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Die drei größten Fehler deutscher Privatanleger oder: Wie sich Deutschland arm spart!

23/01/2016 12:43 CET | Aktualisiert 23/01/2017 11:12 CET
Image Source via Getty Images

Deutschland hat ein chronisches Defizit bei der privaten Vermögensbildung. Nach dem jüngsten Allianz Global Wealth Report ist in Westeuropa niemand „ärmer" als die Deutschen - wenn man mal von den Euro-Krisenländern absieht.

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Trotz einer im europäischen Vergleich ungeschlagenen Sparquote von 17 Prozent verfügen die Deutschen im Schnitt nur über ein halb so hohes Netto-Geldvermögen als die Briten. Ein Grund dafür: Sage und schreibe zwei Billionen Euro liegen auf Tagesgeld- und Sparkonten, wo das Geld bei Zinsen nahe null Prozent dank der Inflation jeden Tag faktisch weniger wird.

Die Deutschen sparen also nicht zu wenig, sondern falsch. Statt Geld nur zu parken, sollten sie es anlegen. Doch auch bei der Geldanlage begehen sie drei große Fehler:

1. Hohe Gebühren

Neben Tagesgeld- und Sparkonto sind aktiv verwaltete Fonds sehr beliebt. Mal abgesehen davon, dass aktive Fondsmanager nur in Ausnahmefällen besser abschneiden als passive Fonds, zehren Ausgabeaufschläge, Rückvergütungen und Erfolgsprovisionen stark an der Performance des Kunden. Unter Umständen kosten die Gebühren der Beratung und Fonds einen Anleger den Gegenwert eines Autos, einer Wohnung oder gar eines Hauses.

Der Anleger, der in den günstigeren Indexfonds investiert, hat am Ende eine Million Euro mehr

Mit einem Beispiel lässt sich gut verdeutlichen, dass selbst geringe Gebühren einen enormen Einfluss auf die Performance haben: Zwei Anleger investieren 100.000 Euro und erzielen über einen Zeitraum von vierzig Jahren die gleiche jährliche Rendite:

Der eine mit einem Indexfonds (ETF) mit jährlichen Kosten von 0,5%, der andere mit einem aktiv gemanagten Fonds mit jährlichen Kosten von 1,7%. Das Ergebnis: Der Anleger, der in den günstigeren Indexfonds investiert, hat am Ende eine Million Euro mehr für seinen Lebensabend zur Verfügung.

2. Fokus auf Kursentwicklungen, nicht Risiken

Die meisten Investoren versuchen Kursentwicklungen vorherzusagen und beschäftigen sich damit, Geschäftsberichten, Marktanalysen oder Ad-hoc-Meldungen zu interpretieren. Das aber ist fast immer reine Zeitverschwendung.

Kursentwicklungen lassen sich auf diese Weise nicht systematisch prognostizieren, da die aktuellen Kurse derartige Informationen bereits berücksichtigen. Das Einzige, was man mithilfe von entsprechender Informationstechnologie und modernen finanzökonometrischen Verfahren relativ zuverlässig vorhersagen kann, sind Risiken.

Auf einen überdurchschnittlich risikoreichen Tag oder Monat folgt nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder ein überdurchschnittlich turbulenter Tag bzw. Monat. Da überdurchschnittliche Volatilität eher mit Verlusten einhergeht, während in unterdurchschnittlichen Phasen eher der Trend dominiert, sollte man sich beim Vermögensaufbau vor allem darauf konzentrieren, Risiken effektiv zu managen.

Anleger, die ihr Geld selbst anlegen und verwalten, agieren oft emotional

3. Emotionales statt rationales Anlageverhalten

Anleger, die ihr Geld selbst anlegen und verwalten, agieren oft emotional: In einer andauernden Abschwungphase verkaufen sie irgendwann ihre Wertpapiere, weil sie Angst vor noch größeren Verlusten haben.

Anschließend kehren sie oft erst viel zu spät in den Markt zurück und verpassen so die Rendite in Aufschwungphasen. Insgesamt stehen sie dadurch zu lange zur falschen Zeit an der Seitenlinie. Das Ergebnis sind die eingangs erwähnten zwei Billionen Euro auf Tagesgeld- und Sparkonten, die dort täglich an Kaufkraft verlieren.

Wie können es Privatanleger besser machen? Sie müssen mehr auf Kosten, Risiken und Transparenz achten:

Kosten senken. Die Anlagekosten sollten insgesamt nicht über einem Prozent pro Jahr liegen, und zwar inklusive Konto- und Depotführung, Fondsgebühren mitsamt eventuell fälliger Ausgabeaufschläge und Performance-Gebühren sowie Handelskosten für Portfolioumschichtungen.

Das ist nur möglich, indem man selbstständig in kostengünstige Indexfonds investiert und selten umschichtet oder einen digitalen Vermögensverwalter der neuen Generation nutzt, der kostengünstig agiert, indem er möglichst viele Prozesse automatisiert und für den Vermögensaufbau irrelevanten „Schnickschnack" weglässt - wie zum Beispiel kostspielige Vertriebler oder teure Filialnetze.

Risiken kontrollieren. Anleger sollten darauf achten, in Anlageprodukte mit einer risiko-fokussierten, dynamischen Portfoliosteuerung zu investieren. Im Idealfall in Form einer kostengünstigen, automatisierten Vermögensverwaltung, die ihnen ein individuell abgestimmtes Portfolio erstellen kann. Mittlerweile gibt es Anbieter am Markt, die man bereits ab einem Anlagevolumen von ein paar tausend Euro nutzen kann.

Anleger sollten unbedingt einen Blick in die AGBs werfen

Emotionen rausnehmen. Damit Anleger die Scheu vor dem Kapitalmarkt verlieren und um emotionsgetriebenem Fehlverhalten vorzubeugen, sollten sie auf Vermögensverwalter oder Fondsmanager setzen, die offen und transparent mit dem Thema Risiko umgehen. Außerdem sollten Anleger unbedingt einen Blick in die AGBs werfen. Dort steht nämlich schwarz auf weiß, ob der Anbieter Kick-backs, Rückvergütungen oder Erfolgsprovisionen kassieren darf und damit die Rendite seiner Kunden negativ beeinflusst.

Bis vor kurzem hatten Privatanleger, die ihr Geld mangels Zeit oder Kenntnis nicht selbst anlegen wollen, lediglich die Wahl zwischen niedrigverzinsten Sparbüchern und Tagesgeldkonten oder überteuerten aktiv gemanagten Fonds. Diese Zeiten sind vorbei.

Heute gibt es nicht nur passive Indexfonds (ETFs), sondern auch digitale Vermögensverwalter, die ihren Kunden ein breit diversifiziertes ETF-Portfolio zusammenstellen, das an die individuelle Risikotoleranz angepasst ist. Auch in dieser Branche (manchmal mit dem Begriff „Robo-Advisor" umschrieben) ist nicht alles Gold, was glänzt.

Einige bieten aber eine automatisierte und professionelle Vermögensverwaltung zu fairen und transparenten Konditionen. Privatanleger müssen sich nicht länger aus Mangel an Alternativen arm sparen, sondern haben nun eine realistische Möglichkeit zum nachhaltigen Vermögensaufbau.

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