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LIVE von einer Trump Rally: Regenbogen und Einhörner

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Stefan Schmidt, direkt von einer Trump Rally in Minneapolis.

Nachdem ich die Gelegenheit hatte, eine Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton zu besuchen, habe ich alles daran gesetzt, auch Donald Trump noch einmal live zu erleben. Das ist gar nicht so einfach, man kommt dem Mann kaum hinterher.

Bis zu sechs Reden von rund 45 Minuten am Tag hält der Kandidat der Republikaner seit Wochen. Welch eine Ochsentour! Clinton geht es da wesentlich gemächlicher an. Trump schafft dieses unglaubliche Pensum dank einer Wahlkampfmaschine, die läuft wie frisch geölt. So finden viele seine Reden in Flugzeughangars statt, weil er dort direkt mit seinem Flugzeug landen kann, aussteigen und seine Rede halten. Eine ziemlich schlaue Idee in Sachen Zeiteffizienz.

So stehe ich also gerade in einer Flugzeughalle in Minneapolis, vergleiche und tippe in mein Tablet. Ich achte auf die Unterschiede zwischen ihm und Clinton, nicht die Inhalte, sondern das Drumherum. Die Themen kann man überall nachlesen.

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Was spannend ist und warum ich hier bin, ist die Stimmung, und diese ist irre. Nicht irre im negativen Sinne, sondern mitreißend. Die Trump-Anhänger sind wie elektrisch aufgeladen, sie verehren ihren Kandidaten fast wie einen Megastar. Gerade eben spricht er über Syrien, aber er könnte auch aus dem Telefonbuch vorlesen, die Begeisterung wäre nicht geringer.

Vorhin hatte ich schnell die deutsche Presse durchgeklickt und in der WELT einen Gastbeitrag gelesen, der Trump unterstellt, er sei der Held des "White Trash", also der verarmten weißen Mittel- und Unterschicht. Trump sei rückwärtsgewandt und seine Angehänger irgendwie reaktionär. Was ich um mich sehe, widerlegt dies komplett. Hier steht ein Querschnitt durch das heutige Amerika. Ich sehe selbst gemalte Schilder "Gays for Trump", "Women for Trump", "Blacks for Trump" und "Latinos for Trump". Vor allem sehe ich aber Menschen voller Hoffnung. Ernsthaft vor Begeisterung glühende Gesichter.

Obamas "Yes we can" wurde international zum populären Slogan. Trumps "Make America great again!" mag global wenig mitreißend sein. Aber hier an diesem Ort entwickelt es eine Energie, die man außerhalb der USA kaum verstehen mag. Ich verstehe es immer mehr, es geht bei dieser Wahl um das Selbstverständnis der USA und ein sehr wesentlicher Teil der Amerikaner will einfach stark, groß und selbstbewusst sein. Trump verkörpert das durch und durch - zudem ist er, erlebt man ihn live, ein begnadeter Redner.

So steht er da vorne auf einem Podest vor seinem Flugzeug, ohne Krawatte, mit Basecap, Amerika-Sticker, strahlt in die Masse der Zuhörer und es überkommt einen wirklich das sonderbare Gefühl, dass alles gut wird. Was im Fernsehen nicht rüberkommt, ist eine Väterlichkeit, eine lässige Ernsthaftigkeit und ein übersprudelnder Optimismus. Was hier abgeht ist fast unvermeidlich ansteckend. Bei Hillary war dies... anders. So ganz anders: verbissen, grau, ernst, mühsam. Hier, in diesem Flugzeughangar in Minneapolis, würde es mich dagegen nicht wundern, wenn gleich ein Regenbogen hinter Trump erscheint oder eine Prinzessin auf einem Einhorn vorbeigaloppiert. Wenn er am Dienstag zum Nachfolger von Barack Obama gewählt wird, würde mich das auch nicht mehr wundern. Nicht einmal ansatzweise. So, und jetzt warte ich auf das Einhorn.

Viele Grüsse aus Minneapolis!

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