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8 Produkte für die Tiere leiden müssen

04/09/2015 11:36 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 11:12 CEST
dra_schwartz via Getty Images

Schon seit 2003 sind europaweit Tierversuche für Kosmetikprodukte verboten. Aber leider landen in unseren Einkaufskörben nach wie vor Gegenstände, für die Tiere leiden mussten, ohne dass wir als Verbraucher davon wissen.

Ich habe mit Michael Niebo von der Tierschutzorganisation PETA gesprochen und erfahren, wie weit verbreitet Tierversuche noch immer sind - und das nicht nur im Bereich Kosmetik.

Wie umgehen Unternehmen das Verbot von Tierversuchen?

Oft verlagern Unternehmen Tests ins Ausland oder deklarieren die Inhaltsstoffe neuer Produkte als Chemikalien. Das Chemikaliengesetz für die Neuzulassung von Produkten sieht nämlich eine Reihe von Tierversuchen vor. Deshalb ist es wichtiger denn je, bewusst Produkte zu kaufen, die nicht an Tieren getestet wurden.

Ich zeige Ihnen acht Produkte von denen sie niemals gedacht hätten, dass dafür Tiere leiden mussten:

1. Post-Its:

Die kleinen praktischen Helferlein, die bei vielen auf Schreibtischen oder an PC kleben, kommen leider nicht ohne Tierversuche aus.

Das amerikanische Unternehmen 3M testet zunächst den Klebstoff an Tieren, um toxische Reaktionen bei Menschen auszuschließen. Auf Drängen von Tierschützen hat sich 3M seit 2013 bereit erklärt, die Tierversuche immerhin zu reduzieren.

2. Nudeln:

Mamas aufgepasst: Auch das Lieblingsessen Ihrer Kinder kommt leider nicht immer ohne Tierversuche aus. Oft testen Dritthersteller an Tieren und die Konzernspitze erfährt zunächst gar nichts davon.

So ist das auch der Barilla Group passiert. Allerdings sind die seit wenigen Wochen nun komplett tierversuchsfrei. PETA hatte sie auf die Missstände hingewiesen und es wurde sofort reagiert, wie Michael Niebo von PETA im Interview mit Green Pearls berichtet: „Es hat keine drei Wochen gedauert, bis Barilla unsere Forderungen komplett umgesetzt hat."

3. Kontaktlinsen:

Das amerikanische Unternehmen Johnson & Johnson vertreibt nicht nur die Taschentuchmarke Kleenex, sondern neben vielen weiteren Produkten auch Kontaktlinsen. Diese werden, bevor sie in den Einzelhandel kommen, an Tiere getestet.

Der Grund: Kontaktlinsen werden als Medizinprodukte deklariert. Somit sind Tierversuche erlaubt und von der Regierung sogar teils vorgeschrieben. Einziger Lichtblick: Das Unternehmen hat es geschafft, seit 2000 circa 65 Prozent der Tests zu reduzieren.

4. Kondome:

Klingt seltsam, ist aber wahr: Zum Beispiel werden Kondome der Marke Trojan an Tieren getestet. Latex wird dabei in Kaninchen eingeführt um zu sehen, wie die Tiere auf die Inhaltsstoffe reagieren.

Die Marke Trojan der Church & Dwight Company stellt circa 70 Prozent der in den USA verkauften Kondome her und auch in Deutschland sind die Kondome erhältlich.

5. Zahnpasta:

Auch Zahnpasta gehört zu den Produkten, die an Nage- und an Säugetieren getestet werden. So zum Beispiel auch das Unternehmen Colgate-Palmolive. Immerhin: das Unternehmen versucht seit einiger Zeit die Tests zu minimieren, wie sie in ihrer Stellungnahme schreiben.

6. Putzmittel:

Procter & Gamble (P&G) ist einer der weltweit größten Hersteller verschiedenster Produkte: Neben Lenor, Pampers, Dash oder Febreze vertreibt das Unternehmen auch Putzmittel wie Meister Proper.

