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Diese dumme Warum-Fragerei provoziert nichts als Backpfeifen

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SCHOOL
BraunS via Getty Images
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Ich war früher meistens zu spät dran, wenn ich in die Schule ging. Und so kam ich in der Regel völlig außer Atem in den Klassenraum. Die Standardfrage vom Lehrer: „Stefan, warum kommen Sie zu spät?"

Ich dachte an meine gute Kinderstube und antwortete ehrlich: „Verschlafen, sorry." Die Konsequenz: Eintrag ins Klassenbuch.

Oma tot, Hose runter

Irgendwann dachte ich: Dieser ätzenden Fragerei mache ich jetzt mal ein Ende. Beim nächsten „Warum" wurde ich also richtig dramatisch und erzählte ihm einfach, meine Oma sei letzte Nacht gestorben.

Au weia! Ich merkte schon während ich es aussprach, dass ich den Bogen überspannte. Nach einer Zeit löste ich die Sache auf. Die Konsequenz: Eine Strafpredigt in Sachen Moral und ein sehr heftiger Eintrag ins Klassenbuch. Aber gefragt hat er mich nie wieder ...

Warum ich Ihnen diese Geschichte erzähle? Weil sie zeigt, was Sie mit der Frage nach dem „Warum" beim anderen anrichten. Wenn Sie seine Beweggründe erforschen, setzen Sie den anderen nämlich gehörig unter Druck. Sie stellen ihn an die Wand. Er soll sich erklären, sich Ihnen offenbaren. Ja, er muss die Hosen runter lassen.

Warum ist die Banane krumm?

Er hat dann zwei Optionen:

  1. Er sagt die Wahrheit. Schonungslos. Und zwar fĂĽr beide Seiten.
  2. Er erfindet eine Geschichte. Vielleicht ein Segen fĂĽr beide Seiten.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Frage „Warum" hat durchaus eine Berechtigung! Nämlich dann, wenn es fachlich wird und Sie eine Erklärung suchen. Für ein wissenschaftliches Phänomen zum Beispiel.

Aber ich frage mich schon, wieso Menschen ein so großes Bedürfnis haben, in der Intimsphäre des anderen herumzubohren. Ich glaube, es ist der Versuch, die Situation zu kontrollieren, herauszufinden, wie der andere zu einem steht.

Was hat ihn veranlasst, dieses oder jenes zu tun? Warum ist er beispielsweise zu spät? Konnte er nicht anders? Oder bin ich ihm nicht wichtig genug?

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Wer dem Leben vertraut, braucht kein Warum

Wenn Sie dem Leben vertrauen, dann brauchen Sie aber weder Ihren Partner noch sonst jemanden zu kontrollieren. Dann können Sie sich das „Warum" einfach schenken.

Sagen Sie, was Sie sagen wollen. Und geben Sie dem anderen den Freiraum, sich selbst zu erklären - wenn er es will. Und wenn nicht? Auch okay. Denn wenn Sie sich auf die „Warum-Schiene" begeben, müssen Sie auch immer damit rechnen, dass es hart wird. Dass der andere in seiner Bedrängnis ausschlägt.

So, wie bei Claudi. Wir waren sehr jung damals. Und wir gingen miteinander. Aber irgendwie fand ich auch die Gabi toll. Ich konnte mich nicht entscheiden zwischen diesen beiden tollen Mädels. Und natürlich merkte die Claudi, dass ich immer wieder auch was mit der Gabi unternahm. Schließlich fragt sie mich nach dem „Warum". Und sie bekam eine ehrliche Antwort. „Autsch!" Die Backpfeife spüre ich heute noch.

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