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Clintons Team: Völlig unfähig?

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HILLARY CLINTON
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Hillary Clinton ist krank. Was vor Wochen auf merkwürdigen Verschörungsvideos die Runde machte, ist jetzt amtlich: irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Seit sie die Erinnerungszeremonie für die Anschläge des 11. September in der Waagerechten verließ und von ihrem Team in einen abgedunkelten Van geschleift wurde, ist aus wirren Theorien von Amerikanern mit zu viel Tagesfreizeit ein ernsthaftes Problem geworden, das Donald Trump ins Weiße Haus katapultieren könnte.

Offiziell heißt es jetzt, Clinton leide an einer Lungenentzündung. Aber kann das stimmen? Oder ist das alles? Wie der geneigte Leser vielleicht weiß, lebe ich weite Strecken des Jahres im Libanon, und es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, an dem Verschwörungstheorien mehr gedeihen als im Orient. Ich finde das meistens amüsant und bin für diese Art des Denken nicht zu haben. Da bin ich wohl einfach zu deutsch.

Umso mehr schockierten mich die Bilder der taumelnden Hillary Clinton, von deren Auftritt am symbolträchtigen 9/11 Memorial nur ein einsamer Damenschuh am Straßenrand blieb, den sie verloren hatte, als man sie in diesen pechschwarzen Lieferwagen zog. Es erinnerte mich an Cinderella, allerdings in einer düsteren Version.

Denn was, wenn die "Spinner" doch recht haben? Was, wenn Hillary Clinton wirklich an einer Hirnerkrankung leidet, wie manche Medien in den USA munkeln? Dass man auch krank und auf Drogen regieren kann, bewies John F. Kennedy. Aber der brachte die Welt 1963 auch an den Rand eines Atomkriegs in der Kubakrise.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: die Kommunikationspolitik von Clintons Team war eine heillose Katastrophe. Erst war die Rede davon, dass Clinton bei 79 Grad Fahrenheit (26 Celcius) spontan "overheated" gewesen sei - also überhitzt. Dann war die Rede von Dehydration, also zu wenig zu trinken. Kaum 90 Minuten später zeigte sich Clinton vor dem Haus ihrer Tochter und rief in die Menge "Was für ein schöner Tag in New York", während an Ground Zero noch getrauert wurde, lief auf dem Gehweg hin und her, streichelte ein Kind und fuhr davon.

Keine fünf Stunden später meldete ich ihre Hausärztin mit der Nachricht, Clinton habe eine Lungenentzündung und müsse das Bett hüten. Mehr sei da nicht. Kein Wort dazu, dass Clinton schon seit Jahren merkwürdige Hustenattacken hat. Kein Wort auch zu dieser Szene, die im Internet viral wurde. Kein Wort zu Fotos, die eine Hillary Clinton zeigen, die kaum alleine Treppen steigen kann. Wo um alles in der Welt ist hier die Reaktion eines kompetenten Wahlkampfteams?

Come on... möchte man jetzt eigentlich rufen. Was ist denn dort plötzlich los? Natürlich könnte auch eine nervenkranke Hillary Clinton eine gute Präsidentin sein. In Deutschland regiert mit Malu Dreyer eine Frau mit Multipler Sklerose ein ganzes Bundesland, und das auch nicht schlechter als wenn sie gesund wäre. Anders als Clinton hat Dreyer aber nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie krank ist. Von Wolfgang Schäuble ganz zu schweigen.

Wenn Hillary Clinton wirklich schwer krank sein sollte, und dafür spricht tatsächlich mehr und mehr, wird sie die Wahl verlieren. Aber nicht wegen ihrer Krankheit, sondern aufgrund ihrer Geheimnistuerei und wegen eines der unfähigsten Wahlkampfteams, das die USA jemals gesehen hat.

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