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Die schönsten Frauen haben Eier - Was wir von Thailands Transsexuellen lernen können

07/09/2015 14:46 CEST | Aktualisiert 07/09/2016 11:12 CEST

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Traumhafte Sandstrände, vorzügliches Essen und schöne Frauen. Das sind die typischen Assoziationen, die jährlich etwa 700 000 deutsche Touristen nach Thailand bringen. Nicht wenige davon interessieren eher die Frauen als die Natur und Kultur. Doch auf der Rückreise müssen sie zugeben, dass die schönsten Frauen eigentlich Männer sind. Die Rede ist von Thailands Transsexuellen, den "Ladyboys".

Wer der "Walking Street" in Pattaya oder "Nana" oder "Patpong" in Bangkok einen Besuch abstattet, der wird sehr wahrscheinlich Ladyboys zu sehen bekommen. Doch man muss nicht durch die Rotlichtviertel Thailands schlendern, um Ladyboys anzutreffen.

Im täglichen Leben sind sie ebenso präsent. Viele Ladyboys oder "Kathoeys", wie sie im Thailändischen heißen, sind beispielsweise in der Unterhaltungs- oder Modebranche sehr erfolgreich unterwegs, seien es Filmstars oder Popstars.

Ein kurze Geschichte der Ladyboys

Die ersten Ladyboys tauchten in den 50er Jahren in Fernsehshows auf. Doch erst in den letzten 20 Jahren sind sie zum festen Bestandteil der Unterhaltungindustrie geworden geworden.

Der Grund, warum Ladyboys gerade in dieser Branche sehr prominent geworden sind, ist wahrscheinlich der, dass Ladyboys in der Regel sehr extravertierte Männer sind, die sich in unterschiedlichster Form stärker ausdrücken wollen, als es thailändische Geschlechterrollen vielleicht zulassen.

So ist der Klassenclown von damals aus der Schule heute vielleicht ein erfolgreicher Ladyboy-Comedian mit eigener Show.

Auch die Religion spielt eine wesentliche Rolle im Aufstieg der Ladyboys. Der in Thailand vorherrschende Buddhismus sieht Homosexualität nicht als Sünde und verbietet diesen somit nicht.

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5 Tipps, Ladyboys zu erkennen, ohne ihnen an die Eier zu gehen

Die Rolle der Ladyboys in Thailand ist eine sehr faszinierende. Man kann sie als Führer der übergeordneteren Transgender-Bewegung in Thailand ansehen. Durch ihre Präsenz ist die Akzeptanz von homo- und transsexuellen in der Gesellschaft gewachsen, sie treiben diese wahrlich voran.

Mit ihnen ins Gespräch zu kommen kann Einblicke in die Psyche dieses facettenreichen Landes geben. Doch woran erkennt man Ladyboys? Hier sind meine 5 Tipps, ohne ihnen an die Eier zu gehen.

  1. Körpergröße: Dies ist das erste Indiz für das wahre Geschlecht. Im Schnitt sind Thai Frauen nicht sehr groß. Ladyboys dagegen können deutlich größer sein. Körpergrößen von 1,70 m sind nicht unüblich.
  2. Femininität: Was man operativ nicht so leicht ändern kann, wird mit einem femininen Aussehen und Verhalten auszugleichen versucht. Übertriebenes Make-Up, große Brüste oder permanentes Durch-die-Haare-Streichen sind Anzeichen für Ladyboys.
  3. Stimme: Kommt man mit einem Ladyboy ins Gespräch, fällt dieser meist durch eine tiefere Stimme oder künstliche Kopfstimme auf.
  4. Kehlkopf: Der Adamsapfel steht bei Männern in der Regel stärker hervor. Diesen operativ anzupassen geschieht meist erst nach anderen operativen Eingriffen.
  5. Ausweis: Absolute Gewissheit erlangt man allerdings nur, wenn man einen Blick auf den Personalausweis wirft. So akzeptiert Thailands Ladyboys zu sein scheinen, ihr Geschlecht auf Papier ändern dürfen sie nicht.

Ladyboys sind noch weit von wirklicher Gleichstellung entfernt

Gesellschaftlich scheinen Ladyboys, Trans- und Homosexuellen in Thailand auf den ersten Blick nahezu gleichgestellt. Auf den zweiten sind sie dies nicht. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Thailand wie auch hierzulande gesetzlich nicht anerkannt.

Was allerdings in Deutschland im Gegensatz zu Thailand möglich ist: Man kann seine Geschlechtsumwandlung ganz offiziell machen, sodass das neue Geschlecht mit entsprechendem Namen auch in der Geburtsurkunde oder dem Personalausweis erscheint.

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Nichtsdestotrotz kann Deutschland von Thailand in Sachen Akzeptanz von Homo- und Transsexuellen lernen. Denn nicht nur im städtisch-liberalen Gegenden, sondern auch auf dem Land und bereits in der Schule wird ein Bewusstsein für Ladyboys und Homosexuelle geschaffen.

Mein Besuch der ehemaligen Schule meiner Mutter in dem eher ländlicheren Nordosten des Landes hat bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen:

Dort habe ich Englisch und Physik für ein paar Tage unterrichtet und konnten andere Lehrer bei ihrem Unterricht beobachten. Der extravertierte Klassenclown etwa, der mit einer Schleife im Haar deutlich machte, dass er homosexuell ist, war nicht der Außenseiter, sondern stand im Mittelpunkt der Klasse.

Auch die Lehrer versuchen nicht etwa, homosexuelle Tendenzen bei den Schülern zu bremsen, sondern akzeptieren sie und fördern damit bereits in einem relativ frühen Alter die Toleranz gegenüber Homosexuellen.

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