hinter die Kulissen großer Hotels blicken. Die riesigen Mengen an Lebensmitteln, die dort während jeder Schicht auf direktem Weg in den Mülleimer gewandert sind, waren einfach erschreckend. Bei Blumengestecken war es ähnlich, auch die wurden oft nur über wenige Stunden - für die Dauer einer einzelnen Veranstaltung - verwendet und anschließend entsorgt."

Um den Fußabdruck im Tourismus zu reduzieren, kann jeder seinen beitragen

Martina von Münchhausen arbeitet für den WWF und hat mir im Interview einige wichtige Fragen beantwortet. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Hört man WWF, haben alle sofort das Panda-Zeichen vor Augen und denken in erster Linie an den Tierschutz. Was machen Sie noch?

Münchhausen: "Wir sind als Umweltstiftung tätig und beschäftigen uns dadurch auch mit nachhaltigem Tourismus. Ziel ist es, den Fußabdruck im Kerngeschäft des Tourismus zu reduzieren und das betrifft die gesamte 'Lieferkette' einer Reise, von der Buchung bis zur Rückkehr."

Tourismus bleibt ein Wirtschaftszweig, der Armut bekämpfen kann.

Welche negative Reiseerfahrung zum Thema Nachhaltigkeit haben Sie gemacht, die Ihnen fest in Erinnerung geblieben ist?

"Die Tourismusarbeit des WWFs eröffnet Einblicke hinter die Kulissen, die prägend sind. Illegale Hotelbauten, brennenden Müllhalden, mangelhafte Unterkünfte für Menschen, die im Tourismus arbeiten, Küstenzerstörung durch künstliche Strände, Hotels ohne Kläranlagen.

Es gibt aber auch immer positive Gegenbeispiele. Tourismus bleibt unterm Strich ein Wirtschaftszweig, der Armut bekämpfen kann.

Er bietet Ausbildung und Berufschancen und kann Natur und Landschaft eines Landes einen Wert geben, den die lokale Bevölkerung nutzen kann. Mancherorts kann nachhaltiger Tourismus zur einzigen existenziellen Lebensgrundlage werden."

Viele hinterfragen nicht, wie eine Fernreise nur 500 Euro kosten kann.

Martina von Münchhausen rät, selbst nach Veranstaltern Ausschau zu halten, die auf Nachhaltigkeit achten. Zumal das ja auch soziale Folgen hat. "Viele Urlauber hinterfragen es nicht, wie eine Fernreise nur 500 Euro kosten kann."

Schließlich seien solche Preise oft nur durch Dumping-Löhne möglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass die nächste nachhaltige Reise automatisch teurer werden muss. Das zeigen die folgenden Tipps von Reisebloggern:

Achtung bei der Wahl der Transportmittel

Katharina vom Travel- und Lifestyle-Blog „So nah und so fern" empfiehlt, statt Auto oder Flugzeug einfach mal den Zug zu nehmen:

"Gibt es etwas Schöneres als aus dem Zugfenster zu schauen und draußen
die Orte und die Landschaft vorbei gleiten zu sehen? Meine Antwort ist ein klares „Nein".

Insofern habe ich schon viele Rundreisen mit dem Zug absolviert. So bin ich beispielsweise einmal zusammen mit einer guten Freundin mit dem Zug quer durch Italien gefahren. Erst vor kurzem hat mich ein Zug von Mailand nach Düsseldorf gebracht, mit Aufenthalten in Meran, St. Moritz und Zürich."

Auch die Unterkunft sollte bedacht gewählt sein

Susi Meier bloggt für BlackDotsWhiteSpots und bevorzugt zum Übernachten kleinere Unterkünfte, mit denen sie einheimische Familien und kleine Unternehmen vor Ort unterstützt.

„Bei meiner Reise durch Uganda und Ruanda habe ich bevorzugt Eco Lodges als Unterkünfte gewählt, die ihren eigenen Solarstrom produzieren, Wasser und Energie sparen und vor Ort soziale Projekte starten.

Ich als Besucherin wiederum komme schnell in Kontakt mit Einheimischen und erfahre mehr über ihren Alltag. Die kleinen Lodges sind stylisch und gemütlich und bieten einen hohen Komfort - nachhaltiges Reisen muss eben nicht gleich unsexy sein - im Gegenteil!

In Bangkok war ich außerdem in einem Öko-Hotel, das Recycling und Wasseraufbereitung betrieb. Für unsere Ohren klingt das vielleicht nach Standard, aber auf Inseln, auf denen es keine richtige Müllentsorgung und keine Wasseraufbereitung (dafür große Wasserknappheit) gibt, machen bereits viele kleine und selbstentwickelte Maßnahmen einen großen Unterschied."

Weitere Tipps von Susi und anderen grünen Reisebloggern gibt es in diesem Beitrag.

Es gilt: Bauernmärkte und regionale Produkte zu bevorzugen

Hier habe ich Dani und Michael gefragt, die sich in Sachen Essen auskennen und auf ihrem Blog "Flowers on my plate" ausgiebig darüber berichten:

"Wir lieben es individuell, aber mit Komfort zu reisen. Die Kulinarik steht bei uns immer gleich mit am Anfang der Reiseplanung: Egal wo wir sind, wir versuchen überall Bauernmärkte zu besuchen und in die lokale Genusswelt einzutauchen.

Bei den Restaurants recherchieren wir vorher, wo regionale und optimalerweise biologisch angebaute frische Köstlichkeiten angeboten werden."

Zum Schluss: Vorsicht vor Green Washing

Ein weiteres Problem, wie alle befragten Blogger bemerkten, ist Green Washing.

Darunter fallen Aktionen oder Zertifikate, die nur den Anschein erwecken, nachhaltig zu sein, es aber in Wirklichkeit nicht sind und somit weder den Menschen vor Ort, noch der Umwelt helfen. Wie Sie Green Washing erkennen können, lesen Sie in diesem Blog-Beitrag.

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