Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform fĂŒr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Stefan Schmidt Headshot

Obamas Schneise der VerwĂŒstung in Nahost wird breiter

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ISRAEL PALESTINIANS
Christian Offenberg via Getty Images
Drucken

Im allgemeinen Geheule wegen des Siegs von Donald Trump geht in den deutschen Medien völlig unter, dass im Nahen Osten gerade eine weitreichende Weichenstellungen vorgenommen wird. Israel und Russland nĂ€hern sich immer weiter an und gießen diese neu gefundene Zuneigung jetzt in konkrete Form. Der vorlĂ€ufige Höhepunkt ist ein Freihandelsabkommen.

Nachdem Barack Hussein Obama 2008 US-PrĂ€sident mit Hillary als Außenministerin wurde hat er alles, wirklich restlos alles gemacht, um den treusten amerikanischen VerbĂŒndeten im Nahen Osten auf die Palme zu bringen. Seine tiefe Abneigung gegen Israel und seine fast greifbare Abneigung gegen dessen MinisterprĂ€sidenten hat man in der arabischen Welt sehr wohlwollend aufgenommen, es den Amerikanern aber natĂŒrlich nicht "gedankt".

Das VerhĂ€ltnis von Obama und Netanjahu ist so verheerend schlecht, dass Obama den israelischen Premier zuletzt nicht einmal im Weißen Haus empfangen hat. Auftritte von VizeprĂ€sident Biden und Außenministerin Clinton in Jerusalem glichen zum Teil dem Spiel "Wer tritt in die meisten FettnĂ€pfchen". Als Nahostkorrespondent habe ich das damals hautnah erlebt, es war ein Bild des diplomatischen Grauens. Hinzu kam eine Syrienpolitik, von der Obama anfangs selbst sagte, er habe keinen Plan. Gebombt wurde trotzdem.

Kein Wunder also, dass sich Israel zunehmend nach Moskau orientiert hat. Dort wurde er, Russlands NĂ€he zum iranischen Regime beseite, mit offenen Armen empfangen. PrĂ€sident Putin kann man nĂ€mlich vieles nachsagen, ein Antisemit ist er aber in keiner Weise. Eher umgekeht, sieht er in den Millionen nach Israel ausgewanderten russischen Juden eine Art von russischer Exil-Gemeinde. Seine Sympathien fĂŒr Isarel, dafĂŒr sprechen alle Indikatoren und Kenner der Szene, sind echt. Das Gleiche gilt fĂŒr Russlands Ex-PrĂ€sident und amtierenden MinisterprĂ€sidenten Dimitri Medwedew.

Dieser reiste nun nach Jerusalem, um einen wahren Coup zu landen. Bei einem Zusammenkomen mit seinem israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu wurde nĂ€mlich die ganz konkrete Möglichkeit eines Freihandelsabkommens zwischen der von Russland dominierten "Eurasischen Wirtschaftsunion" und Israel ausgelotet. Nach Medwedews Aussagen stehen mehr als vierzig Abkommen zwischen Russland und dem einzigen jĂŒdischen Staat der Welt auf der Tagesordnung.

So unterzeichneten bereits die Landwirtschaftsminister beider Nationen einen Deal fĂŒr die Zusammenarbeit im Bereich der Agrarindustrie. Im Rahmen eines Pilotprojekts soll in der russischen Landwirtschaft israelisches High-Tech zum Einsatz kommen. Russland zeigt sich dabei an einem Technologietransfer interessiert. Die israelische Wirtschafts-Newsseite "Globes" schreibt: "Jene neuen Technologien und Entwicklungen, die Medwedew auf seinem Besuch vorgestellt werden, umfassen einen innovativen Roboter (...). Der Roboter soll fĂŒr das SprĂŒhen landwirtschaftlicher Felder und Getreide in TreibhĂ€usern vorgesehen sein."

Beide LĂ€nder haben einen starken Agrarsektor. Das riesige Russland ist im Verlauf des aktuellen Jahres zum weltgrĂ¶ĂŸten Getreideexporteur aufgestiegen, der bilaterale Handel zwischen Israel und Russland sei um 73 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar gestiegen, berichten russische Quellen. Im Vorjahr habe das Handelsvolumen rund zwei Milliarden US-Dollar betragen.

Neben dem stabilsierten Ägypten schielt jetzt also auch ein erstarktes Israel nach Moskau. Der NATO-Partner TĂŒrkei dagegen taumelt richtungslos ins Chaos. Welch ein niederschmetterndes und peinliches Erbe Obamas und Clintons im Nahen Osten.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂŒr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.