Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Stefan Schmidt Headshot

Warum Jim Hillary wählt und Trump trotzdem gewinnt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP ELECTION
Carlo Allegri / Reuters
Drucken

Nach vielen Jahren hauptsächlich in Beirut tut es gut, einmal eine alte Demokratie in Aktion zu erleben. Es ist schier unglaublich, wie politisiert und engagiert die Amerikaner in diesen Tagen sind.

Von Politikverdrossenheit keine Spur, nur eine gewisse Obama-Müdigkeit spürt man. Und sieht er nicht ganz furchtbar gealtert aus, der "Yes we can" Heilsbringer von 2008? In Europa wird er weiter verehrt, kein Wunder macht er eine seiner letzten Auslandsreisen nach Deutschland.

Im Rest der Welt ist er kaum noch willkommen. Der philippinische Präsident Duterte nannte ihn öffentlich mehrfach einen "Hurensohn" - und man kommt nicht umhin, dass außerhalb Europas viele auf diese Weise über den Friedensnobelpreisträger denken.

Der Gründe dafür gibt es viele, der Entscheidende ist das Machtvakuum, dass er durch amerikanische Passivität eröffnet hat. Mit Mühe und unendlichem menschlichen Leid putzt jetzt etwa Präsident Putin das Chaos aus, welches Obamas "arabischer Frühling" im Nahen Osten angerichtet hat.

Kann Donald Trump es wirklich schaffen?

Wer wird nun aber die Wahlen am Dienstag gewinnen? Ganz klar Donald Trump. Davon ist zumindest Jim überzeugt, der Kramladenbesitzer neben unserem Büro, wo ich meine Zigaretten kaufe und mir die Welt erklären lasse. Er ist sich da ganz sicher, obwohl er selbst Hillary wählt.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Warum er dennoch an einen Sieg Trumps glaubt? "Trump hat das positive Momentum", meint Jim. Trump gebe einer großen abgehängten Masse an Menschen das Gefühl von Sicherheit und Zuversicht, garniert mit etwas "professional love", à la 'Ihr liebe Wähler seid ganz toll, ich mache das alles nur für Euch, wir machen Amerika wieder großartig' - das sei Trumps Formel.

Und in der Tat, seine Auftritte sind wie Rockkonzerte, in denen das Publikum die Phrasen seiner Reden wie einen Refrain von selber ruft. "Trockne den Sumpf!" ist eine solche, gemeint ist der Politbetrieb in Washington. Oder "Bau die Mauer!", einen Schutzwall gegen mexikanische Grenzübertreter.

Das Publikum schmettert Trump diese Sätze entgegen, noch bevor er sie ausspricht. "Er ist ein Rockstar", analysiert Jim trocken, "und ein verdammt guter obendrein".

Desto näher man Clinton kommt, desto unsympathischer wird sie

Und Clinton? So sehr sie sich auch bemüht, sie hat dieses eislaufmuttihafte Gehabe, unentspannt und Besserwisserisch. Erlebt man sie, hat man immer irgendwie Angst, sie fragt einen gleich nach den Hausaufgaben, die man nicht gemacht hat.

Je näher man ihr kommt, desto unsympathischer wird sie einem. Werden Menschen in der Regel altersmilde, setzt bei Hillary Clinton eine Versteinerung ein. So richtig emphatisch warm war sie noch nie, aber als Senatorin doch zumindest professionell warmherzig. Inzwischen ist dieser Zug verflogen.

Jim meint, sie erinnert ihn an seine Mutter, die mit dem Kochlöffel Prügel verteilt hätte. Komischerweise passt dieses Bild für mich irgendwie, spätestens seit ich mir einen ihrer Auftritte angetan habe.

Trotzdem wählt Jim sie, weil er Angst hat, seine Krankenversicherung unter Trump wieder zu verlieren. "Aber der bessere Typ ist er, ich mag ihn", gesteht er dann doch. Ein Glück bin ich kein Amerikaner. Ich wüsste nicht, für wen ich stimmen sollte.

Auch auf HuffPost:

Dieser Artikel war bei Amazon meistverkauft - wegen Donald Trump

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.