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Das ist unglaublich: Hinterm Smartphone verstecken sich echte Menschen

17/03/2017 10:17 CET | Aktualisiert 17/03/2017 10:17 CET
AnaBGD via Getty Images

Wo soll das Leben im Cyberspace noch hinführen? Cybercash, Cybermobbing, Cybercafé, Cybersex ... Womöglich bekommen die Menschen bald süße, kleine Avatarkinder und leben mit Hologrammen zusammen.

Bei manchen Beziehungen würde sich ja nicht viel ändern ...

„Machst du mal das Licht aus? :)"

„mom"

„Thx!"

„:-*. n8!"

Das ist doch total absurd, wenn Erwachsene vor dem Zubettgehen lieber mit Doppelpunkten und Emoticons per Smartphone kommunizieren, statt sich zum Partner umzudrehen.

In unserer modernen, technisierten Welt sind wir immer mehr durch Gadgets, Apps und Tools fremdbestimmt und maschinengetaktet. Menschliche Beziehungen gehen dabei vor die Hunde. Echte Begegnung? - Was ist das denn bitteschön? Wahrhaftige Auseinandersetzung? - Wozu denn überhaupt? Verbale Konversation mit Emoti ... - nein nicht Emoticons -, sondern echten Emotionen? Braucht kein Mensch mehr!

Nicht nur das: Auch die Beziehung zu sich selbst geht vielen Menschen im Cyberfieber verloren.

Der moderne Lebensrhythmus: Piep, brrr, blink

Seit der Erfindung der Taschenuhr, die jeder bei sich tragen kann, ist es ein Trend: Menschen leben nicht mehr in ihrem eigenen Rhythmus, sondern nach dem maschinellen Takt der Uhr. Ihre gesamten Taktungswerkzeuge finden Sie heutzutage ganz kompakt für die Hosentasche - quasi to-go - im Smartphone: Uhr, Wecker, Kalender, To-Do-Liste, Countdown-App.

Dauernd klingelt oder piepst etwas, vibriert oder blinkt. Reißt Sie aus Ihren Gedanken, aus dem, was Sie gerade tun, und damit aus Ihrem Leben - nur um Sie daran zu erinnern, dass Sie gerade etwas anderes vermutlich viel Unwichtigeres verpassen.

Der Effekt ist dauernde Hektik, das ständige Gefühl, getrieben zu sein - mit einem Wort: Stress.

Smartwatch an, Körpergefühl aus

Und: Sie verlieren auch das Gefühl für sich selbst. Ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Schlaf und Bewegung halten sich schließlich nicht an Ihren Terminkalender und kommen zur vollen Stunde. Sie kommen dann, wenn Ihr Körper, Ihr Biorhythmus danach verlangt. Unter dem Diktat der Uhr sind Sie jedoch gezwungen, das Körpergefühl abzuschalten, sich zu maßregeln. Sie dürfen nicht mehr Mensch sein. Das Gespür für die eigenen Bedürfnisse geht verloren - und ebenso das Gespür für andere Menschen.

Über Facebook, WhatsApp und Co. merkt niemand mehr, ob der Gesprächs-, ähm Chatpartner, mitgeht oder nicht, welche Gefühle er hat, was er geben kann und was er braucht. Auf dem Bildschirm sehen alle nur die Wörter und Smileys. Die ersetzen nicht die Mimik und Gestik und bieten viel zu viel Interpretationsspielraum.

Eine Auszeit mit mir

Das Einzige, was hier hilft, ist Aussteigen. Einen Tag in der Woche Handy, Computer und Tablet ausstellen, die Armbanduhr gar nicht erst anziehen und aktiv sein, ohne sich treiben oder fremdtakten zu lassen.

Ich gehe dafür am liebsten in die Natur: Smartphone aus, die Stille im Wald oder auf den Feldern genießen - einfach herrlich, Zeit nur für mich. Zeit auf meinen Bauch zu hören. Zeit zu reflektieren. Zeit, um mich mit dem auseinanderzusetzen, was mir wichtig ist - nicht anderen. Zeit, um mir selbst wieder zu begegnen.

Und anschließend geht's wieder ab in die Cyberwelt. Natürlich auch mit E-Mails, Chats, Apps ... Aber vor allem auch eine Welt, in der Menschen leben. Die ich ansimsen kann, aber viel lieber persönlich anspreche. Ein echtes Lächeln ist doch viel schöner als ein Doppelpunkt und eine Klammer.

Ach ja: Damit Sie die Auszeit mit sich selbst nicht vergessen, tragen Sie sich ruhig einen wiederkehrenden Termin im Kalender ein.

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