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Warum wir mehr Platz zum Menschsein brauchen

20/02/2017 15:46 CET | Aktualisiert 20/02/2017 15:47 CET
pozitiv_uz via Getty Images

Die portugiesische Trainerlegende José Mourinho bricht mal wieder ein TV-Interview ab.

Der norwegische Skistar Henrik Kristoffersen schreit nach seinem Sieg in Schladming „Küsst meinen Arsch" in die Kameras.

Christian Streich, der Coach des SC Freiburg, mischt sich in die politische Debatte um den Freiburger Mordfall ein.

Die Folge: Die Medien titeln voller Empörung über die Entgleisungen, die Promikollegen diskutieren heiß über die Aussetzer und der Rest der Welt schüttelt nur entsetzt den Kopf. Warum denn überhaupt?

Emotionen sind geil

Also ich mag genau solche Originale ja. Menschen, die echt sind. Die sich - manchmal gedankenverloren und unbewusst, manchmal absichtlich - eben genau so verhalten, wie es aus ihrem Inneren kommt. Das ist doch großartig!

Ich freue mich immer, wenn mir eine solche Echtheit bei meinen Trainings begegnet. Gerade im Klettergarten kommt das vor. Da sind meine Coachees so auf das konzentriert, was sie tun, sind mit den Gedanken ganz bei der Sache, da haben sie gar keine Zeit, sich zu verstellen.

Manchen ist die Angst ins Gesicht geschrieben, manchen die Freude oder der Spaß. Solche starken Emotionen können sie dann gar nicht mehr verstecken. Und ganz ehrlich: Emotionen sind geil, oder? Da zeigt sich der Mensch genau so, wie er ist.

Halt die Klappe

Wenn Menschen keine Originale sein dürfen, finde ich das verdammt traurig. Alles tun müssen, um zu gefallen - vor allem, sich verstellen -, das ist doch krank. Sie setzen eine öffentliche Fassade auf, stellen sich gut dar und verleugnen sich dadurch selbst!

Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass es in der Gesellschaft normal ist, sich anzupassen, um bloß nirgends anzuecken und alle zufriedenzustellen? Das wird doch geradezu erwartet. Das fängt schon in jungen Jahren an, wenn einem Kind der Mund verboten wird. „Psst, das kannst du so nicht sagen!" - bloß weil es die Wahrheit kundtut, die vielleicht keiner hören will.

Ja, wenn sich jemand nicht an dieses Gesetz der äußeren Korrektheit hält - sich einfach so gibt, wie er ist -, dann finden es viele Menschen krass, weil sie mit Echtheit maßlos überfordert sind und gar nicht gelernt haben, mit direkten, offenen Meinungen oder unbedachtem Verhalten umzugehen. Sehr schade!

Glattpolierte Fassaden? Langweilig!

Welches Recht nehmen Menschen heraus, auf spannenden Originalen herumzuhacken, ihre Handlungen zu bewerten und zu kommentieren - bloß weil diese originellen Menschen eben keine Lust haben, eine glattpolierte Fassade aufrechtzuerhalten, die ihnen gar nicht entspricht. Das gilt für mich übrigens nicht nur in der Welt der Stars und Sternchen, sondern für jeden Menschen. Auch für Sie!

Mehr Mut braucht das Land: zu Echtheit und weniger Kunst - und die Akzeptanz, dass jeder Mensch so sein kann, wie er ist. Diese Reaktionen aus dem Bauch heraus sind vielleicht manchmal übertrieben - aber dafür echt!

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