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Wir sind Google, Widerstand ist zwecklos!

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
GOOGLE USER
Francois Lenoir / Reuters
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Sobald in Deutschland das Wort auf soziale Netzwerke kommt blickt man in entsetzte Gesichter. ÔÇ×Die klauen doch ohnehin nur alle Daten", hei├čt es dann schnell. Des Deutschen Misstrauen gegen├╝ber Facebook und Co. ist so krass ausgepr├Ągt, dass viele Nutzer sich weigern mit Klarnamen in dieses und ├Ąhnliche soziale Netzwerke zu gehen. Da wird aus Michael Hufmann schnell mal ÔÇ×MiHuMa" und manche andere Monstrosit├Ąt an Tarnnamen.

Big Brother is watching you

Dieses Misstrauen mag berechtigt sein, oder auch nicht. Viel mehr Sorgen m├╝sste uns allen aber ein anderer Gigant machen. Aber zuerst erz├Ąhle ich Ihnen eine kurze Geschichte: Ich brauchte Schuhe. Winterschuhe, und ich hatte eine grobe Ahnung, wie sie aussehen sollten. Ich ging also ├╝ber Google in einen Online-Shop, st├Âberte dort ein wenig herum und kaufte dann doch lieber in einem echten Schuhgesch├Ąft. Dennoch wurde ich noch Wochen danach mit Werbung zu exakt meiner Schuhsuche zugem├╝llt. Egal, auf welche Webseite ich ging, ├╝berall waren da diese Schuhe.

Es geht noch schlimmer. Ich schrieb einen Kommentar im Google-Kosmos und (ich glaube es war bei YouTube) zum Thema Waffen und bekam wochenlang Sportwaffen angepriesen, egal wo und wie ich unterwegs war im Netz. Erst als ich zur├╝ck in meinem Beiruter B├╝ro war, mit anderem Computer und anderen Zugangsdaten, legte sich dieser Irrsinn. Daf├╝r kam dann ein Dattel-Sturm und so geht es weiter.

Aber es funktioniert sogar noch krasser: Haben Sie einmal versucht einen tats├Ąchlich falschen Bericht ├╝ber jemandem aus den Google-Suchergebnissen l├Âschen zu lassen? Angeblich hat man ja inzwischen das Recht dazu. Doch zu mehr als lapidaren Textbausteinen ringt sich Google nach eigenen Recherchen in neun von zehn F├Ąllen nicht durch. Die Hamburger Datenschutzbeh├Ârde hat deswegen sogar gesonderte Informationen f├╝r Google-Gesch├Ądigte eingerichtet.

Das Datendilemma: Wir sind selbst schuld!

Andererseits sind wir Deutschen auch selbst schuld. Es gibt neben Google noch zahlreiche andere, auch sehr gute, Suchmaschinen. Angefangen von Bing ├╝ber Yahoo bis zu DuckDuckGo. Trotzdem hat Google hierzulande einen Marktanteil von weit ├╝ber 90% im Suchbusiness. Das ist ungesund und etwa in den USA schon ganz anders, wo die Gewichte fairer verteilt sind. Das bedeutet, wir alle liefern uns Google freiwillig aus.

Denn noch etwas kommt hinzu: Wer als Gesch├Ąft oder Onlineshop nicht ÔÇ×oben" steht bei Google, der hat verloren. Der muss dann sehr teure Werbung schalten, bei der Google durchaus auch mal Preise wie 2,75 Euro pro Klick nimmt. Ein privates Unternehmen entscheidet so mit, welches Start-up Erfolg haben wird und welches nicht. Mit freier Marktwirtschaft hat das nichts zu tun, ein schlauer ├ľkonom k├Ânnte mal durchrechnen, welcher volkswirtschaftliche Schaden durch dieses Monopol entsteht.

Ich recherchiere gerade einige F├Ąlle zu Google-Opfern und werde Ihnen berichten, wenn ich damit durch bin. Bis dahin der Rat: nutzen Sie doch mal die Alternativen. Denn sonst hei├čt es weiterhin: Wie sind Google, wir d├╝rfen das und Widerstand ist zwecklos.

UPDATE:

Statement von Klaas Flechsig, Unternehmenssprecher von Google Germany

"Kleiner Tipp: Personalisierte Werbung kann jederzeit in den Google Anzeigeneinstellungen deaktiviert werden. Und es ist schon immer m├Âglich, Inhalte aus unseren Suchergebnissen zu entfernen, solange es daf├╝r einen triftigen Grund gibt - eine L├Âschung kann hier beantragt werden. Was die Klickpreise f├╝r unsere Werbeanzeigen betrifft: Wir machen die Preise nicht selbst, sondern sie werden im Rahmen einer Auktion von unseren Werbekunden festgelegt. Das hei├čt, niemand muss mehr zahlen, als wirtschaftlich sinnvoll ist, und pro Branche unterscheiden sich die Klickgebote sehr stark."

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