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Industrieller Mittelstand 4.0 - erfolgreich durch Gamification und Apps

05/08/2015 16:46 CEST | Aktualisiert 05/08/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Eines der beherrschenden Themen in der Wirtschaft ist die Digitalisierung und die digitale Transformation sämtlicher Prozesse in Richtung Industrie 4.0. Und glaubt man der Politik, wird sich Deutschland mit Hilfe der Digitalen Agenda zu einem Musterland in der westlichen Welt in Sachen Innovation und Fortschritt entwickeln.

Aber: Wie weit ist man hier? Wie sind die Entwicklungen, auf was müssen sich etwa inhabergeführte Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus einstellen? Wohin geht der Trend? Gibt es gar Aktivitäten, die dank staatlicher Unterstützung den Mittelstand auf seinem Weg in das Zeitalter der Digitalisierung begleiten?

Der nachfolgende Artikel gibt Hinweise auf eine ermutigende Entwicklung.

Spielend höhere Effizienz in der Produktion

Computerspiele standen bisher im Ruf, außer für seine Herausgeber nicht wirtschaftlich von Vorteil zu sein. Doch spätestens seit der Entwicklung, die unter dem Stichwort „Gamification" läuft, ist das anders. Know-how der Spiele-Industrie fließt in die Entwicklung von Technologien und Geschäftsprozessen mit ein.

„Durch die Berücksichtigung von spielerischen und motivationalen Aspekten werden neue Anreize für Mitarbeiter in der industriellen Fertigung geschaffen", weiß Dr. Jörg Niesenhaus, vom Softwareentwickler Centigrade GmbH.

Niesenhaus, der die nordrheinwestfälische Niederlassung in Mülheim leitet, bestätigt, dass viele seiner Kunden - der Großteil stammt aus dem Anlagen- und Maschinenbau - schon heute auf die verbindenden Elemente der Spiele- und der klassischen IT-Welt setzen.

So werden z.B. Mitarbeiter belohnt, wenn sie flexibler in der Auswahl der Pausenzeiten sind und dadurch die Effizienz der Fertigungsstraße erhöhen. Diese scheinbar unbedeutende Incentivierung sorgt im Durchschnitt für höhere Auslastung in der Produktion, motiviertere Mitarbeiter und sogar noch zu Team-Building und Wissensaustausch.

Ein anderes Beispiel liegt in der geänderten Visualisierung der grafischen Benutzeroberfläche. Echtzeitfeedback und Zoom-Funktionen, geben Rückmeldung über den Status oder über Probleme der Maschine. So ist gezieltes Eingreifen und Zuweisung von Personal schnell und somit effizient und dabei gleichzeitig stressfrei für den Mitarbeiter möglich.

„Vor allem, wenn in zunehmendem Maße Maschinen miteinander kommunizieren" so Dr. Niesenhaus, „ist es wichtig, dass man als Mensch der Technik nicht ausgeliefert wird und weiß, was gerade in den einzelnen Produktionsstufen vorgeht."

Ergänzt werden die Informationen durch unterschiedlich aufbereitete Darstellungen von Produktionsdaten. Ein Schichtleiter erhält eine andere Sicht, z.B. auf seinem Tablet-PC, als der Produktionsleiter oder der technische Geschäftsführer.

Volle Kontrolle am Schweißgerät und Wartungsservice überall

Die Perspektive eines maschinenbedienenden Mitarbeiters nimmt die App „Fusion Control Center", die ein Industrieunternehmen für die Steuerung seiner Schweißgeräte in Auftrag gegeben hat. Mithilfe eines handelsüblichen Smartphones können wahlweise über Bluetooth oder W-LAN die thermischen Fertigungsgeräte bedient werden.

Zusätzlich, sagt Georg Petzinka, Experte für mobile Applikationen in der Industrie, „bietet die App weitere Funktionen, zum Beispiel eine integrierte Auftrags- und Projektverwaltung oder die Anbindung von Backend-Systemen zur Kontrolle von Service-Intervallen." Auch wenn es um Wartung geht, sieht Petzinka interessante Produkte im Industrieumfeld.

„Ein von mir betreutes Unternehmen hat eine mehrsprachige App entwickelt, die jeglichen Wartungsservice von überall her organisieren kann. Sie bietet alle Funktionen von der Vorbereitung über die Dokumentation bis zur Abrechnung."

Da Wartung von Industrieanlagen beliebig komplex sein kann, liefert die Software ein sehr flexibles Werkzeug, das individuell an die Kundenbedürfnisse angepasst werden kann. Darüber hinaus vereint die App rechtssicheres Monitoring und Abrechnen der jeweiligen Wartungsmaßnahmen.

Förderung der Beziehung von klassischem Mittelstand und innovativer IT

Ausgestattet mit Fördermitteln der EU und des Landes NRW hat sich unsere Initiative mit Namen Engage.NRW auf die Fahnen geschrieben, klassischen, traditionellen Mittelstandsunternehmen den Eintritt in die „digitale Transformation" zu erleichtern. Engage.NRW versteht sich als neutrale beratende Initiative, an die sich vor allem mittelständische Betriebe kostenfrei wenden können.

In der Beratung wird das Problemfeld der Digitalisierung abgesteckt und grobe Eckpunkte mit einem Umsetzungsplan erarbeitet. Hier haben sich gemeinsame Workshops als sehr wertvoll erwiesen. Darüber hinaus empfiehlt die Initiative professionelle Entwickler, die das passende Know-how für die Umsetzung mitbringen und begleitet bei Bedarf auch die Projektumsetzung.

Damit sorgt unsere Förderorganisation dafür, dass Unternehmen, die sonst nie zusammengefunden hätten gemeinsam neue Innovationsquellen erschließen. Und so entstehen neue Allianzen etwa zwischen kreativen Entwicklern der IT-Games-Industrie und Inhabern von alt eingesessenen Firmen in ganz Deutschland.

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