Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Stefanie B. Headshot

Ich bin Mama von 3 Kindern und war am Ende meiner Kräfte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BURNOUT MOM
Gettystock
Drucken

Vergangenen Januar war der Moment gekommen. Der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich mit meinen Kräften am Ende war. Dass mir alles zu viel wurde. Ich wusste, ich würde eine Pause brauchen, sonst würde ich eher früher als später zusammenklappen.

Ich bin Vollzeitmama von drei Kindern - drei, fünf und sechs Jahre alt. Sie sind mein Ein und Alles. Aber: Es ist ein 24-Stunden-Job. Mein Mann ist geschäftlich viel unterwegs und unsere Familien wohnen weit weg. Daher bin ich die meiste Zeit auf mich allein gestellt.

Eines Nachts lief mein Sohn blau an und wäre beinahe erstickt. Mir ist es in letzter Sekunde aufgefallen. Gott sei Dank hat er das gut überstanden, aber ich habe seither noch stärker das Gefühl, rund um die Uhr für meine Kinder da sein zu müssen, sie beschützen zu müssen.

Deshalb falle ich quasi nie in eine Tiefschlafphase, wenn mein Mann nicht da ist. Das schlaucht mich sehr. Und tagsüber komme ich oft nicht hinterher. Du räumst auf, drehst dich um und es sieht schlimmer aus als vorher.

Ich fühlte mich immer gereizter und erschöpfter. Auch meinen Kindern gegenüber fühlte ich mich schlecht, wenn ich zu schnell an die Decke ging. Ich hatte immer weniger Kraft und wusste: Es muss sich etwas ändern.

Deswegen füllte ich an einem Tag im Januar den Antrag für eine Mutter-Kind-Kur aus. Doch der Antrag wurde abgelehnt. Laut Krankenkasse hatte ich keine mutterspezifische Belastungserscheinung. Ich verstand gar nicht, was damit gemeint war.

Mutter-Kind-Kur: Ich bin nicht allein

Doch dann fand ich heraus, dass die Krankenkasse von mir hören wollte, dass ich auch unter körperlichen Symptomen leide. Zum Beispiel so etwas wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Ich fand das total lächerlich.

Welche Mutter leidet bitte nicht unter diesen Schmerzen? Ich kenne keine, die keine Rücken- oder Kopfschmerzen hat. Warum sollte ich das extra angeben? Mir erschien das einfach unlogisch.

Mehr zum Thema: Bekenntnis einer erschöpften Mutter

Ich musste ganze sechs Monate warten, bis ich eine Zusage bekam. Für mich war diese Zeit schon ganz schön lang und kräftezehrend, so dass es mir allein schon schwer fiel mich für meine Kur stark zu machen.

Ich kann einfach nicht verstehen, wie man Müttern, die sich in dieser Notsituation befinden, einen Platz verwehrt, nur weil sie nicht angegeben haben, dass sie Kopfschmerzen haben. Bei der Entscheidung über eine Kurbewilligung würde ich mir wünschen, dass auch der Mensch in seiner persönlichen Situation betrachtet wird und nicht nur ein Kriterienkatalog abgehakt wird. Damals dachte ich mir: Keiner rettet mich aus dieser Zwickmühle. Ich bin auf mich allein gestellt.

Schließlich klappte es doch, denn ich lies nicht locker. Ein halbes Jahr später war ich zusammen mit 24 anderen Müttern auf Kur. Sie waren alle in derselben Situation wie ich. Wir haben viel geredet und mir wurde klar: Ich bin nicht allein.

Krankenkassen müssen schneller reagieren

Wir hatten alle unsere Kinder dabei. Eine andere Mutter erzählte eines Tages, dass sie ihre Kinder oben im Zimmer eingesperrt hatte, weil sie so geschrien haben. Ich konnte es nicht fassen und war total geschockt.

Selbst hier wusste sie keinen anderen Weg als ihre Kinder so zu behandeln. Was hätte sie zu Hause gemacht? Und wie viele Mütter gibt es wohl in Deutschland, die ihre Kinder so behandeln, weil sie verzweifelt sind?

Gerade unter dem Aspekt, kam es mir noch gefährlicher vor, dass ich so lange auf meinen Platz warten musste. Die Krankenkassen müssen einfach schneller reagieren. Zum Schutze der Mütter. Und zum Schutze der Kinder.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Während der Kur wurde mir auch bewusst, dass ich immer allen gerecht werden will und mich dabei selbst vergesse. Von uns Müttern wird viel erwartet. Und wir wollen diesen Erwartungen gerecht werden. Ein Teufelskreis.

Ich habe mich bewusst für meine Kinder entschieden, und meinen Beruf für sie erstmal zurückgestellt. Für manche klingt das so, als ob ich Urlaub mache. Das ärgert mich so sehr. Viele Menschen haben einfach keine Vorstellung, was Mamasein bedeutet.

Kinder kommen doch nicht fertig auf die Welt. Es kostet wahnsinnig viel Energie, sie auf das Leben vorzubereiten. Mütter werden in unserer Gesellschaft für diese Mammutaufgabe nicht angemessen wertgeschätzt. Das ist ein großes Problem.

Ich will nicht nur als Putz- und Hausfrau abgestempelt werden. Mamasein ist ein unglaublich harter Job und ein wichtiger für die Gesellschaft in der wir ja auch leben wollen. Doch das sieht fast keiner so. Ich hoffe, dass sich das eines Tages ändert.

Der Text wurde von Katharina Pichler aufgezeichnet.

Auch auf HuffPost:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.