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Ich bin rechts und das ist auch gut so!

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Sam Edwards via Getty Images
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Als Journalist, der sein Auskommen vor allem im Bereich der investigativen Hintergrundrecherche verdient, sollte man politisch möglichst neutral sein. Ein klarer Blick verlangt nach Neutralität, vor allem wenn man in einer Region wie dem Nahen Osten tätig ist, wo ich lange Zeit beruflich beheimatet war. Netzwerke, Beziehungen und das Vertrauen von Whistleblowern sind dabei essentiell und man hält sich mit eigenen Meinungen bei all dem besser zurück - vor allem wenn man fast nur Recherche betreibt und den schreibenden Kollegen zuliefert.

Seit ich meinen Arbeitsschwerpunkt in die USA verlegt habe - ich hatte genug von Krieg und Dauerkonflikten - hat sich das verändert. Spätestens der Wahlkampf zwischen Trump und Clinton hat mich vor die Frage gestellt: wo stehe ich eigentlich politisch? Passe ich in ein Raster von Links und Rechts? Diese groben Schablonen sind, das wird schnell klar, für sich alleine genommen wenig aussagekräftig. Deswegen habe ich mir die drei Werte Ordnung, Freiheit und Gerechtigkeit vorgenommen, die im Grunde in jedem politischen System als Orientierungpunkte funktionieren.

Klassischerweise sind die Sozialisten und Sozialdemokraten die Vertreter der Gerechtigkeit, die Liberalen die Bannerträger der Freiheit und die Konservativen verteidigen die allgemeine Ordnung als wichtigsten Wert.

Darüber hinaus gibt es eine zweite Achse, auf der man seine politische Positionierung messen kann. Und zwar entlang der Frage, ob man an gesellschaftliche Utopien glaubt und eine Fortentwicklung von Kultur und Werten aktiv in eine Richtung drückt - oder ob man die Dinge nimmt, wie sie sind und eine Weiterentwicklung der Gesellschaft dem Lauf des Schicksals überlässt. Dass man also hinnimmt, dass es den Himmel auf Erden nie geben wird und Menschen mit Visionen nicht in die Politik sondern zum Arzt gehören.

Das Ganze hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass ich ein Konservativer bin. Es nervt mich, wenn kleine Gruppen die Gesellschaft als Ganzes mit Gewalt in eine neue Richtung schieben wollen. Ich glaube an politische Evolution, nicht an Revolution. Utopien einer freieren, gerechteren, faireren Welt sind zwar nett, aber enden meist in Übergriffigkeiten gegen einen Teil des Volkes. Man braucht dafür nicht einmal nach Nordkorea zu schauen, wo diese Art der "Zwangsbeglückung" eine andauernde menschliche Katastrophe ausgelöst hat. Auch eine Utopie wie die Europäische Union mit dem Ziel der Auflösung der souveränen Nationalstaaten ist eine zutiefst spinnerte Vision, die krachend scheitern wird.

Man kann das auch an vielen traurigen Beispielen im Nahen Osten besichtigen. Im Iran kam es zur Revolution, weil der Kaiser des Landes ab 1968 dem alten Perserreich einen Modernisierungsschock verpasst hatte. Am Ende stand eine Revolution, an deren Ende die Mullahs die Macht übernahmen und das blühende Land ohne Umweg ins Mittelalter zurückkatapultierten. Der einst friedliche, mehrheitlich christliche und wohlhabende Libanon explodierte seinerzeit, weil aus einer ethnischen Verschiebung heraus Herolde bestimmter Ideologien dem Land ein neues Gesicht verpassen wollten. Das Versagen von erzwungenem "Fortschritt" gilt auch für den "real existierenden Sozialismus", der 1989 implodiert ist, ebenso wie für Obama Vision der Öffnung in jede Himmelsrichtung. Daheim übergibt er ein Land, das gespaltener ist denn je und im Ausland geht ein Großteil der aktuellen Brandherde auf seine Utopie des "Friedens durch Reden" zurück. In der Sozialarbeit ist das sicher eine brauchbare Strategie, in der Weltpolitik eine Katastrophe.

Letztendlich muss man wohl akzeptieren, dass es immer Spannungen und Gewalt geben wird, wenn man Gesellschaften in Richtung einer Utopie steuert - so gut diese auch gemeint sein mag. Völker als Ganzes wollen - wie Einzelpersonen - ihre Entwicklung frei gestalten, im natürlichen Spiel der Kräfte. Dafür braucht es Freiheit, aber vor allem Struktur, Sicherheit und Ordnung. Nur wo man sicher ist, kann man auch wahrhaft frei sein. Und nur wo man frei ist, kann das Soziale im Menschen sich ganz von selbst zeigen, denn wenn wir uns sicher und frei fühlen, werden wir großzügig.

Die Wurzel aller guten Dinge ist deswegen der Verzicht, Utopien irgendwelcher "progressiver" Vordenker zu realer Politik zu machen. Die vornehmste Aufgabe des Staates ist es, für Sicherheit, Ordnung und Freiheit des Einzelnen zu sorgen. Den Rest erledigt die Gesellschaft dann von selbst, ohne Visionäre und Zwangsbeglücker an den Stellhebeln der Macht.

In diesem Sinne bin ich also ein Ultrakonservativer, ein Rechter - und ich bin es gerne. Fragen Sie sich doch auch einmal, wo sie politisch wirklich stehen. Es ist eine interessante Denkaufgabe und Sie werden überrascht sein, was am Ende dabei herauskommt, wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind.

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