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Ölpreis: Weiter Förderung auf Hochniveau

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OIL
Prasit photo via Getty Images
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Zusammen mit Jeff Barnes, Head of Strategy bei SCPS International New York.

Laut wurde es angekündigt, was kam war wenig: kaum etwas spricht dafür, dass das vor zwei Wochen ausverhandelte Abkommen der ölfördernden OPEC-Nationen Aussicht auf Erfolg hat. Dass sich auch Russland trotz aller Zusagen an den Förderungsdrosselungen beteiligt, ist unwahrscheinlich und das gleich aus mehreren Gründen.

Russland treibt die faktisch nicht von der Hand zu weisende Sorge, dass eine Förderungsreduktion seitens der OPEC und Russland zum Motor für den Schieferölsektor in den USA wird, welcher zuletzt unter den fallenden Ölpreisen besonders zu leiden hatte. Russlands Staatschef Vladimir Putin hatte sich so zwar positiv zu einer möglichen Förderkürzung seitens der OPEC geäußert, diese Aussage aber durch seinen Energieminister Nowak wieder kassieren lassen. Die Strategie hinter diesem Zickzackkurs erschließt sich zwar nicht, jedoch sind derartige Volten Teil der politischen Traditionen in Russland, die in Zeiten lange vor Putin zurückreichen.

Die russischen Ölproduzenten können mit dem derzeitigen Ölpreis einigermaßen zurecht kommen. Zudem geht es wesentlichen Teil des Ölpreisverfalls auf die frühere Entscheidung Saudi-Arabiens zurück, die Fördermengen massiv zu erhöhen, um den auf den Weltmarkt zurückdrängenden Rivalen Iran unter Druck zu setzen. Die russische Ölindustrie mit ihrer im internationalen Vergleich sehr niedrigen Kostenbasis und nationalen Serviceindustrie ohne Währungsrisiko hat hier im Vergleich deutlich mehr Spielräume.

Zudem ist noch nicht entschieden, ob es zu einer Umsetzung der verabredeten Angebotseinschränkung der OPEC kommen wird. So ist die Chance eines Scheiterns des Abkommens relativ groß. Vor allem der Irak ist derzeit überhaupt nicht an einer Begrenzung der Fördermengen interessiert. Das irakische Förderniveau lag im September mit rund 4,5 Mio. Barrel je Tag auf einem Rekordhoch und war eines der größten Konfliktthemen auf dem OPEC-Treffen in Algier. Damit steht der Irak nicht allein. Auch der Iran, Nigeria und selbst das vom Bürgerkrieg zerrissene Libyen förderten im September circa 600.000 Barrel pro Tag mehr als erwartet. Die Gesamtfördermenge des Rohstoffkartells ist damit auf ein Rekordhoch von rund 34 Mio. Barrel/Tag gestiegen.

Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die angekündigte Drosselung der OPEC-Staaten zeitnah real wird. Saudi-Arabien wird weiter gegen den Iran "pumpen" und Russland, das eigentlich steigende Einnahmen dringend benötigt, möchte der Schieferölproduktion durch einen steigenden Ölpreis nicht nachhelfen. Es bleibt also spannend auf dem Ölmarkt.

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