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Nein, so funktioniert Demokratie nicht!

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BROADWAY ESCAPADAS MAMA
Fresh photos from all over the worls via Getty Images
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In New York ist etwas Bedenkliches passiert, das weite Teile der deutschen Presse auch noch klammheimlich feiert. Dazu gleich mehr. Erst das Grundsätzliche: Demokratie ist anstrengend und kompliziert. Vor allem aber wird sie missverstanden.

Demokratie bedeutet weder eine Willkürherrschaft der Massen (oder kleiner lauter Grüppchen), sondern das freie Auswählen des Führungspersonals einer Nation durch freie und geheime Wahlen auf Grundlage einer Wertebasis.

In den westlichen Staaten ist dies die "freiheitlich-demokratische Grundordnung". Mehrheiten sind dadurch in jenem Moment nichtig, wenn sie nicht auf diesem Boden entstanden sind oder wenn sie diese Grundordnung zerstören wollen. Demokratie ist also weit mehr, extrem weit mehr als einfach nur die Herrschaft der Mehrheit.

Vor allem aber gehört es sich in einer freiheitlich-demokratischen Demokratrie, das Ergebnis einer Wahl zu dulden. Man muss den Sieger weder lieben noch akzeptieren. Endet aber die Duldung und spielen sich kleine gesellschaftliche Akteure als "Rächer der Gerechten" auf, dann wackelt das Fundament unserer Werte- und Staatsordnung.

Man kann auch, eigentlich sogar gerade in einer Demokratie nicht hinnehmen, dass Mehrheitsentscheidungen, die auf dem Boden der freiheitllichen Grundordnung getroffen wurden, permanent in Frage gestellt werden. Die Verlierer müssen in der Lage sein, vier Jahre lang mit ihrer Niederlage zu leben. So ist das nun einmal. Ansonsten drohen Chaos, Anarchie und das Recht des Lautesten.

Dies gesagt, bedrückt es zu sehen, wie mit dem künftigen amerikanischen Vize-Präsidenten Mike Pence in New York umgegangen wurde. Herr Pence wollte sich einfach nur ein Musical ansehen und einen schönen Abend haben. Stattdessen wurde er beim Betreten des Saales ausgebuht und die Schauspieler begannen, statt das zu tun, wofür sie bezahlt werden (zu singen - und sonst nichts!), eine politische Rede gegen Mike Pence und Präsident Trump zu halten.

Es waren hässliche und aggressive Szenen, Mike Pence tat das Richtige und verließ den Saal.

Was den Hupfdohlen des Musical-Theaters in ihrer gefühlten moralischen Überlegenheit offenbar nicht klar war: sie beleidigten mit ihrer Selbstermächtigung von der Bühne herab auch all jene Amerikaner, die Trump und seinen Vize Mike Pence gewählt haben. Viele davon saßen als zahlende Zuschauer im Theater. Das "Theater", dass sich dort im Theater abgespielt hat, war ein Schmierenstück attitüdenhafter moralischer Überlegenheit und ein demokratieschädliches Verhalten erster Güte.

Es ist zu hoffen, dass an diesem Vorfall ein Zeichen in Sachen Demokratie statuiert wird. Nähme man die Sorge um die Grundfesten der Demokratrie wirklich ernst, müsste der Rädelsführer dieser unsäglichen Agitprop-Aktion von seinem Arbeitgeber abgemahnt oder gefeuert werden, Herr Pence und seine Begleitung eine Entschduldigung erhalten sowie die Zuschauer eine Gutschrift ihrer teuren Broadway-Karten.

Es war Trumps Freund Rudy Giuliani, der in den Neunzigerjahren aus dem verdreckten, kriminellen und chaotischen New York mit einer Politik der staatlichen Nulltoleranz wieder eine glitzernde Touristenmetropole gemacht hat. Es scheint, als bräuchten heute die gesamten USA Rudy Giulianis harte Hand.

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