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Radikale Ideen für den Frieden

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PEACE DEMONSTRATION MIDDLE EAST
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Wieso eigentlich nicht? Viele Fachleute warnen angesichts der Kriege im Nahen Osten vor einem Staatszerfall, nicht selten mit einem mahnenden Unterton, als Drohe die Apokalypse. Aber genau die ist schon da, oder wie soll man die Situation in Syrien, Libyen, Somalia, Jemen und Teilen des Nordirak sonst nennen? "Konflikt" heißt es oft, aber was dort passiert ist alles andere als ein "Konflikt". Es ist der Untergang der Zivilisation, eine Apokalypse.

Denken wir also einfach einmal frei von diesen Schemata und schauen etwas über hundert Jahre zurück. Dann finden wir dort Stammesgebiete unter osmanischer Herrschaft, meist islamisch-beduinisch besiedelt, aber auch bevölkert von zahllosen christlichen und anderen Minderheiten. Staaten wie Syrien, Irak, Jordanien und so weiter, sie gab es nicht, ja noch nicht mal Palästinenser.

Der Nahe Osten mit seinen willkürlichen Grenzen ist ein Kunstgebilde.

Alleine Israel hat eine gewisse staatliche Kontinuität, die allerdings auch für rund 2000 Jahre unterbrochen war. Der ganze Nahe Osten mit seinen willkürlichen Grenzen ist ein Kunstgebilde, die Folge des Zerfalls des Osmanischen Reiches. Der Gipfel der Absurdität ist, dass ausgerechnet die Kurden, als eines der größten Völker der Region, nie ihren eigenen Staat erhielten.

Es wird also in und um Gebilde gestritten, deren historische Kontinuität fraglich ist, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Was wäre so schlimm daran, wenn sie zerfielen? Wo läge das Problem, wenn die Grenzen im Nahen Osten im Rahmen der UNO neu gezogen werden, damit es zu homogeneren Völkerschaften kommt? Ich weiß, das klingt "völkisch" und in deutschen Ohren zurecht abstoßend braun.

Wem nützt es künstliche Staaten gewaltsam zusammenzuhalten?

Aber wenn man auf diese Weise zu einem Frieden im Nahen Osten kommen könnte, wo wäre das Problem? Muss man unbedingt Schiiten, Sunniten, Kurden und andere Gruppen in künstlichen Staaten gewaltsam zusammenhalten? Wem nützt das? Wem ist damit geholfen?

Ideen für den Frieden

So könnte im Norden des Irak und Syriens ein echtes Kurdistan entstehen, wobei der Türkei und dem Iran die territoriale Integrität von der UNO zu garantieren wäre. Die Paranoia der Türken und Iraner vor einem eigenen Staatszerfall muss man natürlich ernst nehmen. Aber der Nordirak ist ohnehin de facto bereits in kurdischer Hand und Nordsyrien eine Trümmerwüste.

Sodann könnte man die schiitischen Gebiete Syriens mit dem Südirak zu einem zweiten schiitischen Land neben dem Iran vereinen und den Rest Syriens entlang der Levante in eine sunnitisch-multikulturelle Förderation nach bosnischem Vorbild umbauen.

Libyen dreizuteilen wird niemandem Fantomschmerzen bereiten, denn das ist schon der Status quo heute. Selbst ein Land Palästina-Gaza mit Teilen des Sinai im "Tausch" für Judäa und Samaria wäre theoretisch denkbar und ist nicht der Fantasie eines Politikwissenschaftlers entsprungen, sondern war in der innerägyptischen Diskussion durchaus schon Thema.

Prompt wäre damit auch Israel befriedet und könnte seinen Traum vom einen jüdischen Staat leben. Für all das braucht man nicht einmal viel Vorstellungskraft.

Würde man die Kräfte frei spielen lassen, käme es am Ende sogar von selbst heraus, weil es in wesentlichen Teilen den natürlichen Gegebenheiten in der Region entspricht. Man könnte es im Rahmen einer UNO-Neuordnungskonferenz nur schneller und mit weniger menschlichem Leid bekommen.

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