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Lösen wir die EU doch einfach auf

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BREXIT
thorbjorn66 via Getty Images
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Malen Sie sich bitte für einen Moment aus, jemand schlägt vor, das Mittelmeer trockenzulegen. Verrückt? Nicht verrückter als das, was wir gerade erleben - und ein realer Vorschlag. Aber dazu gleich mehr.

Die europäischen Politiker befinden sich in Daueralarm, der deutsche Außenminister warnt gar vor einem Ende der Europäischen Union wie wir sie kennen. In Osteuropa, von Polen über Ungarn, die Slowakei bis in die Tschechische Republik dominieren EU-skeptische Politiken.

Südlich der Alpen ist längst wirtschaftlich-monetäres Notstandsdauergebiet und Rettungsüberweisungen nach Griechenland sind zur sportlichen Routine geworden. Der Brexit sprengt die Briten ab, und der Rest des Nordens wird mit der Flüchtlingsfrage ebensowenig fertig wie mit Bürgern, die viele politische Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen können.

Als wäre das noch nicht genug, wird in der Wiener Hofburg vielleicht bald der genauso smart lächelnde wie rechtsnational denkende Norbert Hofer (FPÖ) als österreichischer Bundespräsident sitzen, und auch in Frankreich sowie in den Niederlanden ist eine Machtübernahme der Nationalen nicht auszuschließen, sondern gut möglich.

Oder, um es kurz zu fassen: die EU desintegriert, löst sich auf, zerbröselt. Die Gründe sind dabei so offensichtlich, dass ein ideologisch neutraler Politikwissenschaftler oder Historiker beim Anhören derselben eigentlich nur gelangweilt gähnen kann:

  • Staatenbünde, die zu schnell integriert wurden sind in der Geschichte noch nie gelungen.
  • Vielvölkerstaaten (als was die EU-Ideologen dieselbe gerne sehen würden) ohne Bindekräfte wie eine gemeinsame Sprache, Religion oder Ethnie haben in der Weltgeschichte noch nie lange Bestand gehabt, es sei denn mit Gewalt.
  • Niemals wurden die europäischen Völker direkt gefragt, ob sie einen EU-Superstaat möchten, der ihre Nationen in einem europäischen Gemeinschaftsstaat auflöst.

Die EU desintegriert also langsam vor sich hin, aber - und das ist die gute Nachricht - das ist nicht schlimm. Denn die Europäische Union unserer Tage ist eine schräge Kopfgeburt. Der Traum eines transeuropäischen Superstaates kam erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf, parallel zur Entstehung der Nationalstaaten.

Die Idee eines vereinten Europa-Staates wurde also lange vor dem ersten Weltkrieg geboren, es war die Zeit der Industrialisierung, der großen und auch nicht ganz zu Ende gedachten Ideen. In diese Kategorie gehört die Idee der "Vereinigten Staaten von Europa". Auch das Atlantropaprojekt war seinerzeit hoch im Kurs. Dabei wollte man, kein Scherz, das Mittelmeer trockengelegen und aus Europa und Afrika einen Kontinent machen.

Es war eine Zeit voller verrückter Utopien mit einem schier ungebrochenem Fortschrittsglauben. Der Haken allerdings war der: das meiste war ziemlicher Unfug und verschwand denn auch irgendwann in irgendeiner Mottenkiste. Bis auf die EU. Und jetzt haben wir das Chaos.

Denn die schon erledigt geglaubte Spinnerei, völlig verschiedene Völker in einem Superstaat zusammenzufassen, nur weil sie zufällig irgendwie geografisch beieinander liegen, erlebte nach dem zweiten Weltkrieg eine Wiederauferstehung als angebliches Heilmittel gegen Krieg und Not. Die EU-Ideologie besagt, durch eine wirtschaftliche Verflechtung der europäischen Nationen würden Kriege in der Zukunft unwahrscheinlich.

Und da waren sie wieder, die Anhänger der alten Ideologie der "Vereinigten Staaten von Europa", die - hätte man sie ganz von der Leine gelassen - auch noch das Mittelmeer verwüstet hätten. Die "Europäische Bewegung International" wurde gegründet, und zwar mit dem explizit erklärten Ziel, die europäischen Nationalstaaten zu beseitigen und ein föderales Europa zu gründen.

Diese Gruppierung von politischen Fantasten wurde im Oktober 1948 in Brüssel ins Leben gerufen und ist heute immer noch in 42 europäischen Ländern aktiv, durch keinen Realitätsschock belehrbar, verbohrt in ihre fixe Idee, die sie über ihre politischen Vertreter zur Realität werden lässt.

Eines muss man diesen Damen und Herren allerdings lassen: sie sind sehr intelligent. Wissend, dass eine Auflösung der Nationen in einem europäischen Superstaat nicht sonderlich populär wäre, machten und machen sie es durch die Hintertür der Wirtschafts- und Geldpolitik.

Die Idee des Binnenmarktes nutzend, taten sich also die EU-Überzeugungstäter daran, aus einer Wirtschaftsgemeinschaft eine europäische Nation quasi zu erzwingen. Oder wie es der aktuelle Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, so treffend formulierte:

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." Quelle: Die Brüsseler Republik, Der Spiegel, 27. Dezember 1999.

Dieses Zitat sagt alles. Lassen wir also diese EU und ihre Kommission besser desintegrieren. Lösen wir sie auf. Und gründen wir sie neu als Wirtschaftsgemeinschaft von netten Nachbarn, die sich mögen und freundlich Handel treiben. Die EU von heute gehört dahin, wo sich das Atlantropaprojekt seit gut siebzig Jahren befindet: in den Mülleimer der Geschichte.

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