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Alle schauen in die USA und nebenan gewinnt eine Faschistin

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PARIS
Borut Trdina via Getty Images
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Der deutsche Durchschnittsbürger und -journalist starrt dieser Tage wie gebannt in die USA als wäre dort nicht einfach ein neuer Präsident gewählt worden, sondern ein Meteorit eingeschlagen. Dass Donald Trump in Wahrheit nur ein etwas ungehobelter Liberaler ist, dieses Licht geht irgendwie keinem auf. Stattdessen heult man mit Hillary einer offenbar körperlich kranken, skandalumwitterten Konservativen in liberalem Kostüm hinterher, die an der Explosion des Nahen Ostens einen erheblichen Beitrag hatte.

Selbst Noch-Präsident Obamas klärende Worte während seines Deutschlandbesuchs wirkten nicht beruhigend auf die Generation-Y-Naivlinge. Obama sagte klar und deutlich, dass Trump ein Pragmatiker ist, dass Wahlkampfgetöse keine Politik ist und dass ihm Trumps Sieg nicht den Schlaf raubt. Aber auch Obama kann den Verwirrten den Kopf nicht geraderücken. Donald Trump ist einfach ein zu schönes Feindbild für intellektuell optimierbare Zeitgenossen.

Dabei geht die wahre Gefahr für die westliche Welt weder vom Brexit und der hoch begabten britischen Premierministerin May aus. Auch nicht von Donald Trump, bei dem man maximal fürchten muss, dass er das Weiße Haus, wie alle seine Immobilien, komplett mit Blattgold zupflastert. Die wahre Gefahr - und das potentielle Ende des Westens wie wir ihn kennen - heißt Marine Le Pen, wohnt um die Ecke in Paris und kann die Welt aus den Angeln hebeln.

Niemand geringerer als Frankreichs Premierminister Manuel Valls hat einen Sieg der sozialnationalen Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr für nicht unwahrscheinlich erklärt, und der Mann hat recht. Ein Sieg Le Pens sei absolut möglich, sagte Valls am Rande eines Wirtschaftstreffens in der deutschen Hauptstadt. In der Tat weisen alle Indikatoren in dieser Richtung, nicht zuletzt "dank" des unfähigsten französischen Präsidenten seit 1945.

Meinungsumfragen sagen deswegen in der Tat stabil voraus, dass es die Chefin des Front National locker in die zweite Runde der Präsidentenwahl schaffen kann - und damit in die Reichweite der Präsidentschaft. Das Gleichgewicht der französischen Politik würde sich dadurch komplett ändern. Die Gefahr, welche die extreme Rechte darstellt, wird in Frankreich und Europa oft vergessen, indem Le Pen etwa mit Donald Trump in einem Atemzug genannt wird.

Doch Le Pen und Trump haben nur soviel gemeinsam wie eine Brieftaube und ein Flugzeug. Beide können fliegen und damit hat es sich dann aber auch schon. Trump ist ein liberaler Populist mit dem festen Glauben an Individualität und eine freie Gesellschaft. Le Pen dagegen ist eine sozial-national eingestellte Demagogin, eine Blut-und-Boden-Rechte, kurzum eine waschechte Faschistin.

Wer das nicht sieht und Le Pen mit Trump in einen Topf wirft, hat entweder so gar keine Ahnung von Politik oder schlicht böse Absichten. Ein Vorbote wird der Sieg Norbert Hofers von der rechten FPÖ in Österreich sein, eine Partei die sich "soziale Heimatpartei" nennt. Nettes Wortspiel, um mit national-sozialen Tabubegriffen zu kokettieren, ohne sie aussprechen zu müssen.

Vermutlich geht die Welt auch nicht unter, wenn Hofer und Le Pen ihre Wahlen gewinnen. Aber Trump und diese Kollegen auch nur im Zusammenhang zu nennen, das ist schon verdammt nah an politischem Schwachsinn.

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