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Kanzlerin: Sorgen um die Gesundheit?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL
Hannibal Hanschke / Reuters
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Ist es statthaft, sich öffentlich über den Gesundheitszustand eines Staats- oder Regierungschefs Gedanken zu machen? In Deutschland ist eine heikle Sache, im Grunde schon immer. Die ganze Nation wusste so etwa, dass Bundespräsident Heinrich Lübke in seiner zweiten Amtszeit zunehmend dement war. Aber niemand wagte es auszusprechen. So entstanden legendäre Stellungnahmen des Staatsoberhauptes wie diese:

  • „Mit diesen paar Worten möchte ich aufhören, meinen Schluß machen. Es wird, glaube ich, ganz gut - und würde für mich ganz gut sein, wenn ich einige Stunden ins Bett käme. Guten Morgen."
  • „Die Rückreise war sehr anstrengend. Wir fuhr.., wir flogen 19 Uhr 30 gestern Abend ab und waren 9 Uhr 30 hier. Das wür.., würde bedeuten, dass wir also fünf Stunden länger unterwegs waren, als notwendig war, denn das, diese fünf Stunden ist eben die Umdrehung der, der Erde schuldig, verantwortlich dafür."
  • „Dann kamen wir nach Teheran und da habe ich gleich gesehen, die Leute waren alle sauber gewaschen."
  • „Wenn man Ihnen sagt, wir hätten einen Hitler gehabt, dann müssen Sie sagen, dass Hitler gar kein Deutscher war und dass er auch nicht normal war."
  • „Indonesien besteht aus Inseln, die liegen teils nördlich, teils südlich vom Äquator, und dazwischen ist eine Menge Wasser."
  • „Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive!" (Tananarive war nicht die Gattin, sondern die Hauptstadt...)
  • „Ich rate jedem, wenn er die Möglichkeit hat, nach Kanada zu gehen, da wird er eine, ein Wunderland sehen. Diese.., man muss natürlich diese Weiten auch überflogen haben. Wenn wir von Montreal nach, nach, äh, Calgary wollten, das ist die Hauptstadt von der Provinz Alberta, das dauerte schon sechs Stunden mit, mit großen Flugzeugen. So ist es also in, äh, in, äh, in Kanada nicht sehr leicht, sich zu bewegen und überall alles zu sehen, aber wer diese Möglichkeiten hat, wie wir sie von der Kanadischen Regierung gestellt bekamen, hat es eben."
  • „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!"
  • „Equal goes it loose."

Dabei, und das ist das eigentlich Tragische, war Heinrich Lübke in seiner ersten Amtszeit ein sehr politischer, aktiver und freisinniger Präsident, der auch das eine oder andere Gesetz nicht unterschrieb und damit Zeichen setzte. Afrika und seine nach Unabhängigkeit strebenden Kolonien lagen ihm am Herzen.

Der Mann war für die damalige Zeit schwer in Ordnung, weswegen er auch wiedergewählt wurde. Doch dann schlich sich eine vaskuläre Demenz heran und sorgte dafür, dass der arme Mensch heute nur noch als präsidiale Peinlichkeit in Erinnerung ist. Man hätte ihn absetzen müssen, aber es hat keiner gewagt. So nahm das Drama seinen Lauf.

Es war im vergangenen Herbst, als ein befreundeter Arzt in Beirut mich fragte, ob mit unserer Kanzlerin alles in Ordnung sei. Sie mache plötzlich eine ihr wesensfremde Politik, wirke fahrig und habe im Herbst 2013 und noch einmal später Phasen gehabt, in denen eines ihrer Augenlider bei Interviews, für einen Neurologen auffällig, leicht gehangen und asynchron geblinzelt habe.

Seine Diagnose lautete "Verdacht auf Zustand nach leichten Schlaganfällen". Ich tat dies als Märchen aus 1001 Nacht ab, als eine dieser morgenländischen Alltagsfabeln, die sich im Orient großer Beliebtheit erfreuen und durch jede Gasse wehen.

Doch dann gab es in den vergangenen Monate tatsächlich fast schon lübkehafte Einlassungen der Kanzlerin, die mich zumindest zum Grübeln brachten. Man weiß ja nicht, wie sehr unsere Spitzenpolitiker auf ihre Gesundheit achten und wie oft sie zum Arzt gehen. Aber man könnte an einen Punkt kommen, an dem man sich um unsere Kanzlerin Sorgen mache könnte.

Ganz ernsthaft und ohne jeden Sarkasmus und ohne Ironie. Auch Kanzler sind schließlich nur Menschen. Diese Gedanken sind keine heimliche Polemik, sie sind Ausdruck ehrlicher Sorge. Hoffen wir mal, dass ich nur einer morgenländischen Fabel erlegen bin. Hoffen wir es.

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