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Ex-Bundespolizist warnt: Deutschland verliert den Kampf gegen die Straßengangs

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HELLS ANGELS
Kai Pfaffenbach / Reuters
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Vermummte und bewaffnete Rollkommandos, die in Horden über verfeindete Gangs herfallen und erst von ihren Opfern ablassen, wenn deren Schädel infolge der Schläge aufgeplatzt sind und die Gehirnmasse austritt.

Drive-by-Shootings mit Maschinenpistolen, Handfeuerwaffen, selbst mit Handgranaten. Messerangriffe auf konkurrierende Türsteher.

Schutzgelderpressungen und Folterungen der ausstiegswilligen Gangmitglieder. Gewalt, die auch vor gezielten Attacken auf Staatsorgane und Polizisten nicht halt macht. Drogendeals, die längst gewerbs- und bandenmäßige Ausmaße erreicht und eine wahre Gewaltwelle und Verbrechens-Flut gegen Unbeteiligte aus- gelöst haben.

Dazu Blutrache und Selbstjustiz, Brandanschläge, Machetenhiebe, Schießereien, Mord, Totschlag, ausbeuterische Zuhälterei, Zwangsprostitution, Vergewaltigungen und Menschenhandel. Die Gangs schrecken vor keiner Straftat mehr zurück.

Der Staat versagt in seiner Schutzfunktion

Dies alles sind keine Vorkommnisse aus East L. A., sondern Dinge, die auf Deutschlands Straßen geschehen.

Eine Integrationsindustrie, die verharmlost, scheitert und scheinbar ihre eigenen finanziellen Vorteile über alles andere stellt. Hauptsache, die Steuermillionen fließen weiter und neue Budgets werden erschlossen.

Der Staat versagt in seiner Schutzfunktion gegenüber der Bevölkerung. Dabei handelt es sich um ein systematisches Versagen, zu dem alle Organe ihren eigenen Anteil beitragen.

Zu allem Überfluss alimentiert das Justizwesen das kriminelle Treiben der Gangs, bürdet dem Steuerzahler millionenschwere Gerichts- und Anwaltskosten auf und belohnt Kriminelle in einem wahren Exzess von Urteilsabsprachen, die oft mit einer abermaligen Bewährungs- strafe für bereits mehrfach vorbestrafte Gangster ausgehen.

Wenn überhaupt, so wird diese Nachsichtigkeit allgemein mit der erhofften Resozialisierung der Straftäter begründet. Die realen Zustände haben dieses utopische Wunschdenken jedoch längst Lügen gestraft.

Der kriminelle Erfolg der Rockergangs in Deutschlands Rotlichtmilieus und ihre stete Präsenz in den Medien beschleunigte auch das Wachstum der Black Jackets, United Tribuns, Red Legions und ähnlicher Gangs ungemein.

Mehr zum Thema: Polizei warnt: Kriminelle Rockerbanden infiltrieren die Behörden

Die Popularität der Gangs, gerade unter jungen Migranten mit einer Affinität zu der propagierten Macho- und Gewaltkultur, wurde immer weiter befeuert. Die Streetgangs zogen diese jungen, entwurzelten Männer an, gliederten sie in die Gangstruktur ein und spuckten sie nicht selten zurück auf die Straße, nicht ohne ihnen vorher eine Austrittsgebühr abgepresst zu haben.

Aus ihrem Stammland Baden-Württemberg expandierten sie exzessiv in alle Landesteile der Republik und in ein Dutzend anderer Staaten. Dabei überflügelten die Streetgangs die Rockergangs an Mitgliederstärke problemlos.

Früher wurden die Rocker noch verspottet

In der politischen und polizeilichen Wahrnehmung dieses Phänomens zeigt sich eine weitere Parallel zu den Rockerbanden. Vor zehn, 15 Jahren wurden die Rocker nicht ernst genommen, gar als kriminelles Proletariat verspottet.

Die Banden wurden als vorübergehende Erscheinung betrachtet, die von allein wieder verschwinden würde und deren Taten und Opfer sich überwiegend in deren eigener Subkultur fänden. Wen kümmerte das schon?

Erst jetzt werden die katastrophalen Auswirkungen der Ignoranz deutlich. Es sind kriminelle Strukturen gewachsen, denen die Symbolpolitik der Vereinsverbote nichts mehr anhaben kann. Die Rockergangs haben Deutschland untereinander aufgeteilt und können ungestört ihren kriminellen Geschäften nachgehen.

Ganze Wohnviertel müssen mittlerweile wie in Duisburg mit Panzerwagen und Spezialeinheiten abgesperrt und gesichert werden, nur weil eine Gang ihre allwöchentliche Party feiert. Die Polizisten ächzen unter der Einsatzbelastung und häufen Hunderte Überstunden an.

Alltagskriminalität und weitere Kriminalitätsfelder werden sträflich vernachlässigt, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, die Rockergangs halbwegs im Zaum zu halten.

Genau dieselben Versäumnisse wiederholen sich jetzt bei den Black Jackets und anderen Türsteher- und Migrantengangs. Sie wer- den unterschätzt, die bundesweiten Zusammenhänge werden nicht erkannt oder wissentlich verleugnet und verharmlost.

Der Polizei fehlen Experten und Budget, während die Gangs jeden Tag neue Mitglieder rekrutieren, neue Chapter und Strukturen bilden, die sich nachhaltig etablieren. Die gewaltsam eroberten Machtbastionen in der Türsteherszene und im Rotlichtmilieu werden gefestigt und ausgebaut.

Die Funktionsträger der Gangs pflegen zunehmend gefährliche Kontakte zur organisierten Kriminalität oder sind längst in ihr aufgegangen.

