Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Stefan Gruhner Headshot

Die AfD ist keine konservative Partei

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GRUHNER
dpa
Drucken

Was wir unter Konservatismus verstehen, hat sich seit Edmund Burke, dem geistigen Urvater konservativen Denkens, immer wieder verändert. Jedoch ist ein Gedanke eine immer währende Konstante. Es ist die Idee alles besser machen zu wollen.

Veränderung soll es nicht per se geben, sondern nur unter der Maßgabe, dass etwas besser wird. Bewahre das Gute und ersetze es stets nur durch das Bessere. Dieser Anspruch an gesellschaftliche Veränderung unterscheidet den Konservatismus von politischen Ideologien und von radikalen Neuerungen.

Mehr zum Thema: Europa erlebt eine rechte Revolution

Wandel ist für den Konservativen eine friedliche Evolution, die politische, geistige und kulturelle Traditionen in einer Kontinuitätslinie fortentwickeln will. Damit ist konservatives Denken, entgegen aller linker Unkenrufe, die wohl geeignetste Denkschule, um gesellschaftlichen Wandel mit Maß und Mitte zu erreichen.

Streben nach Identität, Sicherheit und Kontinuität

Darüber hinaus ist konservatives Denken vor allem eine Haltung. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie selbst in der Union einzelne Sachfragen wie eine Monstranz des Konservatismus vor sich hergetragen werden. Da wird das Aussetzen der Wehrpflicht oder der Ausstieg aus der Kernenergie gleich zum Todesstoß für den Konservatismus hochstilisiert.

Unabhängig davon, dass die Union nie eine rein konservative Partei war, haben solche einzelnen Sachfragen nichts mit Konservatismus zu tun, weil sie rein instrumentellen Charakter haben. Eine konservative Haltung macht sich vielmehr an einer Grundhaltung, die sich durch das Streben nach Identität, Sicherheit und Kontinuität auszeichnet, fest.

Es geht um Identität durch eine Leitkultur, die das Wertefundament unseres Zusammenlebens ausmacht. Dazu gehört u.a. die Liebe zum Vaterland und zur Heimat und das Bekenntnis zu einem Staat, der weder libertär dem Einzelnen sich selbst überlässt, noch sozialistisch den Staat über den Einzelnen stellt.

" Es geht um ein maßvolles Verhältnis von Freiheit und Verantwortung."

Es geht um ein maßvolles Verhältnis von Freiheit und Verantwortung. Genau darin knüpft das Streben nach Sicherheit an. Konservative wollen dort ein starkes Durchgreifen des Staates, wo er tatsächlich gefordert ist.

Starke Institutionen der inneren und äußeren Sicherheit zum Beispiel. Es geht um das Anerkennen staatlicher Autorität und Ordnung statt linkem laissez faire und statt rechter Hetze gegen staatliche Institutionen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Und schließlich geht es um Kontinuität. Der Konservative will Wandel. Er will Wandel zum Besseren unter Fortführung von wichtigen Traditionen. Denn Traditionen sind der kulturelle Kitt, der gelingende Veränderungsprozesse einer Gesellschaft erst ermöglicht.

Die AfD ist nicht konservativ

Dieses Verständnis von Konservatismus unterstreicht, dass die sich vermeintlich konservativ gebenden Rechtspopulisten von der AfD keine neue konservative Bewegung sind. Diese Rechtspopulisten nehmen mit politischer Kampfrhetorik gegen gesellschaftliche Institutionen die Schwächung des Staates in Kauf.

Sie wollen nicht den Wandel zum Besseren, sondern den radikalen Umsturz. Und schließlich wahren Konservative bürgerliche Umgangsformen. Wer aber, wie der Thüringer AfD-Chef Höcke, die Bundeskanzlerin "in der Zwangsjacke abführen" lassen möchte, dem mangelt es ganz offenkundig an einem Mindestmaß an Bürgerlichkeit. So jemand ist weder konservativ noch bürgerlich.

Auch auf Huff Post:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.