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An alle glücklichen Eltern: Ich habe diesen großartigen Moment nie erlebt, der das Leben komplett macht

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Der ganze Raum war angefüllt mit Freude und Lachen. Luftballons wurden von einem Kind zum nächsten geschleudert, da die Kleinen von den zuckersüßen Cupcakes total aufgekratzt waren. Plötzlich dimmte jemand das Licht herunter und alle Partygäste wandten sich dem Bildschirm zu, auf dem ein Video gezeigt wurde, das für den ersten Geburtstag des Kindes erstellt worden war.

Die Gäste verstummten und sahen sich die Bilder an, die zusammen mit musikalischer Untermalung ein- und ausgeblendet wurden. Auf die wöchentlichen Babybauchbilder folgte das erste gemeinsame Familienbild: Ein wunderschönes Paar, das sein kleines Bündel des Glücks im Arm hielt und vor Freude strahlte.

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Ich war einfach nur traurig, neidisch und verwirrt

Beim Anblick dieser wundervollen Momente stiegen mir plötzlich Tränen in die Augen. Ich hatte einen Kloß im Hals und versuchte alles, um nicht die Fassung zu verlieren. Ich hätte nie gedacht, dass die Geburtstagsparty eines Kindes solche Gefühle in mir auslösen könnte, doch in diesem Augenblick war ich einfach nur traurig, neidisch und verwirrt.

Denn ich durfte noch nie diesen großartigen Moment erleben, an dem das eigene Leben endlich komplett wird und man sein Baby auf dieser Welt begrüßt. Als ich Mama wurde, hatte ich nicht nur eine Frühgeburt, sondern ich verlor auch noch ein Kind. Und somit entging mir dieser fotowürdige Moment.

Mir war immer klar, dass meine Schwangerschaft etwas anders verlaufen würde, da ich Drillinge erwartete und deshalb als "Risikoschwangere" galt. Ich hatte weder einen Geburtsplan noch irgendwelche Erwartungen, und vertraute stattdessen einfach darauf, dass die Ärzte und mein Schicksal mir schon den richtigen Weg weisen würden.

Als meine Wehen einsetzten, waren wir voller Angst und Verzweiflung

Am 23. Juni 2013 zerplatzten jedoch all meine Hoffnungen und Träume, denn ich bekam mehr als 17 Wochen vor dem geplanten Termin vorzeitige Wehen. Als meine Fruchtblase platzte, herrschte bei uns keine Vorfreude und Spannung.

Wir verspürten keinen Nervenkitzel und keine Panik, weil wir endlich zum ersten Mal in unserem Leben Eltern wurden. Als meine Wehen einsetzten, waren wir voller Angst und Verzweiflung.

Meine Welt zerbrach in den frühen Morgenstunden eines friedlichen Sonntags. Als meine erste Tochter Abigail zur Welt kam, schöpfte ich einen Funken Hoffnung. Wir sahen dabei zu, wie unser winziges Baby, das gerade mal ein Pfund wog, das erste Mal quiekte und um sich trat.

Bereits nach wenigen Minuten war jedoch klar, dass ihre Lunge zu schwach war, und dass sie bald sterben würde. Als ich völlig unter Schock im Krankenhausbett lag, verspürte ich nicht die Euphorie einer stolzen Mama. Mein Gesicht war rot angelaufen von all den Tränen und der Anstrengung.

Ihr Leben zu retten war ein Wettlauf mit der Zeit

Meine Haare waren ein ungepflegtes und fettiges Knäuel, da ich bereits seit Wochen im Krankenhaus lag. Mein Mann saß neben mir und weinte. Wir hatten nicht die Zeit gehabt, uns für ein Foto hübsch zu machen. Aufgrund der akuten Notsituation musste mein Mann unsere Tochter in einem schmutzigen T-Shirt eines amerikanischen Schnellrestaurants begrüßen.

Ich hielt unsere Tochter in den ersten und letzten Momenten ihres Lebens in den Armen. Das ganze Ausmaß unseres Unglücks wurde uns erst dann so richtig bewusst, als die Ärzte sie für tot erklärten. Meine erstgeborene Tochter lebte nur zwei Stunden lang, und wir haben keine fröhlichen Bilder, die das Wunder des Lebens zeigen.

Siebzehn Stunden später wurden wir mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Es ging mir körperlich immer schlechter und ich musste unsere beiden anderen Kinder dringend zur Welt bringen. Peyton und Parker wurden mit einem Abstand von 20 Minuten auf natürliche Weise geboren.

Sie lebten, doch da sie viel zu früh auf die Welt gekommen waren, blieb nicht einmal mehr die Zeit für einen Schnappschuss. Ihr Leben zu retten war ein Wettlauf mit der Zeit, und bevor ich überhaupt realisiert hatte, dass sie tatsächlich am Leben waren, hatten die Ärzte sie bereits auf die Neugeborenen-Intensivstation gebracht.

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Das ist die Realität für Eltern, die ein Kind verloren haben

Als das Video zu Ende war, setzten die Gäste zu einem Geburtstagsständchen an. Der anschließende Applaus riss mich aus meiner Trance und ich wischte mir schnell die Tränen weg, die an meinem Gesicht herabrollten. Auf dem Weg zum Auto drehte ich mich zu meinem Mann um und sagte: "Das war hart."

Das ist die Realität für Eltern, die eine Frühgeburt erlitten haben oder ein Kind verloren haben. Manchmal verläuft der Geburtsplan eben überhaupt nicht nach Plan. Es ist jetzt fast vier Jahre her, dass ich Mama geworden bin, und ich kann meine Tränen mittlerweile zulassen.

Ich darf traurig sein. Ich darf neidisch sein. Das Leben ist manchmal einfach nicht fair. Doch anstatt mich in meinem Kummer zu vergraben, versuche ich mich über die schönen Dinge zu freuen, die das Leben mir bietet.

Unsere Bilder sind auf ihre ganz eigene Art wunderschön

Wenn ich mir die Bilder dieses verhängnisvollen Tages im Juni anschaue, fühle ich mich mittlerweile in Frieden mit mir selbst. Ich habe kein perfektes Bild mit einer perfekten Familie und einem perfekten Kind bekommen. Doch das ist in Ordnung.

Denn dafür besitze ich das unbearbeitete und sehr emotionale Bild eines ganz besonderen Moments, der sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Wir lachen auf diesem Bild zwar nicht, doch unsere Tränen an diesem ganz besonderen Tag, an dem wir unsere Kinder zum ersten Mal gesehen haben, sind ein Zeichen unserer Liebe.

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Und während ich über unsere gemeinsame Reise nachdenke, wird mir klar, dass ich trotz all der Tränen auch wieder lachen kann. Unsere Bilder sind auf ihre ganz eigene Art wunderschön. Statt Fotos von Neugeborenen haben wir wertvolle Momente und Meilensteine, an denen wir uns festhalten können.

Das erste Mal, dass wir unser Kind auf der Neugeborenen-Intensivstation im Arm halten durften. Der Tag, an dem unser Sohn friedlich von uns ging. Der Tag, an dem das einzige überlebende Kind der Drillinge nach vier Monaten im Krankenhaus zu uns nach Hause durfte.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und diese paar Bilder sind alles, was wir haben. Wir halten jeden einzelnen Moment fest, die guten wie die schlechten, denn in diesen Bildern liegt der Schlüssel zu unseren Herzen.

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Eine Version dieses Posts erschien ursprünglich bei Perfectly Peyton.

Dieser Blog erschien zuerst bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)