Ein sinnvolles Vorgehen gegen die gewalttätigen Gangs wird erheblich durch politische Korrektheit, Gutmenschentum und Problemverleugnung erschwert, wenn nicht gänzlich verhindert.

Während über die Rockergangs eine Schlagzeile nach der nächsten geschrieben wird und sie damit zwangsläufig ins Visier der Polizei, der Politik und der Öffentlichkeit rücken, findet eine objektive, fundierte Berichterstattung über die Streetgangs nicht statt. Weder werden die Taten der Gang direkt zugeordnet noch wird die ethnische Herkunft der Täter thematisiert.

"Wir sind die am schnellsten wachsende Gang Deutschlands"

Die tatsächliche Brisanz der Lage wird verschwiegen, eine öffentliche Diskussion über diese neue Hydra der Kriminalität wird schlicht verweigert. Die Black Jackets werden problemlos das weiterführen können, was sie in den vergangenen Jahren so rasant begonnen haben: "Wir sind die am schnellsten wachsende Gang Deutschlands."

Die dänischen Sicherheitsbehörden haben, genauso wie in Deutschland, die ersten zehn Jahre lang das Gangunwesen komplett verschlafen. Die Strukturen haben sich mittlerweile zementiert und die dänische Bevölkerung muss nun den Preis des Versagens der selbsternannten politischen Eliten ausbaden.

Schießereien und Drogenhandel finden etwa in Kopenhagen auf offener Straße statt. Die Gewalt ist alltäglich geworden und verängstigt ganze Bevölkerungsschichten.

Unter erfahrenen Polizeiermittlern ist es ein offenes Geheimnis: Entsteht ein neues Kriminalitätsfeld, bilden sich neue Gruppen, so ist für das polizeiliche Arbeiten diese Anfangszeit entscheidend.

Denn nur in dem Anfangsstadium dieser Gründungszeit besteht die Möglichkeit, ernstlich dagegen vorzugehen. Verpasst man diese ersten Monate, lässt man ein ganzes Jahr verstreichen, so ist der Zug ab- gefahren, die Strukturen sind dann zu gefestigt, um durch normale Polizeiarbeit noch aufgelöst zu werden.

In England und Skandinavien ist diese Entwicklung schon weiter fortgeschritten als in Deutschland, aber auch hierzulande haben die Innenminister knapp zehn Jahre der kriminellen Gangaktivitäten untätig vergehen lassen.

Und auch jetzt, da sich die Toten häufen und schwerste Straftaten regelmäßig begangen werden, weigert sich die Politik, die unbequemen Wahrheiten auch nur zur Kenntnis zu nehmen oder gar klar zu benennen.

Wir verleugnen die wahren Zustände in den Städten

Wie in Skandinavien wiederholen sich auch hier die Gründe für dieses politische Versagen. Man pflegt ein falsches Toleranzverständnis, das mit der Verleugnung der wahren Zustände in den Städten einhergeht.

Trotz der Investition von Steuergeldern in Milliardenhöhe in zum Teil fragwürdige Integrationsprojekte werden die kriminellen Gangmitglieder nicht erreicht. Bei- spielhaft dafür stehen das Kampfsportzentrum der United Tribuns in Pforzheim und die steuersubventionierte Gründungsgeschichte der Black Jackets.

Bei allem, was den Hells Angels angelastet wird, etwa dass es sich um einen kriminellen Businessclub handele, dem es ausschließlich um Pro t und eine monopolartige Machtausübung geht, bleibt eines unstrittig: Im Gegensatz zu den sich europaweit ausbreitenden Streetgangs sind die Rocker in keinem der über 50 Länder, in denen sie aktiv sind, für soziale Unruhen verantwortlich, die derart bürgerkriegs- ähnliche Ausmaße erreicht hätten.

Es wäre die Aufgabe des Justizwesens, die politische und polizeiliche Fehlentwicklung zu stoppen und die Bevölkerung mit konsequenten Urteilen vor weiteren Gefahren zu schützen. Doch das System versagt.

Mehr zum Thema: Polizei löst Massenschlägerei zwischen Rockern und Libanesen mit Großaufgebot auf

Bei den wenigen Verfahren, die zustande kamen und bei denen die Belastungszeugen nicht unter Druck zu schweigen begannen, scheiterten die Gerichte und Staatsanwaltschaften kollektiv.

Es gibt so gut wie kein komplexeres Verfahren gegen Gangmitglieder, das über die volle Distanz gegangen wäre und an dessen Ende ein ab- schreckendes Urteil gestanden hätte.

Der Deal, das Geschachere in den Hinterzimmern der Richter, das als Ausnahmelösung gedacht war, ist längst zur alltäglichen Routine verkommen. Obendrein sorgt ein vom Steuerzahler alimentiertes Heer von Pflichtverteidigern dafür, dass die Strafzumessungen unter einer Haftstrafe oder gar der abschiebungsrelevanten Höhe bleiben.

Den Preis für das kollektive Versagen zahlt die Allgemeinheit. Die Gewaltkriminalität nimmt zu, ganze Stadtteile verrohen und verwandeln sich in No-Go-Areas.

Die Kinder der Mittelschicht werden aus- geraubt und erpresst, Drogen sind zu einer stets verfügbaren Ware geworden, junge Töchter werden von skrupellosen Zuhältern in die Prostitution gestoßen. Andere Länder haben den Kampf gegen die Gangs schon lange verloren. Deutschland verliert ihn in ebendiesem Augenblick.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Gangland Deutschland - Wie kriminelle Banden unser Land bedrohen.
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