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Krank in die Klinik und tot wieder raus?

30/05/2017 19:17 CEST | Aktualisiert 30/05/2017 19:18 CEST
AdrianHancu via Getty Images

Immer mehr Deutsche haben Angst, sich zu einer invasiven Maßnahme in ein Krankenhaus zu begeben, weil sie - völlig zurecht - Furcht vor der Ansteckung mit resistenten Erregern haben. Das zuständige Robert-Koch-Institut beziffert die Betroffenen auf 600.000 pro Jahr, von denen 15.000 sterben. Die Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht sogar von bis zu 40.000 Todesfällen aus. Zum Vergleich: im Jahr 2016 starben in Deutschland 3.214 Menschen im Straßenverkehr und rund 55.000 Menschen an einem klassischen Herzinfarkt. Von jenen 600.000 pro Jahr, die sich infizieren, leiden viele schrecklich.

Ein verschwiegenes Drama...

Manche so sehr, dass sie sich sogar das Leben nehmen, wie der baden-württembergischen Abgeordnete Wolfgang Raufelder (Grüne), der sich bei Mannheim selbst anzündete, weil sein Körper nach einem Routineeingriff von multiresistenten Keimen zerfressen war. Enge Freunde berichten, dass die Bakterien zuletzt sogar im Gehirn des beliebten Landespolitikers "angekommen" waren.

Thema verfehlt!

In der besagten Fernsehsendung wurde das Thema vor allem sozialistisch behandelt. Es fehle an Geld und Personal, so die Moral - und natürlich am zu häufigen Einsatz von Antibiotika. Klingt einleuchtend, ist aber nicht der Grund für die Verkeimung der deutschen Krankenhäuser. Dieser ist viel einfacher. Die Deutschen sind in Sachen Hygiene einfach unter aller Sau. Nur traut sich das keiner zu sagen, weil niemand schöner putzen kann als eine deutsche Hausfrau. Deutsche Reinlichkeit ist der Stolz der ganzen Nation. Nur verwechselt diese Nation seit Jahrzehnten Sauberkeit mit Hygiene.

Der selbe Lappen für alles?

Der Autor dieser Zeilen war bereits zwei Mal Hintergrundrechercheur für Kollegen zu diesem Thema. Ich lebe meist im Ausland und sehe die Unterschiede. Bei einem Deutschlandaufenthalt 2014 besuchte ich einen Freund im Krankenhaus und suchte nach den im Ausland allgegenwärtigen Desinfektionsspendern für Besucher. Es gab keine. Ich hörte mich um. Es gab auch in anderen Kliniken keine. Inzwischen soll es damit besser sein, doch setzen Sie sich einfach mal in ein deutsches Krankenhaus und schauen Sie dem Treiben zu. Sie werden verwaiste Desinfektionsspender für Besucher sehen, Ärzte und Pflegepersonal, die von Zimmer zu Zimmer gehen, ohne sich die Hände oder die Gerätschaften zu desinfizieren, eklige Sammeltoiletten und Putzpersonal, das offenbar nur einen einzigen Lappen zu haben scheint, mit dem von der Klobrille bis zum Essensbrett am Krankentisch alles auf hochglanz gefeudelt wird - die Verteilung von Keimen inklusive.

Von wegen Einzelfälle!

Und nein, das sind keine Einzelfälle. Desinfiziert Ihr Arzt zum Beispiel den Kopf des Ultraschallgerätes zwischen den Untersuchungen? Ich gehe die Wette ein und sage: nein in 19 von 20 Fällen. Von den Stethoskopen ganz zu schweigen. Oder die Telefone am Hosenbund der Ärzte? Wann glauben Sie, haben diese das letzte Mal Bekanntschaft mit einem Desinfektionsmittel gemacht? Von deren Handys, auf denen sie zwischendurch herumfingern, ganz zu schweigen. Schauen Sie, fragen Sie, diese Thematik liegt vor Ihnen als Bürger und Patient offen zur Eigenrecherche.

Sauberkeit oder Hygiene?

Sie müssen dabei eines verinnerlichen: nicht alles, was sauber ist, ist auch hygienisch. Wenn eine Fläche glänzt, nützt das rein gar nichts, wenn der Lappen kontaminiert war. Sauberkeit sieht man, Hygiene nicht. Man kann als Laie nur indirekt auf sie schließen, indem man die Handelnden in den Kliniken beobachtet. Ob das Putzpersonal strikt nach den Hygienevorgaben arbeitet, ob die Ärzte und das Personal anständig Hände und Gerätschaften desinfizieren und so weiter. Fällt Ihnen etwas Negatives auf, und das wird es nach wenigen Minuten in vielen deutschen Kliniken, dann melden Sie es. Sie retten damit Leben. Und nein, der Spruch "ein bißchen Dreck schadet nicht" stimmt nicht. Dreck tötet. Derzeit 40.000 mal pro Jahr.

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