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Spiritualität ist wie eine Verabredung mit Dir selbst

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Wir neigen dazu, uns selbst oder andere zu sehr zu werten. Entweder Du machst Dir selbst Vorwürfe oder Du machst sie anderen. Entweder findest Du Dich selbst nicht richtig oder Du machst einem anderen den Vorwurf, er sei nicht okay. Wach' auf und hör auf zu werten.

Gehe nicht zu hart mit Dir ins Gericht. Du bist Teil eines Phänomens, das passiert. Ebenso wie es Bäume, Flüsse und Vögel gibt, so gibt es auch Dich. So viele Vögel werden geboren und sterben. So viele Bäume wachsen und verschwinden wieder. Auf die gleiche Weise kommen und gehen so viele Menschen und Körper. Und dann kommen neue Menschen und auch sie gehen wieder.

"Die erste Regel auf dem spirituellen Weg lautet, sich keine Selbstvorwürfe zu machen."

Diesen Planeten gibt es seit Milliarden von Jahren. Betrachte Dein Leben aus einem größeren Kontext heraus, dann hörst Du auch auf, Dir selbst Vorwürfe zu machen. Die erste Regel auf dem spirituellen Weg lautet, sich keine Selbstvorwürfe zu machen. Warum? Bist Du gerne mit jemandem zusammen, der Dir immer nur Vorwürfe macht? Bist Du gerne mit jemandem zusammen, der Dich unglücklich macht? Nein! Machst Du Dir also Selbstvorwürfe, dann kannst Du Deinem Selbst nicht nahe sein. Denn: Spiritualität ist wie eine Verabredung mit Dir selbst.

Machst Du Dir ständig Vorwürfe, dann kannst Du Dich nie mit Dir selbst verabreden. Also lautet die erste Regel auf der spirituellen Reise oder dem spirituellen Weg, mit den Selbstvorwürfen aufzuhören.

Sag' jetzt nicht, „oh, das bedeutet aber, dass ich andere verurteilen kann." Nein! Jedes Mal, wenn Du jemanden verurteilst und Du aus einem weiteren Blickwinkel heraus realisierst, warum Du ihn verurteilt hast, dann wirst Du erkennen, dass es falsch und sinnlos war. Findest Du also heraus, dass Dein Urteil falsch war, dann fängst Du sehr schnell an, Dir selbst Vorwürfe zu machen. Der Grund, warum ich sage, Du sollst andere nicht verurteilen, liegt darin, dass dieses Urteil wieder auf Dich zurückfällt. Du solltest niemals jemand anderen verurteilen.

Mein ganzes Leben lang habe ich nie etwas Schlechtes zu jemandem gesagt. Das Schlimmste, das mir mal über die Lippen kam, ist „Du Dummkopf". Manchmal, wenn ich wütend oder aufgebracht war, dann habe ich gesagt „Du Dummkopf". Nichts Schlimmeres als das. Ich habe nie jemandem Vorwürfe gemacht oder etwas Schlechtes gesagt. Es ist einfach nicht aus mir herausgekommen. Ich habe nichts dazu getan, dass es so kam. Es war einfach so, von Anfang an. Ich konnte nie jemanden beleidigen, weder verbal noch auf irgendeine andere Weise.

Wenn Du darauf achtest, wenn Du aufhörst, schlimme Worte in den Mund zu nehmen, dann werden Deine Worte kraftvoll und segensreich. Und Dein Segen trägt Früchte. Verstehst Du, was ich sage?

Hör' also auf damit, Dir selbst und anderen Vorwürfe zu machen. Die Dinge sind, wie sie sind. Mach' einfach weiter, fertig. Manchmal sagen Leute: „Oh, diese Person taugt nichts. Sie ist nicht echt." Um das zu sagen, sollte man aber bestimmte Kriterien zur Hand haben, was echt und was falsch ist. Oft hast Du nicht mal eine Grundlage dafür, jemanden zu verurteilen, Du machst es einfach: „Oh, er taugt nichts." Einfach so, fertig.

In der Gesellschaft hat sich eine latente Neigung entwickelt, andere und sich selbst zu verurteilen und sich dann schuldig zu fühlen. Bei der spirituellen Reise geht es darum, diese Tendenz umzukehren. Das alles ist so subtil.

Das bedeutet nicht, Du sollst alle Fehler, die Du begehst, rechtfertigen. Du machst also einen Fehler und sagst: „Oh, ich bin auf dem spirituellen Weg. Ich kann meinen Fehler nicht akzeptieren, mich aber auch nicht selbst verurteilen. Was auch immer ich also gemacht habe, ist richtig." Nein!

Es ist ein wahrer Drahtseilakt. Du solltest Deinen Fehler nicht rechtfertigen, ihn jedoch erkennen und Dir gleichzeitig keine Vorwürfe machen. Akzeptierst und erkennst Du Deine Fehler nicht, dann schreitest Du nie voran. Das ist die ganze Geschichte. Erkennst Du Deinen Fehler jedoch und fühlst Dich schuldig und machst Dir Vorwürfe, dann ist das auch ein hoffnungsloser Fall. Du solltest also diese sehr feine Balance halten. Wie auf des Messers Schneide: weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

Hintergrund
Sri Sri Ravi Shankar ist der Gründer der Art of Living Foundation, die sich weltweit durch humanitäre Projekte und Kurse für den Einzelnen für eine stressfreie und gewaltfreie Gesellschaft einsetzt.
Am 13. Mai feiert der laut Forbes fünft wichtigste Inder seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass finden in ganz Deutschland die von ihm konzipierten Art of Living Happiness Programme statt, die durch Yoga, Sudarshan Kriya und Atemtechniken den individuellen, inneren Frieden fördern.

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