Obwohl das Unternehmen erklärt weitestgehend auf Tierversuche zu verzichten, steht es nach wie vor auf der roten Liste von PETA. Der Grund: So ganz kann es das Unternehmen nicht lassen an Tieren zu testen, da die Tests „vom Gesetz vorgeschrieben" seien.

7. Windeln:

Viele Windeln werden zunächst an Tieren getestet, um sicher zu gehen, dass sie keine allergischen Reaktionen hervorrufen.

Das trifft vor allem auf Firmen zu, die ihren Sitz nicht in der EU haben und somit vor dem Vertrieb hier erst einmal im Ausland testen. Pampers ist zum Beispiel mit von der Partie, da sie zu Procter & Gamble gehören.

8. Schokoriegel:

Mars geriet nicht nur einmal ins Visier von PETA. 2007 führten sie grausame Tests an Mäusen durch. Zuletzt an Ratten, denen eine Plastikkanüle in den Hals gesteckt wurde, um den Einfluss von Schokolade auf den Blutkreislauf der Tiere zu testen.

Mehr Infos dazu auf der Seite Marscandykills.com.

Außerdem stellte Nestlé erst 2010 seine Zusammenarbeit mit der Firma Sinar Mas Group ein, denn die Firma baute ihre Palmöl-Plantagen auf illegal gerodetem Regenwaldgebiet an und vernichtete damit Lebensraum von Orang-Utans. Palmöl wird oft in Schokolade oft als Kakaoersatzfett verwendet.

Massiver Protest

Erst nach massivem Protest kündigte Nestlé an, mehr auf Umweltstandards zu achten. Greenpeace startete kurz danach eine sehr erfolgreiche Social Media-Kampagne auf YouTube und wetterte darin gegen den beliebten Nestlé-Riegel KitKat, in dem auch Palmöl verwendet wird.

Ein weiterer Fauxpas: Das Unternehmen führte für NESTEA in Amerika zahlreiche Tierversuche durch. Absurd, sogar für Tee müssen Tiere leiden.

Tierversuche sind oft überflüssig

Klar, es gibt Tierversuche, damit wir als Verbraucher vor Gift und unverträglichen Stoffen sicher sind, oder? Nicht immer, berichtet die Tierschutzorganisation PETA. Oft reagieren Tiere auf Stoffe anders als Menschen. Bestes Beispiel ist Asbest. Ratten und auch Hamster vertragen den hochgiftigen Stoff wesentlich besser als Menschen.

Für viele Tierversuche gibt es heute außerdem gute Alternativen. So müssen weder Tiere noch Menschen leiden, erklärt PETA. Mit der In-Vitro-Methode zum Beispiel werden die Chemikalien direkt an Hautzellkulturen von Menschen in der Petrischale getestet und nicht mehr an lebenden Mehrschweinchen, wie die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche schreibt.

Alternativen finden und sich richtig informieren

Bewusster konsumieren sollte ab jetzt Ihr Leitsatz sein. Denn vor allem die Kaufentscheidung als Verbraucher und das Engagement von Tierschutzorganisationen können große Konzerne zum Umlenken zwingen. Auf den folgenden Seiten können Sie recherchieren, ob zum Beispiel Ihre Kosmetikprodukte tierversuchsfrei sind.

Animals Liberty untersucht sämtliche Stellungnahmen von Herstellern und vergibt rote, gelbe oder grüne Siegel, um aufzuzeigen welche Unternehmen eindeutig Stellung beziehen, oder eben nicht.

• Auf dieser Seite von PETA nehmen Sie ebenso die Firmen beziehungsweise ihre Kosmetikprodukte genauer unter die Lupe und können auch hier gezielt suchen.

• Wie Sie Ihren Koffer zum Beispiel für Reisen nachhaltig und vor allem mit tierversuchsfreien Produkten packen, erfahren Sie hier.

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Video:Streit um Werbeaktion: Die Tier-Aktivisten von Peta wollten dieses schockierende Plakat in deutschen Innenstädten zeigen

Video: Bewegender Moment: Ex-Zirkus-Löwe berührt zum ersten Mal Gras

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