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Autsch in Austria: FPÖ empfiehlt Türken den Heimflug!

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TRAVEL PLANE
ipopba via Getty Images
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Heinz-Christian Strache, der Chef der nationalliberalen FPÖ, die derzeit die umfragestärkste Partei Österreichs ist, hatte neulich einen Rat für frustrierte Türken. Wenn das gute alte Alpenland sie nerve und Präsident Erdogan ihr Held sei, sollten sie einfach zum Flughafen fahren und sich ein One-Way-Ticket nach Istanbul kaufen, einen Flieger besteigen und in der Türkei ihre Kultur pur genießen.

Auf Facebook wendete sich Strache auch an die für Erdogan schwärmenden Türken in Deutschland. Er beobachte, so der FPÖ-Chef schon längere Zeit mit Besorgnis, dass manche Türken sich in den deutschsprachigen Nationen unzufrieden, nicht verstanden und zu Erdogan hingezogen fühlen.

Er sei daher zu der Erkenntnis gelangt, dass es diesen Menschen nicht zuzumuten sei, länger in Deutschland oder Österreich zu leben. Er wolle nicht, dass wie unter der freiheitlichen Demokratrie leiden und auf türkische Zustände verzichten müssten.

Heftiger Sarkasmus

Diese Leute sollten den nächstgelegenen Flughafen aufsuchen und einen der vielen Flüge in die Türkei nehmen. Dies werde für diese Menschen und ihren Präsidenten eine schöne Erfahrung, da sie dann dort seien, wo sie sich gebraucht fühlten und wo ihrer Weltsicht keine Hindernisse im Wege stehen.

"Besteigen Sie ein Flugzeug, und in wenigen Stunden scheint in Ihrer Welt wieder die Sonne", schreibt der Vorsitzende der österreichischen Freiheitlichen. Es wundere ihn, dass die frustrierten Erdogan-Fans in Österreich und Deutschland nicht selbst auf diese Idee kämen. Doch das könne schon einmal passieren, wenn man sich gestresst fühle. Er habe da Verständnis.

Gewollte Zuspitzung oder pure Provokation?

Auch im Weiteren zeigt sich Strache sarkastisch verständnisvoll. Es könne schon vorkommen, dass man sich in einer fremden Kultur unwohl fühle, besonders wenn inkompatible ideologische Haltungen ungute Gefühle verursachten.

Der FPÖ-Vorsitzende griff mit diesem Text ein Posting einer Frau namens Paula Bengtzon auf, die einen ähnlichen Post im März auf ihrem Facebook-Account publiziert hatte. Erwartungsgemäß wurde Strache für seinen Rat von der politischen Linken massiv kritisiert. Die Umfragewerte für seine Partei und ihn als Person sprechen jedoch dafür, dass die so genannte "stille Mehrheit" durchaus seine Haltung stützen könnte.

Die FPÖ und ihre Zuspitzungen

Die österreichische FPÖ, die ehemalige "Haider-Partei", ist ohnehin der Gottseibeiuns aller politisch korrekten Zeitgenossen. Doch ihr Kandidat für die österreichische Bundespräsidentenwahl wäre mit knapp 50% fast Staatsoberhaupt der Alpenrepublik geworden - gegen den Kandidaten aller anderen Parteien zusammen.

Strache und seine FPÖ sind somit keine Randerscheinung, sondern derzeit die Volkspartei in Österreich. Sie stemmt sich gegen die komplette Deregulierung der Wirtschaft, steht für ein Europa der souveränen Vaterländer, tritt für gesicherte Grenzen ein, ist gegen unlauteren internationalen Wettbewerb, wehrt sich vehement gegen Masseneinwanderung und will eine harte Hand gegen potentielle Terroristen.

Das Thema der nationalen Identität ist für die FPÖ, die sich als "soziale Heimatpartei" versteht, das zentrale Thema.

Wird einer fliegen?

Natürlich wird kein Erdogan-Fan dem Rat des FPÖ-Chefs folgen. Und selbstverständlich wird auch Herr Strache keinen Türken nach Ankara ausfliegen, wenn er nach der nächsten Nationalratswahl Bundeskanzler von Österreich werden sollte.

Doch hat er mit seiner Zuspitzung einmal mehr einen Volltreffer gelandet, indem er etwas aussprach, was viele denken und in Frankreich eine Frau Le Pen in die Nähe der Präsidentschaft führte. Es ist gruselig.

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