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UNIDO: Nach 50 Jahre noch immer kein Erfolg

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Trotz eher bescheidener Erfolge feierte die UNIDO im November ihren 50. Geburtstag. Seit einem halben Jahrhundert warten viele Staaten noch immer auf ihre industrielle Entwicklung, das tat den Feierlichkeiten in Wien jedoch keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil.

Vor 50 Jahren, am 17. November 1966, wurde die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung, (United Nations Industrial Development Organization; UNIDO) gegründet. Ihr Ziel: die industrielle Entwicklung in Entwicklungsländern und Reformstaaten nachhaltig zu fördern. Ursprünglich als Programm der Vereinten Nationen gegründet, wurde sie 1985 in eine selbständige Sonderorganisation der UN umgewandelt. Ihr Hauptsitz ist in Wien und als derzeit einzige UN-Organisation budgetiert sie in Euro.

Die UNIDO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität der Ärmsten der Welt zu verbessern. Dies soll erreicht werden durch: Verringerung der Armut durch Produktionstätigkeit (insbesondere durch die Förderung des Industriewachstums), Konzentration auf Arbeitsplatz- und Einkommensbeschaffung sowie den institutionellen Aufbau von Kapazitäten und der Entwicklung von Klein- und Kleinstunternehmen.

Hauptkritik: Ineffizienz

Wer solch hochgesteckte Ziele seit nun einem halben Jahrhundert verfolgt, sollte sich aber auch der Kritik stellen. Und die ist massiv und hält seit Jahren an. Hauptargument gegen eine UN-Organisation zur industriellen Entwicklung: sie ist einfach ineffektiv. Trotz mehrfacher Reformen ist die Performance wahrlich nicht berauschend.

Ein Blick rund um die Welt genügt um zu erkennen, dass es mit der industriellen Entwicklung nicht weit her ist. Insbesondere in den Ländern Subsahara-Afrikas ist von industrieller Entwicklung nichts zu bemerken.

Dass man mit den gelieferten Ergebnissen nicht überall zufrieden ist, zeigt auch die Tatsache, dass immer wieder Mitgliedstaaten aus der UNIDO austreten. Zum Jahresanfang bereits Belgien, zum Jahresende werden die Austritte von Dänemark und Griechenland wirksam - gerade rechtzeitig zu den großen Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich „50 Jahre UNIDO". Aller Voraussicht nach will auch Holland die Organisation verlassen.

Frankreich, Großbritannien, Portugal, Litauen und Neuseeland haben der UNIDO während der letzten fünf Jahre bereits den Rücken gekehrt. Kanada, die USA und Australien sind gar schon seit Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr dabei.

Typische UN-Einrichtung

Gerechterweise muss man zwar anmerken, dass die finanziellen Mittel der UNIDO mehr als bescheiden sind. Im Vorjahr hatte man etwas über 400 Millionen Euro zur Verfügung um die industrielle Entwicklung weltweit nachhaltig voranzutreiben. Dennoch scheinen Kritiker der festen Überzeugung, dass man auch mit diesem eher geringen Betrag vielleicht doch ein wenig mehr erreichen könnte.

Von einigen kommt auch immer wieder der Hinweis, dass die UNIDO eben eine „typische UN-Einrichtung" sei. Die Mitarbeiterstellen werden gemäß dem UN-üblichen Binnenpluralismus strikt nach Staatenquoten vergeben. Dass dabei nicht immer das bestqualifizierteste Personal zum Zuge kommt, liegt auf der Hand.

Selbst die UNIDO-Verantwortlichen sehen von Zeit zu Zeit bedarf ihre Existenz zu rechtfertigen und begeben sich dann auch schon mal auf die Suche nach einem neuen Betätigungsfeld. Vor ein paar Jahren versuchte man sich etwa als Sprachrohr und Bühne für so genannte middle-income countries.

Aktuell hat die UNIDO übrigens das Thema Migration für sich gefunden und ist der festen Überzeugung, dass eigentlich sie die UN-Organisation wäre, um das virulente Migrationsproblem zu lösen. Nach dem Motto: wir schaffen die Industrialisierung vor Ort damit Migration gar nicht mehr nötig ist.

Angesichts der bescheidenen Ergebnisse ihre Arbeit während der letzten 50 Jahren eigentlich eine unverschämte Selbstüberschätzung. Aber es geht ja auch gar nicht primär um die Bewältigung eines weltweiten Problems. An erster Stelle steht wohl wieder einfach der Versuch, eine Existenzberechtigung für die UNIDO zu finden.

Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag

Über all diese Dinge wurde in den letzten Wochen natürlich nicht wirklich geredet als am 21. November die großen Feierlichkeiten begannen. Eine Woche lang wurde der 50. Geburtstag gebührend begangen, inklusive VIP-Empfang im Wiener Rathaus. Wie schon beim 40. Geburtstag (am selben Ort) hat man sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, das Erreichte beklatscht und die großen Herausforderungen für die nächsten Jahre benannt.

Anfang des nächsten Jahres wird dann die UNIDO wieder so weiter arbeiten wie sie es schon die letzten Jahrzehnte über getan hat. Die Feierlichkeiten sind dann ungenutzt vorübergegangen und viele Staaten werden auch weiterhin auf ihren industriellen Aufschwung vergebens warten.

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