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Welt-Esel-Tag am 8. Mai 2017: Kostbare Helfer und begehrte „Ware"

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Von wegen dumm, störrisch und faul. Ganz im Gegenteil: Klugheit, Treue und Mut sind nur einige der Eigenschaften, die Esel auszeichnen. Dank ihrer ausgeprägten Sinne (dem Hören, Sehen und Riechen) nehmen sie potentielle Feinde schon von weitem wahr.

Ihr sehr fein entwickeltes Gehör dient ihnen als Frühwarnsystem bei Gefahren und selbst vor Raubtieren haben Esel wenig Angst. Daher werden sie sogar zum Herdenschutz eingesetzt, um andere Tiere vor Wildtieren zu verteidigen. Nach einem kurzen Moment des Zögerns, den sie zum Abschätzen gefährlicher Situationen nutzen, laufen die Tiere schreiend und die Zähne fletschend auf vermeintliche Eindringlinge zu, traktieren sie mit kräftigen Bissen oder schlagen gezielt mit den Hinterbeinen.

Darüber hinaus sind die fleißigen und sehr sozialen Tiere dem Menschen in vielen Ländern der Welt treue Helfer bei der Arbeit. Tagaus, tagein transportieren sie Waren zu den Märkten, Wasser vom Brunnen ins Dorf und sind eine immense Hilfe, um den oft schweren Alltag zu bewältigen.

Doch leider erhalten die fleißigen Tiere nicht immer die Versorgung und Pflege, die sie benötigen. Das liegt vor allem daran, dass vielerorts kaum tiermedizinische Versorgungsmöglichkeiten vorhanden sind.

So werden aus Druckstellen, die durch unpassendes Geschirr verursacht werden, schnell Wunden, die den Eseln große Schmerzen bereiten. Zudem überfordern schwere Lasten und fehlende Ruhepausen die Tiere. Esel sind extrem leidensfähig und arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Umfallen.

Seine natürliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren erreicht unter diesen Bedingungen kaum ein Esel. Seit vielen Jahren engagiert sich die Welttierschutzgesellschaft für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der treuen Langohren.

Verbesserung der tiermedizinischen Versorgung und der Haltungsbedingungen

Mangelnde tiermedizinische Versorgung und schlechte Haltungsbedingungen sind häufige Ursachen für das Leid der Esel.

Um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern, führt die Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen mobile Klinken durch, in deren Rahmen Esel tiermedizinisch versorgt und ihre Besitzer über die richtige Haltung und Pflege informiert werden.

So beispielsweise im Süden Indiens mit den Worldwide Veterinary Services (WVS) und im Nordosten des Landes gemeinsam mit Action for Protection of Wild Animals (APOWA) . Mit Teams bestehend aus Tierärzten, Studenten und Freiwilligen werden dort notleidende Tiere versorgt.

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Tierschutz auf Märkten und während der Transporte

Hunderte Tiere werden täglich auf den großen Viehmärkten der Welt veräußert. Brutale Transportmethoden, Misshandlungen und die Vernachlässigung von Grundbedürfnissen der Tiere, wie die Futter- und Wasseraufnahme oder einen Schattenplatz sind leider vielerorts ein großes Problem.

Gemeinsam mit der lokalen Organisation Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) ist die Welttierschutzgesellschaft in Zentral-Tansania im Einsatz, um mehr Tierschutz auf den dortigen Tiermärkten zu erwirken. Gemeinsam mit den Verantwortlichen von zunächst 20 Märkten wird erörtert, was getan werden muss, um die dort bestehenden Tierschutzprobleme zu beseitigen und so bessere Bedingungen für tausende Tiere zu schaffen.

Schutz vor Räubern und illegaler Schlachtung

Seit einiger Zeit floriert der weltweite Handel mit Eselprodukten. Ob ihr Fleisch als Delikatesse oder ihre Haut als vermeintliches Heilmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin: die Nachfrage übersteigt mittlerweile das vorhandene legale Angebot.

Das führt dazu, dass der Schwarzmarkt für Eselprodukte boomt und Verbrecherbanden in Nacht- und-Nebel-Aktionen die Tiere stehlen und töten, um ihr Fleisch oder ihre Haut illegal zu veräußern. Da die Esel in den betroffenen Regionen in der Regel frei umherlaufen, haben die Kriminellen hier leichtes Spiel.

Für die Bevölkerung ist der Verlust mit weitreichenden Folgen verbunden, denn von der Arbeitskraft der Esel hängt die Existenz ganzer Familien und Dörfer ab.

Um den Kriminellen das Handwerk zu legen hat die Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit der Partnerorganisation Meru Animal Welfare Organization (MAWO) in mehreren Massai-Gemeinden im Norden Tansanias Soforthilfe geleistet.

In diesem Rahmen wurden Gehege für die Esel errichtet, um diese so nachhaltig vor den tödlichen Übergriffen zu schützen.

Auch in Südafrika stellt der illegale Raub von Eseln eine wachsende Bedrohung dar. In Workshops für Farmer, in denen die Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit ihrer lokalen Partnerorganisation Cape of Good Hope SPCA Tierhalter für tiergerechte Haltungsbedingungen sensibilisiert, wurde das Thema zusätzlich integriert.

Künftige Tierärzte für die Bedürfnisse von Eseln sensibilisieren

Um langfristig für eine verbesserte tiermedizinische Versorgung in Schwellen- und Entwicklungsländern zu sorgen, wurde vor mehr als zwei Jahren das Aus- und Weiterbildungsprogramm TIERÄRZTE WELTWEIT ins Leben gerufen.

In Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen, tiermedizinischen Praxen, Behörden und Universitäten werden in Ländern wie Tansania, Gambia, Malawi und Uganda Schulungskurse durchgeführt. Insbesondere in den ländlichen Regionen dieser Länder sind die Menschen auf Nutztiere, wie beispielsweise Esel, bei der Verrichtung landwirtschaftlicher Tätigkeiten angewiesen.

Viele der Tiere erbringen Höchstleistungen und leiden gleichzeitig an Unterernährung, Parasiten, unbehandelten Wunden und Krankheiten. Doch eine medizinische Versorgung bleibt ihnen meist vorenthalten, denn vielerorts gibt es gar keine oder nur eine unzureichende universitäre Ausbildung für Tierärzte.

Unser Ziel ist es, die Menschen, die im Land in der Tiergesundheit arbeiten, für Tierschutzaspekte im Rahmen ihrer eigenen Tätigkeit zu sensibilisieren.

Neben den theoretischen Kurseinheiten erlernen die Teilnehmer praktisch im Rahmen von mobilen Kliniken die tiergerechte Versorgung unter anderem von Eseln und schaffen so die Grundlage für mehr Tierwohl in ihrem Land.

Sie wollen den Eseln helfen? Dann können Sie hier eine Projekt-Patenschaft abschließen.

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