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Die lesbische AfD Frontfrau Weidel wird angegriffen - aber nicht von ihrer Partei!

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Damit hatten wohl weder Freund noch Feind gerechnet. Der Parteitag der rechtsnationalen Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) in Köln ging zivilisiert über die Bühne. Die bisherige Alleinherrscherin Frauke Petry wurde zwar angesägt, doch gab es schon wesentlich krassere Demütigungen in der deutschen Politik.

Man bewahrte bürgerlichen Anstand und Frau Petry ihr Gesicht. Die Fliehkräfte wurden eingehegt und jedem dürfte nun klar sein, dass der alte Fuchs Gauland der wahre de facto Vorsitzende der Partei ist.

Das ist gar keine so schlechte Nachricht für Deutschland, denn Gauland ist höchstens konservativ, aber niemals ein Rechtsradikaler. Er war lange in der zweiten Reihe der CDU ein wichtiger Mann und gehörte zur "Stahlhelmfraktion" der hessischen CDU um Manfred Dregger.

Klingt übler als es war, der Terminus beschreibt einfach nur den damals sehr, sehr rechten Kurs der hessischen CDU, mit der sie in den Siebziger über 47% in Wahlen geholt hat. Nichts Exotisches also. Und aus genau diesem Stall kommt Herr Gauland, der jetzt die AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag anführt.

Auf dem AfD-Bundesparteitag hat er jetzt aller Welt gezeigt, dass er die Strippen zieht. Alles halb so wild und mit mit unerwarteten Wendungen.

Eine lesbische Frau als Spitzenkandidatin?

Wie etwa die Wahl einer offen lesbischen Spitzenkandidatin für den Bundestag: Alice Weidel, eine rechtsliberale und gescheite Frau, die in ihrem jungen Leben sogar schon richtig hart gearbeitet und etwas erreicht hat.

Ihre Homosexualität lebt sie offensiv aus, spricht von ihrer Frau und ihrem Kind als "Familie" und meint diese dann auch, wenn sie über den Wert der Familie spricht. Die AfD nimmt es wie das Wetter: es ist eben so. Wem diese unerwartete Freiheitlichkeit aber gar nicht gut zu bekommen scheint, sind die vermeintlich "Liberalen", die Frau Weidel jetzt unsanft angehen.

Gar nicht mal so dumm!

In der AfD scheint eine homosexuelle Spitenkandidatin also zu funktionieren, das muss man vorerst einmal anerkennen, auch wenn man - wie der Autor dieser Zeilen ganz gewiss nicht AfD wählen würde. Aber ich lebe ohnehin in den USA und bin insofern aus dieser Nummer raus.

Aber so ganz irrational ist es nicht, dass manche LGBT People, also Schwule, Lesben usw. sich zu den Rechten, aber nicht ultrarechten, flüchten. Frau Weidel spricht es sogar selbst aus.

Sie will, dass Homosexuelle auch morgen noch in einem freien Land leben können und nicht eines Tages in eine Burka gesteckt oder von Hausdächern gestoßen werden, wie das in Syrien, Saudi-Arabien und anderen Ländern so üblich ist, wo die gesellschaftliche Grundachse nicht (mehr) abendländisch ausgerichtet ist.

Ausgerechnet die FDP! Ausgerechnet...

Wer aber ausfallend wird, ganz bequem vom Sofa per Facebook sind Leute wie ein exponierter und offen schwuler FDP-Politiker, dessen Name aus Höflichkeit hier ungenannt bleiben soll, auch um seine "Freunde" und Kommentarschreiber auf Facebook zu schützen.

Ausgerechnet aus der FDP also kommt hysterisches Geschrei. Frau Weidel würde quasi ihre lesbische Seele dem Teufel verkaufen. Sie würde nicht verstehen, in welcher Gesellschaft sie da sei. Als ob Alice Weidel irgendwie lernbehindert wäre. Eine Frechheit, sie so zu behandeln. Von der FDP, nicht der AfD!

Verlogen ohne Ende?

Die liberale FDP also, ausgerechnet dieser auf Bundesebene außerparlamentarische Haufen Peinlichkeit, will Frau Weidel korrektes Homosexuellsein beibringen, das scheinbar nur außerhalb der AfD geht. Offenbar haben die "Liberalen" vergessen, wie sie mit ihrem eigenen schwulen Vorsitzenden umgesprungen sind, dem sie bis 2013 restlos jeden Erfolg zu verdanken hatten.

Doch kaum hatte Guido Westerwelle, Gott hab ihn selig, sein Schwulsein nicht nur verbalisiert, sondern normalisiert, war der Ofen aus. Nein, es waren keine inhaltlichen Fehler, die zum Sturz von Westerwelle als Parteichef führten. Es war das Unvermögen seiner liberalen "Basis" die Fernsehbilder auszuhalten, wie er mit seinem Mann auf Staatsreisen ging und die beiden gemeinsam über den roten Teppich liefen.

So lange er "Hofnarr" war, ging es in Ordnung mit seiner Homosexualität, aber als Außenminister und Vizekanzler. Da war er fällig, denn er handhabte es normal und scheinbar ging das für die Liberalen gar nicht. Sonst hätten sie ihn politisch und thematisch weitaus besser stützen können. Haben sie aber nicht. Lesen Sie die alten Agenturmeldungen nach. Es ist zum Fremdschämen.

Weg mit dem Chinesen!

Und wie war das doch gleich mit Herrn Vizekanzler Rösler? Der damalige hessische FDP-Chef Hahn sagte doch glatt, man habe schon "gewisse Probleme" im Wahlkampf wegen "dem Chinesen" an der Parteispitze. Er meinte damit Vizekanzler und Parteichef Rösler, der ein ethnischer Vietnamese ist, aber von deutschen Eltern adoptiert.

Geht es rassistischer? Die FDP ist 2013 zurecht aus dem Bundestag katapultiert worden, weil sie ihr eigenes Spitzenpersonal homophob und rassistisch gedemütigt, beleidigt und erledigt hat. Wer wählt solche "Liberale"? Und jetzt lästern einige angeblich runderneuerte FDP-Politiker über eine lesbische Spitzenkandidatin der AfD? Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit! Wie kaltschnäuzig muss man eigentlich sein, um solche Steinwürfe aus dem Glashaus loszutreten?

Eine Mega-Chance!

Herrn Gauland ist mit der Positionierung von Alice Weidel ein Geniestreich erster Güte gelungen, auch wenn die leicht homophobe Frau von Storch das Ganze mit einem Ausdruck verfolgt hat, als hätte sie vor Schreck eine Gesichtslähmung erlitten.

Aber auch sie kocht nur mit Wasser und es ist bekannt, das Weidel und von Storch miteinander können. Politisch. Nicht privat. Also schon privat, aber nicht so privat. Ach, Sie wissen schon. Die AfD als Ganzes wird merken, dass Alice Weidel goldwert ist und sich an ihrer Homosexualität nicht stören.

Seit dem Parteitag gab es so auch keine Ausfälle gegen Frau Weidel - außer vom politischen Gegner. Schließlich lebt auch die grundgesetztreue Rechte im Jahr 2017. Und lieber Frau von Storch zieht mal ein merkwürdiges Gesicht, als dass Pseudoliberale von der FDP ihre eigene Parteiführung gegen die Wand laufen lassen. Oder?