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Gibt es bei den Renditen eine Rückkehr zur Normalität?

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EZB BANK
dpa
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Die Renditen sind bereits seit einiger Zeit sehr niedrig. Schwaches Wachstum, niedrige Inflation und hauptsächlich die niedrigen Notenbankzinsen sind die Gründe für diese ungünstige Entwicklung. Nachdem die Renditen nun bereits seit Jahren fallen stellt sich die Frage, ob man auf längere Sicht überhaupt noch eine Normalisierung bei den Renditen erwarten kann, oder sind negative Renditen die neue Normalität?

Die Weltwirtschaft dürfte in den kommenden Jahren weiterhin nur moderat wachsen. Einer der wichtigsten Gründe für das schleppende Wachstumstempo liegt in der Investitionszurückhaltung, besonders in den Industrieländern.

Neben pessimistischen Absatzerwartungen bei Unterauslastung der Kapazitäten, einer teilweise restriktiven Kreditvergabe und gestiegenen globalen Unsicherheiten dürfte der seit einigen Jahren merklich nachlassende Globalisierungstrend der Weltwirtschaft hierfür verantwortlich sein.

Die zurückliegende Wirtschafts- und Finanzkrise hat die wirtschaftlichen Strukturen in Europa schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die in vielen EWU-Mitgliedsstaaten weiterhin bestehenden strukturellen Schwächen werden in den kommenden Jahren einer dynamischen Erholung im Wege stehen.

Die Arbeitslosigkeit wird nur langsam sinken

In diesem Umfeld erwarten wir zwar moderate Zuwächse in der Beschäftigung in den einzelnen Ländern der Eurozone. Die Arbeitslosigkeit sollte jedoch nur sehr langsam sinken, sodass der Lohndruck auf absehbare Zeit anhaltend niedrig ausfallen wird.

Damit bleibt das von uns unterstellte Inflationsbild insgesamt gedämpft. Die Gefahr einer nachhaltigen Beschleunigung der Inflation, ausgelöst durch die aktuell vorherrschende expansive Geldpolitik in Verbindung mit einer steigenden Kreditvergabe, scheint derzeit gering.

Zu viele Restriktionen, wie die starke Regulatorik im Bankensektor, dürften die Kreditvergabe in den kommenden Jahren bremsen. Die EWU-Inflationsraten sollten innerhalb von rund fünf Jahren nur sehr langsam in Richtung 2%-Marke steigen.

Wir brauchen niedrige Zinsen

Die EWU-Wirtschaft ist auf Sicht der kommenden Jahre auf niedrige Zinsen und einen schwachen Wechselkurs angewiesen, um eine erneute Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds vermeiden zu können.

Die europäischen Währungshüter werden in diesem Umfeld aber dennoch die Möglichkeit haben, zumindest die außergewöhnlichen Maßnahmen langsam zurücknehmen zu können, und die EZB wird die Anleihekäufe im Bereich von 2017 bis 2018 wohl langsam und schrittweise beenden.

Die EZB dürfte die Staatsanleihekäufe dennoch so lange wie möglich aufrechterhalten wollen, um den Regierungen im Euro-Währungsgebiet zeitlichen Spielraum zu geben. Letzten Endes kann die EZB ihre Geldpolitik nur in demjenigen Umfeld restriktiver gestalten, indem die EWU-Länder Reformen und Maßnahmen durchführen. Ohne diese bestünde die Gefahr, dass die Renditen zu stark steigen und erneut staatliche Refinanzierungsproblem und so eine Rezession herbeiführen.

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Nachdem die EZB keine weiteren Anleihekäufe mehr vornimmt, wird recht schnell die Diskussion aufkommen, wann die Leitzinsen wieder erhöht werden. Eine erste Leitzinserhöhung könnten wir uns im Jahr 2019 vorstellen.

So dürfte EZB-Präsident Draghi vor dem Ende seiner Amtsperiode als Antwort auf seine Kritiker die geldpolitische Zinswende einleiten wollen. Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten wird auch die Europäische Notenbank insbesondere zu Beginn des neuen Leitzinserhöhungszyklus eine eher vorsichtige Geldpolitik mit kleinen, wohldosierten Schritten betreiben.

Eine Rückkehr zu einer (neuen) Normalität der Geldpolitik ist also vorstellbar. Dennoch dürften trotz der anhaltenden konjunkturellen Expansionsphase auf Sicht der kommenden Jahre sowie der Rückkehr von moderaten Inflationsraten die Renditen in der Eurozone insgesamt niedrig bleiben. Der Beginn der Zinswende und die Aussicht auf steigende Leitzinsen im Jahr 2019 sollte den Bund-Renditen etwas Auftrieb verschaffen - auf Sicht von fünf Jahren jedoch nur verhalten über die gesamte Strukturkurve hinweg.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf bielmeiersblog.dzbank.de.

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