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Ich wurde in der Schwangerschaft gemobbt

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PREGNANT WOMAN SERIOUS
Jose Luis Pelaez Inc via Getty Images
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Das ist ein Gastbeitrag von Steffi.

Ihr Lieben, wohl jede werdende Mama hat Bammel, ihrem Chef oder ihrer Chefin von der Schwangerschaft zu erzählen. Denn genau zu diesem Zeitpunkt fängt das miese Theater mit dem schlechten Gewissen nämlich an, das uns Mütter so oft begleitet.

Glücklicherweise ist es dann doch ganz oft so, dass die Vorgesetzten sich mitfreuen. Bei mir war das so - auch, wenn mein Chef gesagt hat, dass er mich vermissen wird (ist ja auch mal schön zu hören!).

Bei Steffi, 31, war es allerdings ganz anders. Ihre Chefin hatte kein Verständnis. Und genau darüber schreibt sie heute. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns erzählt, wie Eure Chefs reagiert haben. Waren die Kollegen in Eurer Schwangerschaft besonders hilfsbereit oder musstet Ihr Euch dumme Sprüche anhören? Erzählt doch mal! Aber zuerst Steffi. Viel Spaß mit Ihrem Beitrag:
 
Um es mal vorweg zu nehmen: Ich habe Endometriose und mit 19 Jahren hat man mir gesagt, dass es wahrscheinlich unmöglich ist, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Also habe ich andere Ziele verfolgt. Ich habe einen wundervollen Mann geheiratet und meine teure Privatschulausbildung zur Sprachtherapeutin absolviert.

Als ich dann eine Stelle in einer tollen Praxis bekam, war das Glück (fast) perfekt. Das Team war super, die Chefs locker flockig, es wurde gelacht, geweint... Wie unter Freunden. Ich hab freiwillig über 50 Stunden gearbeitet, kein Problem!

Schon beim Einstellungsgespräch hat meine Chefin (scheinbar im Spaß) gesagt, dass ich mir mit dem Schwangerwerden jaaaaaa Zeit lassen soll. Immer und immer wieder fiel diese Bemerkung bis mir irgendwann der Kragen geplatzt ist und ich ihr meine Diagnose auf den Tisch geknallt hab. Dann war Ruhe und meine Wunden wurde nicht immer wieder aufgerissen.

Und wie das Schicksal manchmal so spielt, wurde ich vier Monate nach meiner Einstellung schwanger.

Betrunken vor Glück hab ich es meiner Chefin fast sofort mitgeteilt, weil ich mich mit ihr zusammen freuen wollte. Ihre Reaktion waren Tränen! Ich dachte in meiner hormonellen Glückseligkeit, dass sie sich wohl so sehr für mich freut.

Doch plötzlich wehte ein anderer Wind durch die Praxis. Ein sehr sehr kühler Wind. Keine netten Worte mehr, keine Umarmungen mehr. Stattdessen Sticheleien über mein Gewicht und meine Schwangerschaftswehwehchen. Meine Übelkeit wurde als Psychoquatsch bezeichnet (die Chefin selbst hatte wohl eine ganz wunderbare Schwangerschaft).

Trotz massiver Kreislaufbeschwerden, Anämie und andauernder Übelkeit habe ich weiter gearbeitet. Ich hatte einfach das Gefühl, ich bin der Frau was schuldig. Als mein Ersatz dann gefunden war, sprach man überhaupt nicht mehr mit mir und wenn, dann bekam ich unangebrachte Kritik oder verletzende Kommentare.

Per SMS wurde mir angeraten, mich bis zum Mutterschutz krankschreiben zu lassen. Seitdem kein Kontakt. Die Situation überschattete mein ganzes Glück. Ich war so empfindlich und habe viel geweint.

Mir wurde nicht zur Geburt gratuliert, man hat mich von der Weihnachtsfeier ausgeschlossen und auch sonst komplett ignoriert. Mein Mann meint, die Verbitterung meiner Chefin liegt darin begründet, dass sie selbst nur ein Kind hat und ihr Mann kein zweites "genehmigt". Aber selbst wenn: was kann ich dafür?

Der Blog erschien ursprünglich auf Stadt Land Mama. Auf Facebook sind die Stadt Land Mamas hier zu finden.

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