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Der peinliche Papst-Auftritt des Horst Köhler

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POPE FRANCIS
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Ausgerechnet Horst Köhler. Der deutsche Ex-Präsident hielt eine Laudatio auf Papst Franziskus, der den "Millennium Bambi" gewonnen hatte. Als wäre es nicht schon ausreichend bizarr, Gottes Stellvertreter auf Erden mit einem Fernsehpreis auszuzeichnen, der sonst an Leute geht, die so ziemlich gegen jedes biblische Gebot verstoßen - nein, Horst Köhler schmetterte auch noch eine Rede in den Saal, die den Tenor hatte, "Dieses Abendland gehört euch nicht". Das ehemalige deutsche Staatsoberhaupt rechnete in einer zornigen Botschaft mit alle "Rechtspopulisten" ab.

Aber Moment... war es nicht ausgerechnet der konservative Präsident Köhler, der sich Hals über Kopf vom Acker machte, als es kritisch wurde? War es nicht er, der lieber zurücktrat als sein Veto gegen die verfassungsrechtlich bedenkliche Eurorettung einzulegen? War es nicht er, der seinerzeit Deutschland und Europa den Euro im Auftrage Bundeskanzler Kohls als Staatssekretär aufgedrückt hat? War es nicht ebenfalls er, der das Abrücken von den Euro-Regeln als Bundespräsident durch das Stoppen einiger "Eurorettungsgesetze" hätte stoppen können? Er hätte. Er hat nicht. Er ging.

Wieso nimmt sich ausgerechnet dieser Mann jetzt das Recht heraus, sich derart moralisch zu exponieren? Sonntagsreden zu halten ist leicht. Der Applaus der linksgrünen Mitte ist ihm damit sicher. Aber wann diese weltfremde Fraktion klatscht, ist ohnehin absehbar und keine Ehre. Der Rest der Menschen reibt sich dagegen verwundert die Augen. Würde Deutschland nicht Handler brauchen statt Dampfplauderer, die sich beim ersten Windchen aus dem Staub machen?

Wo sind sie geblieben die wahren Konservativen wie Roland Koch oder Friedrich Merz? Anette Schavan wurde ihres Doktortitels beraubt und in den Vatikan verbannt. Koch und Merz hielten Merkels Linkskurs nicht mehr aus. Erika Steinbach und Wolfgang Bosbach geben entnervt auf. Dabei wären Politiker dieses Schlages die eigentlich echte "Alternative für Deutschland", und zwar innerhalb der CDU.

Zu glauben, die Konservativen würden sich auf wundersame Weise einfach in Luft auflösen, wenn man den politischen Nullpunkt nur ausreichend weit nach links verschiebt, ist gesellschaftliches Harakiri. Rückzuge erzeugen stets ein Vakuum, egal ob militärisch wie im Irak, wo Obama und Clinton mittels eines übereilten Truppenabzugs die Gründung der IS-Schergen erst ermöglich haben - aber auch in der politischen Landschaft.

Plötzlich tun alle so, als sei die AfD wie eine Wetteranomalie über das Land hereingebrochen. Dabei ist deren Gründung und Aufstieg nichts weiter als das völlig natürliche Ausfüllen eines Vakuums. Dasselbe passierte übrigens auch auf der linken Seite, wo die Hartz-4-Gesetze eine Konsolidierung der Ex-SED aka "Linkspartei" befördert und die SPD von einer gut 40%-Volkspartei zu einer 20%-Mittelpartei geschrumpft haben.

Und als wäre das alles noch nicht genug, lacht sich halb Deutschland schlapp über die Amerikaner, weil sie einen liberalen Milliardär zum Präsidenten gewählt haben. Gleichzeitig wird aber ein gescheiterter deutscher Ex-Präsident bejubelt, der dem Heiligen Vater einen Schauspielpreis übergibt und Probleme mit lautem Getöse anprangert, die zu verhindern er selbst einmal die Macht hatte, diese aber einfach wegwarf. Absurd das Ganze. Was ist bloß los im guten alten Europa?

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