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AKW Fessenheim: Die tickende Zeitbombe!

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zubin li via Getty Images
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In den vergangenen Wochen wurden wieder Pannen im "deutschesten" aller franz├Âsischen Kernkraftwerke bekannt. Dass die Franzosen Kernkraftwerke lieben, ist ein Mysterium um das man wei├č.

Rund 75% ihres Stroms ziehen sie aus AKWs, so viel wie kein anderes gro├čes europ├Ąisches Land. Dass sie die AKWs zu einem guten Teil an interessante Stellen gebaut haben, ist weniger bekannt. Denn statistisch betrachtet herrscht in Frankreich viel Westwind.

Ist es deshalb Zufall, dass viele Reaktoren an Stellen gebaut wurden, wo der radioaktive Niederschlag im Falle eines Super-GAUs wie in Tschernonbyl oder Fukushima, auf Italien, die Schweiz, Luxemburg, Belgien oder Deutschland niedergehen w├╝rde?

Betrachtet man die Standorte, k├Ânnte man auf die fast schon diabolische Idee kommen, dass dies eine gezielte Form der Risikominimierung Frankreichs zu Lasten der europ├Ąischen Nachbarn ist.

Unter all den franz├Âsischen Atomreaktoren in der N├Ąhe Deutschlands ist eines besonders als alte Klapperkiste ber├╝chtigt: die beiden Uraltreaktoren des Atomkraftwerks Fessenheim stehen direkt auf der deutschen Grenze, am Rhein, im Breisgau in S├╝dbaden.

So fit wie ein alter Renault?

Die stromerzeugende Industrieruine soll zwar stillgelegt werden, doch kann man bei den Franzosen in dieser Materie erst sicher sein, wenn die atomar betriebenen Dampfkocht├Âpfe wirklich unwiderruflich ausgeschaltet sind.

Laut eines Erlasses soll die Stilllegung von Fessenheim zwar 2019 erfolgen, aber nur - und das ist die Krux - wenn das neue AKW Flamanville in Betrieb geht. Nachdem dort bereits beim Bau Pannen in Serie auftreten, ist es mehr als fraglich, ob dieses neue Werk 2019 wirklich ans Netz kann. Das br├Âckelnde Nuklearmuseum Fessenheim w├╝rde andernfalls ohne ausreichenden Erdbebenschutz weiterarbeiten, Deutschland und die Schweiz bedrohend.

Der Wind weht zuverl├Ąssig!

Denn zumindest von den Wahrscheinlichkeiten her haben die Franzosen von Fessenheim ungleich weniger zu bef├╝rchten als die Baden-W├╝rttemberger. Meist herrscht gerade in S├╝dwestdeutschland Wind aus westlichen Richtungen und das sehr zuverl├Ąssig. Die Japaner sind das lebende Exempel.

Sie hatten bei Fukushima deutlich mehr Gl├╝ck als Verstand, dass gerade Wind zur See war, als dort die Reaktoren explodierten. Ein "kriegsentscheidendes" Detail, das gerne mal untergeht. Kaum auszumalen, was passiert w├Ąre, wenn der Wind aus Norden in Richtung des nahen, 30 Millionen Einwohner gro├čen Tokio geweht h├Ątte. Japan h├Ątte in diesem Fall wegen Unbewohnwarkeit de facto aufgeh├Ârt zu existieren. W├╝rde Fessenheim hochgehen wie Fukushima, dann w├Ąre vermutlich halb S├╝ddeutschland unbewohnbar. Entsprechende Simulationen von Umweltaktivisten legen dies nahe.

Wieder eine Panne!

Im April gab es laut franz├Âsischen Agenturmeldungen und des Betreibers EDF abermals eine Panne in Fessenheim. Einer der Reaktoren sei wegen einer St├Ârung heruntergefahren worden. Alles sei harmlos, man wolle die Stromversorgung schnellstm├Âglich wieder aufnehmen. N├Ąhere Details von Wert drangen nicht nach au├čen. Die Franzosen lassen jede Sorge der Nachbarnationen an sich abperlen. Seit 40 Jahren k├Ąmpfen Umweltsch├╝tzer in Baden-W├╝rttemberg und der Schweiz f├╝r die Stilllegung der Schrottreaktoren.

Sind AKWs genereller Unsinn?

Kernkraft zur Stromgewinnung zu nutzen ist an sich nicht komplett verkehrt, vor allem in Riesennationen wie Russland, China, Kanada oder den USA. Wenn dort ein Super-GAU geschieht, evakuiert man eben einen Landstrich in der Gr├Â├če Niedersachsens und gut. Das w├Ąre schlimm, aber w├╝rde nicht das Schicksal einer Nation besiegeln. Anders ist dies im ultradicht besiedelten Westeuropa. Hier h├Ątte ein Atomunfall das Potential, ganze Staaten auszuradieren: Baden-W├╝rrtemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Belgien, das Saarland, Luxemburg, die Niederlande und nicht zuletzt die Schweiz sind so klein, dass eine nukleare Wolke ├á la Tschernobyl ausreichen w├╝rde, das Territorium dieser L├Ąnder auf Jahrtausende unbewohnbar zu machen. Da muss man sich dann schon mal fragen, was die Franzosen reitet, ein ausgelaugtes Kraftwerk wie Fessenheim am Netz zu halten. Denn dieses AKW ist nicht nur steinalt, sondern auch noch klein. Mit einer Gesamtleistung von rund 1800 MW in Summe ist es das leistungsschw├Ąchste atomgetriebene Kraftwerk der Grande Nation. Sind diese paar Megawatt das Risiko wert? Nat├╝rlich nicht! Doch Fessenheim ist finanziell abgeschrieben und damit eine Gelddruckmaschine.

Respektlos und uneurop├Ąisch!

Was die Franzosen dort tun ist nichts als respektlos und mangelt an europ├Ąischem Denken. Denn in einem Umkreis von 30km leben knapp eine Million Menschen, in der etwas weiter entfernten Region Basel weitere 800.000 und im Ballungsraum Stra├čburg-Baden Baden-Offenburg nochmals an die 800.000. Die EU f├╝hrte nach Fukushima "Stresstests" durch. In Fessenheim wurde festgestellt:

  • Keine ausreichende Erdbebensicherheit.
  • Bei ├ťberflutung durch den Rhein ist ein Kontrollverlust m├Âglich, weil die franz├Âsischen Ingenieure - wie in Fukushima - sicherheitsrelevante Systeme weit unterhalb des Wasserpegels des Rheins installiert haben und eine ├ťberflutungsgefahr f├╝r das Anlagegel├Ąnde besteht.
  • Als heikel eingestuft wurde auch der Fakt, dass elementare Sicherheitsfunktionen nicht redundant ausgelegt sind.

Auf gut Deutsch: Fessenheim ist eine atomare Zeitbombe. Da die Franzosen in dieser Hinsicht unbelehrbar sind, bleibt nur den Nachbarn viel Gl├╝ck zu w├╝nschen.