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War da nicht was in Afghanistan?

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
AFGHANISTAN
Jeffrey Coolidge via Getty Images
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Es gibt hier in Beirut ein kleines Caf├ęhaus, in dem man neben Kaffee und allerlei s├╝├čem Geb├Ąck auch einen ziemlich gut informierten Herrn Treffen kann, der gerne redet, aber lieber anonym bleiben m├Âchte. Nennen wir ihn also der Einfachheit halber Herr Ali. Dieser hat sich ├╝ber die Jahre als zuverl├Ąssige Quelle hinsichtlich der Zust├Ąnde in manchem Land des nahen und mittleren Ostens erwiesen. Insbesondere in Afghanistan kennt er sich aus. Das ist insofern spannend, als man gegenw├Ąrtig wenig h├Ârt von dort und die Lage wie eh und je un├╝bersichtlich ist.

Nach einer typisch orientalischen Begegnung mit allerlei H├Âflichkeitsbekundungen und dem Austausch der Beteuerungen gegenseitigen Respekts, wurde es bei meinem k├╝rzlichen Zusammentreffen mit ihm spannend. Denn anders als viele Experten unkten, ist Afghanistan derzeit, gemessen an afghanischen Verh├Ąltnissen, derzeit relativ stabil. Es gebe sogar so etwas wie einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung, auch wenn die regionalen Unterschiede erheblich seien.

Bemerkenswert, so Herr Ali, der gerade aus Kabul nach Beirut kam, sei dass die afghanischen Verh├Ąltnisse ruhiger wurden, je mehr der Krieg in Syrien und in Teilen des Iraks w├╝tete. K├Ânnte es daran liegen, dass die "├╝blichen Verd├Ąchtigen" von Teheran ├╝ber Moskau bis Washington derzeit eine neue Arena gefunden haben, auf die sie ihre nicht unendlichen Kr├Ąfte konzentrieren? L├Ąsst man einmal den ebenso typischen wie unangenehmen arabischen Hang zu Verschw├Ârungstheorien beiseite, k├Ânnte man dieser These schon etwas abgewinnen.

Die Afghanen jetzt komplett sich selbst zu ├╝berlassen, das w├Ąre fatal. Das sieht auch Herr Ali so, w├Ąrend er in seiner Tasse den Schaum abl├Âffelt. Die Taliban und verwandte Kr├Ąfte warteten nur darauf, dass auch der letzte ausl├Ąndische Soldat das Land verl├Ąsst, um Afghanistan dann wieder schnurstracks in die Steinzeit zu katapultieren. Aber "less attention on Afghanistan" (weniger Aufmerksamkeit auf Afghanistan), so Herr Ali, tue dem Land und seinen Menschen offenbar gut. Wirtschaftliche Zusammenarbeit sei jetzt gefragt, humanit├Ąre und logistische Hilfe zur Selbsthilfe. Es sei auf jeden Fall etwas in Bewegung. Vor allem nennenswerte Teile der Jugend entradikalisierten sich.

Herr Ali sieht derzeit eine Trennlinie durch die islamische Welt laufen, die er entlang von Euphrat und Tigris sieht. Westlich davon sei die Jugend dabei, sich weiter zu radikalisieren. ├ľstlich hingegen sei der Zenit dieser Entwicklung bereits ├╝berschritten. Es m├╝sse dringend soziologisch untersucht werden, ob seine Hypothese stimme, pocht Herr Ali mit seiner rechten Hand auf den Tisch. Denn wer Huntington gelesen habe, der wisse, dass dieser nicht nur Recht behalten habe. Vielmehr k├Ânne man an bestimmten soziologischen Merkmalen wie der Bev├Âlkerungspyramide und dem Radikalisierungsgrad der f├╝nfzehn- bis drei├čigj├Ąhrigen M├Ąnner ablesen, wie stabil ein Land sei, beziehungsweise wie es sich entwickeln werde.

Tats├Ąchlich lassen sich solche Thesen bei Huntington finden. Untersuchungen dazu, vor allen in Afghanistan, gibt es bis heute aber keine. Zumindest keine die ├Âffentlich recherchierbar w├Ąren. Ein schweres Vers├Ąumnis sei das, findet Herr Ali. Man muss ihm wohl zustimmen.

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