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Warum wir immer mehr zu Weicheiern werden

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
YOUNG MAN IN JOB
Caiaimage/Martin Barraud via Getty Images
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ÔÇ×Sag mal, hast du das mal selber probiert? Das schmeckt ja furchtbar. Was hast du da nur f├╝r einen Mist zusammenger├╝hrt? Das kann ja kein Mensch essen. Sorry, aber das machst du jetzt gleich nochmal, bis das Dessert was wird ..."
Ja ja, in einer Gastronomiek├╝che herrscht ein rauer Ton. Doch womit dieser K├╝chenchef sicher nicht gerechnet h├Ątte: Am n├Ąchsten Tag ging besagte Auszubildende zum Chef - und im Schlepptau Frau Mama. Kein Scherz, wahre Geschichte!
Da frag ich mich schon, was da falsch l├Ąuft ...
Warum, verdammt noch mal, wird die gesellschaftliche Z├╝chtung von Weicheiern nicht fr├╝hzeitig unterbunden?

Ein Portion nettes Feedback, bitte!

Doch glauben Sie nicht, dass solche F├Ąlle nur in der Gastronomie auftreten, in fast jedem Unternehmen schlagen sich die Beteiligten mit besagtem Verhalten rum. Dabei schreit die junge Generation ja quasi gerne nach Feedback. Aber bitte nur, wenn es auch positiv ausf├Ąllt - dann immer her damit. Kommt allerdings Kritik auf den Tisch, verwandelt sich der junge Mitarbeiter in Windeseile in eine beleidigte Leberwurst. Die vermeintliche L├Âsung ist dann auch rasant gefunden: Die Eltern, der Partner, die F├╝hrungskraft oder der Betriebsrat m├╝ssen die unversch├Ąmte Angelegenheit richten. Im schlimmsten Fall mit dem Abbruch der Ausbildung oder der K├╝ndigung des Jobs. Klar, diese Weicheier wissen ja nicht, wie ihnen geschieht. Sie sind ja auch ihr ganzes Leben lang nicht auf echte Kritik vorbereitet worden - weder im Elternhaus, da hat man ihnen das meiste abgenommen, noch in der Schule. F├Ąhigkeiten braucht das Kind und m├Âglichst viele absolvierte Kurse mit Zertifikat und so. Die Pers├Ânlichkeitsbildung schmiert in der Priorit├Ątenliste leider ab. Also vielen Dank, liebe Erziehende, wegen euch muss sich kein Kind mehr mit Andersartigkeit besch├Ąftigen und andere Meinungen akzeptieren lernen! Die F├Ąhigkeit, Kritik aufnehmen zu k├Ânnen, wird noch in der Schule im Keim erstickt. Wahre Streitkultur? Ein Traum aus vergangener Zeit.

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Die falsche Z├╝chtung

Das Ergebnis dieser Z├╝chtung k├Ânnen Sie dann ganz wunderbar auf s├Ąmtlichen Schulabschlussfeiern begutachten: schwache und ├╝berbeh├╝tete potenzielle Mitarbeiter. Doch das allein reicht nicht ... Auch die Einstellung zur Arbeit stimmt bei manchen Eigengew├Ąchsen nicht. Prinzipiell sind sie einfach nur froh, wenn sie irgendeine Anstellung bekommen. Ob das auch zu den F├Ąhigkeiten und Vorstellungen passt, ist zweitrangig. Kein Wunder also, dass die heutige Generation daf├╝r bekannt ist, sich nirgends mehr voller Hingabe reinzuh├Ąngen. Bei mir hie├č es damals immer so sch├Ân: ÔÇ×Stefan, wenn du was willst, dann musst du auch etwas daf├╝r tun." - Und dieser Weg kann eben manchmal auch ganz sch├Ân anstrengend werden. Aber dieser Ratschlag ist wohl noch nicht zu vielen jungen Arbeitern durchgedrungen. Wenn Sie allerdings denken, dass der Award f├╝r die besten Z├╝chter von schwachen Menschen an die Eltern und Lehrer geht, dann liegen Sie ganz weit daneben. Auch Unternehmer und F├╝hrungskr├Ąfte selbst leisten ihren Beitrag zu dieser Weicheier-Gesellschaft.

Ver├Ąnderung? Nein, danke.

Schon bei der Auswahl ihrer Auszubildenden und Studienabsolventen legen Unternehmen sich ein eigenes Ei. Auf der einen Seite werden sogenannte ÔÇ×High-Potentials" schon bereits auf der Uni angeheuert und hofiert und auf der anderen Seite ist der Anspruch von manchen Unternehmen unterirdisch. Da reichen schon mal die Besten der Schlechten. Die Folge: Das Gesamtniveau der Angestellten sinkt immer mehr. Mitarbeiter mit Streitkultur und herausstechender Pers├Ânlichkeit werden zur absoluten Rarit├Ąt im Unternehmen. Klar, die werden in erster Linie ja auch nicht gesucht. Die k├Ânnten ja Ver├Ąnderungen hervorrufen und den Laden mal wieder ordentlich anheizen. Achtung, allerh├Âchste Gefahr! Und zwar Gefahr vor Erfolg: Denn wenn Unternehmer mit in die ÔÇ×Erziehung" einsteigen, winkt Gro├čes. Durch die richtige F├Ârderung k├Ânnen mittelm├Ą├čige Mitarbeiter zu Hervorragenden werden. F├╝hrungskr├Ąfte und Unternehmensinhaber haben diese Entwicklung demnach selber in der Hand und ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich bin der Meinung, dass Vorgesetzte in der Pflicht sind, sich vom ersten Arbeitstag an auch um die Weiterentwicklung der Pers├Ânlichkeit und der Streitkultur der Mitarbeiter zu k├╝mmern. Unternehmen haben schlichtweg den Auftrag, Menschen die bei ihnen arbeiten, besser zu machen. Nur so k├Ânnen diese auch die gew├╝nschten Anforderungen erf├╝llen.

Eine Generation von Schwachen

Ich kann diese Generation von Schwachen ja auch irgendwie verstehen: Die wissen nicht einmal, wer sie sind und welche Motive sie haben. Mit diesem Hintergrund und den fehlenden Kenntnissen von Kritik ist es ja kein Wunder, dass sie mit schlechtem Feedback nicht umgehen k├Ânnen. Also gibt es f├╝r den jungen Menschen nur zwei Handlungsm├Âglichkeiten: Entweder er greift an, wird pampig und denkt sich: ÔÇ×Schei├č Job, ihr k├Ânnt mich alle mal." oder er zieht sich zur├╝ck, geht nach Hause und heult die Laken nass. Um ihnen eine neue Alternative aufzuzeigen, n├Ąmlich dass Streiten gut ist, muss wohl oder ├╝bel das Unternehmen selbst ran. Ich wei├č, zum kotzen ... Aber wer soll denn sonst diesen Dienst ├╝bernehmen? Ganz sicher wird das kein leichter Weg - weder f├╝r den jungen Menschen, noch f├╝r den neuen ÔÇ×Erzieher". Aber das Ergebnis wird umso ├╝berzeugender sein: In Unternehmen arbeiten dann nur noch Mitarbeiter, die nicht l├Ąnger zur schwachen Gesellschaft geh├Âren und auch konstruktiv mit Kritik umgehen k├Ânnen. Dann k├Ânnen Mami und Papi auch getrost daheim bleiben. Das hat doch auch was!

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