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Der bunte Faschismus der Generation Y

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RIOT
Makarska via Getty Images
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Die Amerikaner haben etwas getan, was man in Demokratien eben so tut. Sie haben einen neuen Präsidenten gewählt. Trotz diese Banalität gab es nach den Wahlen Unruhen, es brennen Flaggen, "besorgte" Amerikaner rufen zum "Widerstand" auf. Zehntausende Feinde des neuen US-Präsidenten marschieren auf den Straßen, die Medien von ABC über NBC bis CNN beleidigen ihren neuen Präsidenten als "bösartig", "dumm" oder "Clown". Von der deutschen Presse wollen wir lieber ganz schweigen. Der junge demokratische Westen gleitet in einen Schockzustand. Demokratie, so scheint es, ist für die Generation Y sowie ihre familiären und akademischen Vorbeter aus der 68er Generation offenbar nur erträglich, wenn der eigene Kandidat gewinnt.

Wenn eine offene, bunte Gesellschaft mit ideologischer Hochmoral gewaltsam zusammengehalten wird, wenn der Andersdenkende zum Feind erklärt werden, dann ist das keine offene und bunte Gesellschaft. Interkulturelle Feste, schwule Ehen und eine lässige Moral alleine sind keine offene und bunte Gesellschaft - auch wenn das alles ok ist. Offen und bunt ist eine Gesellschaft, wenn jeder seine Meinungen angstfrei äußern kann und wenn auch die Oberbunten akzeptieren, wenn politisch Andersdenkende demokratische Wahlen gewinnen.

Gegen demokratisch einwandfreie Wahlergebnisse zu demonstrieren ist nicht couragiert, es ist faschistoid. Zu Freiheit und Demokratie gehört auch der Respekt vor den Institutionen, den Spielregeln und den Rechten der weniger "bunten". Es ist deshalb nicht nur absurd, wenn jetzt gegen die Wahl von Präsident Trump demonstriert wird, es ist antidemokratisch, totalitär und dumm. Ein Ausdruck der Generation Y, die von 68er Eltern in den goldenen 90ern sozialisiert wurden und die Welt für eine Art Abenteuerspielplatz des Allesmachbaren halten.

Wir erleben eine neue, sehr gefährliche Generation in Aktion, welche die Realitäten der Welt nicht anerkennen kann, weil sie ohne den nötigen Respekt vor Autoritäten, Traditionen und Strukturen - dafür aber aufgeladen mit einer Menge aktivistischem Pathos ihrer Eltern und Lehrer großgeworden ist. Diese Leute sind eine Gefahr für unser Staatswesen, unsere Wirtschaftskraft und unsere Gesellschaften.

Viele Jahre war ich Rechercheur im Nahen Osten und habe erlebt, wie eine realitätsentfremdete und von Ideologen aufgeladene Jugend eine ganze Region binnen Tagen in Flammen gesetzt hat. Statt mal früh aufzustehen, kalt zu duschen und etwas Vernünftiges anzupacken, wandte man sich der Religion zu und dort vor allem jenen Predigern, die einem erzählten, man sei sowieso ein hilfsloses Opfer, aber im Recht - und der Westen sei an allem Schuld. Dass die Misere auch daran liegen könnte, dass man statt in seiner Garage ein Start-up zu gründen, lieber Shisha rauchend die ganze Nacht im Kaffeehaus sitzt, auf diese Idee kam irgendwie keiner. Am Ende paarte sich dieses Gebräu aus Trägheit, Opferkult und Frustration mit einer Technik wie twitter/facebook und der fürchterliche "Arabische Frühling" zerstörte ganze Gesellschaften und fordert bis heute zehntausende Tote.

Nein, es gibt keinen einzigen berechtigten Grund, gegen ein demokratisches Wahlergebnis zu demonstrieren oder gar zu randalieren. Wer frustriert ist, kann zum Psychologen oder in ein Kissen schreien. Auf die Strasse zu gehen und gegen eine ordnungsgemäße Welt zu demonstrieren, ist ein Fall für Polizei, Wasserwerfer und Tränengas - aber nichts, was man auch nur ansatzweise gutheißen darf. Denn was wäre gewesen, wenn Hillary Clinton gewonnen hätte und Trumps Wähler randaliert hätten? Wären sie dann auch als "besorgte Amerikaner" bezeichnet worden? Ernsthaft? Wohl eher nicht. Man hätte sie als schlechte Verlierer, Abgehängte und rechtes Gesindel beschimpft.

Den Weg in einen bunten Faschismus dürfen wir als westliche Gesellschaften nicht einmal ansatzweise gehen, sind aber munter auf dem Weg dorthin. Sonst verlieren wir unsere Balance und die Abwehrkraft gegen echte Gefahren für unsere freiheitliche Ordnung. Wer immer noch nicht kapiert, was dringend zu kapieren ist, der lese Äsops "Der Hirtenjunge und der Wolf".

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