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Schnellere Dienstleistungen: Smart Data verkürzen Fahrzeiten

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Lange Staus, verstopfte Zubringer und Mangel an Parkplätzen: Die Verkehrslage in deutschen Städten raubt vielen Autofahrern den letzten Nerv - und sie ist zugleich teuer. Denn sie kostet gerade Unternehmen wie Handwerksbetrieben oder Dienstleister, die jeden Tag auf den Straßen unterwegs sind, Zeit, Kraftstoff und damit viel Geld. Eine Smart-Data-basierte Serviceplattform soll den Verkehr nun steuern.

Das Verkehrsaufkommen auf den deutschen und europäischen Straßen steigt stetig. Gleichzeitig müssen Transportunternehmen und Dienstleister so schnell wie möglich zu den Kunden gelangen, um Kosten zu optimieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Denn im Dienstleistungssektor kommt es nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Schnelligkeit des Service an.

Kunden wollen nicht lange auf Handwerker oder Lieferdienste warten müssen. Und für Dienstleister gilt: Je kürzer die Fahrzeit, desto mehr Kunden können intensiv betreut werden. Um trotz des starken Verkehrs rechtzeitig das angesteuerte Ziel zu erreichen, müssen nicht nur einzelne Strecken, sondern auch ganze Wegeketten - also die Aneinanderreihung aller außerhäuslichen Wege - der Unternehmensfahrzeuge optimiert werden.

Die optimale Strecke zum Kunden berechnen

Dieser Herausforderung, die Effizienz im Straßenverkehr zu steigern, nimmt sich das Team des Projekts „ExCELL - Echtzeitanalyse und Crowdsourcing für eine selbstorganisierte City-Logistik" an. Es wird im Rahmen des Technologieprogramms „Smart Data - Innovationen aus Daten" vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und entwickelt eine Plattform, die aktuelle Verkehrsdaten verarbeitet und darauf aufbauend mit entsprechender Software die Logistikwege der Unternehmen optimiert.

In diesem Jahr soll das Verfahren zum ersten Mal in der Praxis erprobt werden. Ausgewählte Handwerksfirmen in Dresden werden die Plattform nutzen, um zum einen die kürzeste und schnellste Strecke zu ihren Kunden herauszufinden. Zum anderen soll das System die optimale Reihenfolge der Orte ermitteln, die die Flotte eines Handwerksunternehmens in einer Woche anfahren muss. Dafür greift ExCELL auf Geo- oder Verkehrsdaten zurück und gleicht sie mit den Daten der Betriebe, wie Aufträge und Dienstpläne, ab.

Hinzu kommen die Daten, die alle Partnerunternehmen übermitteln wie z.B. die genauen Positionen der Mitarbeiter im Stadtverkehr per GPS. Alle diese Daten filtert ExCELL, wandelt sie systematisch in hilfreiche Informationen (wir nennen das dann Smart Data) um und stellt sie auf der Plattform für die Unternehmen zur Verfügung.

Dank Echtzeitanalyse ist das ExCELL-System in der Lage, vor Staus zu warnen, das Verkehrsaufkommen auch in der Rushhour zu prognostizieren und alternative Wege bei Unfällen vorzuschlagen. Auf Grundlage der gesammelten Daten kann das System auch vor Verzögerungen warnen, indem es die aktuelle Position des Handwerkers mit der zu bewältigenden Strecke sowie dem dort herrschenden und prognostizierten Verkehrsaufkommen abgleicht.

So können die Kunden frühzeitig über Verspätungen informiert werden, was sicherlich ihre Zufriedenheit steigert. Das Verfahren soll viel Zeit, Kraftstoff und Geld sparen. Und werden lange Fahrtwege in zähflüssigem Verkehr vermieden, steigt als nützlicher Nebeneffekt gleichzeitig die Zufriedenheit auch der Mitarbeiter.

Smart Data verbindet Menschen


Zukünftig soll das ExCELL-System auch auf innerstädtische Güter- und Lieferdienste angewendet werden, wovon dann auch Lieferanten, Kurierdienste und Taxiunternehmen profitieren. Eine weitere Zielgruppe sind die ambulanten Pflegedienste. Hier ist bei der Tourenplanung jedoch zu beachten, dass Pflegekräfte einen festen Patientenstamm haben, um den sie sich kümmern.

Für jede Pflegekraft muss daher eine eigene optimale Wegekette ermittelt werden, denn es steht nicht einfach die effizienteste Route im Vordergrund, sondern der regelmäßige Besuch bei den Stammpatienten. Die verbesserte Effizienz der Fahrstrecke resultiert dann auch in einem weiteren Vorteil: die Zeit, die die Mitarbeiter nicht im Auto verbringen, können sie in ihre Patienten investieren.

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