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Der Jill Faktor - Warum Clinton doch noch scheitern kann

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Jill Who? Wer soll das sein? Fragt man den Durchschnittsdeutschen, dann fällt ihm zu diesem Namen nichts ein. Dabei ist Jilly, wie ihre Fans sie nennen, eine der Bewerberinnen um die US-Präsidentschaft. Neben Donald Trump (Republikaner), Hillary Clinton (Demokraten) treten auch Gary E. Johnson (Libertäre Partei), Darrell Castle (Verfassungspartei), Evan McMullin (unabhängig) und eben besagte Jill Stein an.

Stein, geboren 1950 in Chicago ist Ärztin und Kandidatin der amerikanischen Grünen. Ja, der US-Grünen, die gibt es wirklich. Das Spannende dabei ist, dass die aus einer progressiv-jüdischen Familie stammende intellektuelle Agnostikerin zwar keinerlei Chancen hat, die Wahlen für sich zu entscheiden. Aber sie kommt in Umfragen derzeit auf bis zu 5%. Am ehesten speisen sich diese Prozente aus enttäuschten Demokraten, also aus Clintons Partei.

Mit ihrem Engagement für Umwelt, Gesundheit und Korruptionsbekämpdng ist Steiner eine attraktive Alternative für alle linksliberalen und linken Wähler in den USA, die mit der sehr reichen und im Grunde relativ konservativen Clinton fremdeln. Hinzu kommt, dass Stein warmherzig kostenlose Bildung vom Kindergarten bis zur Universität und den Erlass bestehender Studienschulden fordert. Clinton dagegen hat in den USA den Ruf, in etwa so warmherzig und entspannt zu sein wie eine verbitterte Oberstudenrätin mit ernsthaften Eheproblemen.

Hillary Clinton gerät zudem wegen ihrer Clinton-Stiftung und tausenden heikler Emails immer heftiger unter Druck. Ein bekannter Wall Street-Analyst meint herausgefunden zu haben, dass es unglaubliche Ungereimtheiten hinsichtlich der Höhe und Verwendung von Spendengeldern geben könnte. Ein erheblicher Teil der Spenden sei den Clintons geschickt deklariert überwiesen worden. Der Verdacht von Schmiergeldzahlungen schwebt unbewiesen, aber glaubhaft, durch den Raum. Auch hier ist Jill Stein das krasse Gegenbeispiel. Soweit man weiss, ist ihre Weste makellos sauber und ihr Herz schlägt authentisch grün.

Sollten Hillary am Ende Jill Steins 5% fehlen, wäre es ein irrer Treppenwitz der Geschichte. Denn im Jahr 1992 ist Bill Clinton nur deshalb mit einem prozentual relativ schwachen Ergebnis Präsident geworden, weil dem erfolgreich regierenden Präsidenten Bush senior (Vater von George W.) mehrere Prozentpunkte fehlten, die an den unabhängigen - ebefalls konservativen - Bewerber Ross Perot gegangen waren. Ohne Ross Perots Kandidatur wäre Bill Clinton niemals US-Präsident geworden.

Die Wahlen in wenigen Tagen sind also noch keineswegs entschieden. Jill Stein könnte dabei ein entscheidender Faktor werden. Es ist deswegen kein Ausweis besonders guter Berichtertattung, dass in Deutschland kaum jemand darüber erfährt. Trump-Bashing und Hillarys epileptische Anfälle sind offenbar wichtiger als eine umfassende Berichterstattung.

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