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Social Media: Trump liegt vorne und viele irren sich

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DONALD TRUMP
scarletsails via Getty Images
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Von Stefan Schmidt, derzeit in New York.

Vorweg ein klares Wort. Bei allem Respekt vor meinen in Deutschland arbeitenden Kollegen: die Berichterstattung über US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump scheint dort doch mehr von eigenen Meinungen geleitet zu sein als von harten Fakten. Hier in den USA, wo ich derzeit bin, war nach dem dritten Fernsehduell der Kandidaten keineswegs klar, wer diese TV-Debatte "gewonnen" hat. In den deutschen Medien konnte man dagegen den Eindruck gewinnen, Trump sei an Clinton zerschellt wie einst die Titanic an einem Eisberg. Das ist, beherrscht man die Englische Sprache und ist unvoreingenommen, kompletter Unsinn. Beide Kandidaten waren grauenhaft. Trump war konventionell und unfokussiert, Clinton unerträglich passiv-aggressiv und bei Weitem nicht so intellektuell stark wie ihre Anhänger sie gerne sehen würden.

Das letzte von drei Streitgesprächen fand am vergangenen Mittwoch in Las Vegas statt und wurde hervorragend moderiert. Interessant wurde es nur an einer Stelle: Donald Trump ließ offen, ob er das Ergebnis der Wahl, die am 8. November stattfinden wird, akzeptieren werde und behielt sich ausdrücklich eine Anfechtung vor. Das Clinton-Lager machte aus dieser Aussage gleich einen Skandal. Dabei ist die Wahlgeschichte der USA so reich an Chaos, dass dieser Vorbehalt nur natürlich, logisch und rechtlich einwandfrei erscheint. Man denke nur an das Wahlabsurdistan 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush!

Auf eine dahin zielende Frage des erstaunlich souveränen Moderators antwortete Trump klipp und klar, er werde erst nach der Wahl sagen können, ob er das Wahlergebnis akzeptieren könne. "Ich sage Ihnen das zu gegebener Zeit", so Trump. "Ich werde die Unsicherheit aufrechterhalten." Er müsse erst "prüfen". Die Medien seien ihm gegenüber parteiisch und unehrlich, sagte Trump. Zudem seien Millionen Menschen in den Wählerverzeichnissen registriert, die gar nicht wahlberechtigt seien. Dies mag für deutsche Ohren sonderbar klingen, ist aber in einem Land ohne Meldepflicht und zentrales Einwohnerregister durchaus denkbar. Und wie war das doch gleich in Österreich? Muss dort nicht auch gerade eine Präsidentenwahl wiederholt werden? Ist Trump deswegen nicht bei Sinnen? Nein, wohl eher ein Pragmatiker, auch wenn Hillary dies natürlich nicht gerne hört.

Erst vor wenigen Tagen hatte sogar der demokratische Wahlleiter von New York auf entsprechende Probleme hingewiesen. Trump kritisierte zudem, dass die Clinton-Kampagne gewalttätige Störer zu seinen Wahlkampfauftritten geschickt hatte. Clinton konnte nicht widerlegen, dass dies der Fall gewesen ist und eine Durchsicht der Videos von Trumps auftritten sprechen auch hier dafür, dass Trump die Wahrheit sagt.

Clinton reagierte darauf mit zunehmend bissiger und harscher Kritik. Sie warf ihrem Gegner vor, immer dann von Manipulation zu sprechen, wenn etwas nicht so laufe, wie er es gerne wolle. Dies sei schon immer so gewesen. "Er beschädigt unsere Demokratie", sagte Clinton. Und dann verstieg sie sich sogar zu der kruden Verschwörungstheorie, der russische Präsident Vladimir Putin höchstpersönlich würde den Wahlkampf zu Trumps Gunsten manipulieren, sogar von Hacking Russlands gegen Clinton war die Rede.

Hillary Clinton kann solche erschreckend wirren Böller von der deutschen Presse ungestraft zünden, aber Trump soll im Vorfeld jedes Wahlergebnis ohne Prüfung anerkennen und quasi einen Blankoscheck ausstellen? Das ist dann doch eine sehr eigenwillige Zusprechung von Rechten und Pflichten, oder? Putin wird dies alles mit Sicherheit amüsieren, wenn er nicht sogar - zurecht - schallend lachend durch den Kreml läuft. Erstaunlich bleibt das Zerrbild beider Kandidaten in der deutschen Medienlandschaft, wo einer Frau ungehemmt die Herzen zufliegen, die den Charme und die Empathie einer in die Jahre gekommenen Schulrektorin hat, die irgendwie der Illusion zu erliegen scheint, sie habe nach all den Jahren an Bills Seite so etwas wie ein Recht auf das Weiße Haus. Nicht, dass Trump ein Heiliger wäre, aber die Skandale beider Clintons würden auch ganze Lexika füllen.

Nimmt man die Social Media Daten, wo Trump seine Rivalin locker abgehängt hat, als Grundlage einer Prognose, kann es am 8. November tatsächlich doch noch einen Sieg von Trump geben. Wäre das ein Weltuntergang? Definitiv nein. Wer es nicht glauben mag, möge ordentlich Englisch lernen und ihn ihm Original und ungeschnitten anhören. In Sachen Trump rufe ich über den Atlantik: Ihr täuscht euch! Auch wenn es wahrscheinlicher ist, dass Oberstudienrätin Clinton uns die nächsten vier Jahre einige Nerven kosten wird.

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