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Ich habe zugesehen, wie mein Stiefvater starb - jetzt habe ich keine Angst mehr vor dem Tod

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STIEFVATER
Farrow
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Am Morgen des 3. Oktober 2008 sah ich meinen Stiefvater im sonnigen Ägypten sterben.

Ich habe gerade Urlaub mit meiner Mutter und meinem Stiefvater gemacht und es war das zweite Mal, dass wir gemeinsam weggefahren sind. Der erste gemeinsame Urlaub war (und ist immer noch) der beste, den ich jemals gemacht habe, deswegen freute ich mich besonders auf unsere zweite Reise und erwartete viel von der Woche, die vor uns lag.

Mein Stiefvater Bill (oder Billy Bob oder William, wenn er in Schwierigkeiten war), sagte immer: "Es ist nur Geld ...", was in der Regel darauf hinauslief, dass er viel zu viel Geld ausgab und fĂŒr alle immer zu tief in die Tasche griff.

Er kostete sein Leben voll aus und brauchte ein Ziel oder einen guten Grund, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und so hart zu arbeiten, wie er es getan hat. Es war ihm wichtig, Urlaub und Events zu planen und das hat mir beigebracht, selbst immer ein Ziel und einen guten Grund zu haben, zur Arbeit zu gehen.

Unser letztes GesprĂ€ch werde ich fĂŒr immer bereuen

Ich glaube, neben der Arbeit wusste er auch das gute Leben zu schĂ€tzen, deswegen war es kein großes Ding fĂŒr ihn, mir ein luxuriöses Zimmer in einem fantastischen Hotel in Ägypten zu buchen, aber fĂŒr mich war es das.

Der erste Urlaubstag war genauso, wie ich ihn mir erhofft hatte, erfĂŒllt von Ă€gyptischer Hitze, leckerem Essen und Faulenzen am Pool. WĂ€hrend wir uns sonnten planten wir, was wir am nĂ€chsten Tag machen wĂŒrden. Es klang alles wunderbar. Bill war ein bekanntes Gesicht in Luxor und er hatte einen kleinen VIP-Ausflug geplant, um mir die SehenswĂŒrdigkeiten zu zeigen. Was hĂ€tte ich mir sonst noch wĂŒnschen können?

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Der Morgen des dritten Oktober 2008 war ein normaler Urlaubstag und Bill war bester Laune, wie immer. Wir hingen mit vielen anderen am Pool herum und genossen die Sonne und den strahlend blauen Himmel.

Bill neckte mich und ich zickte ihn an, was ich fĂŒr immer bereuen werde. Unser letztes GesprĂ€ch war so etwas wie: "Ach Bill, manchmal hasse ich dich ...", und er antwortete: "Was war das? Du hasst mich?", wĂ€hrend er in den Pool sprang.

Dann war er weg.

Es fĂŒhlte sich an wie eine Ewigkeit

Er lĂ€chelte, also hoffte ich, dass er wusste, dass ich ihn nicht wirklich hasste und es niemals auch nur ansatzweise getan hatte - ich war einfach nur zickig. Aber das ist etwas, mit dem ich jetzt fĂŒr immer leben muss.

Bill sprang in den Pool und wollte zur anderen Seite zur Pool-Bar schwimmen, um uns eine Flasche Wasser zu holen. Als er hineinsprang saß ich an der Seite des Pool und bemerkte, dass er nicht mehr richtig aus dem Wasser hoch kam.

Es fĂŒhlte sich an wie eine Ewigkeit, wĂ€hrend ich ihn beobachtete. Ich wĂ€lzte jeden einzelnen Gedanken in meinem Kopf und versuchte eine Lösung zu finden und meinen Körper zu mobilisieren.

Ich werde niemals vergessen, was als nÀchstes geschah. Ich setzte mich endlich in Bewegung und sprang in den Pool. Ich rief nach meiner Mutter und um Hilfe. Ich werde diese Schreie niemals vergessen.

Ich fĂŒhlte mich taub

Ich wusste, dass ich ihn auf die schlimmstmögliche Art und Weise vor Publikum verliere. Ein Publikum, das aus Urlaubern bestand, die hier eine wunderschöne Zeit genießen und nicht dabei zusehen sollten, wie ein Mann stirbt.

Wir zogen Bill aus dem Pool und eine noch grĂ¶ĂŸere Menschenmenge versammelte sich um uns. Anscheinend ist es spannend einem Mann beim Sterben zuzusehen. Der Bademeister hatte keine Ahnung, was er tun sollte, der Arzt mĂŒhte sich ab, wĂ€hrend er rhythmisch Bills Brust massierte. Alle schrien und weinten und meine Mutter bettelte ihn an, nicht zu sterben. Er wurde dann in einen leeren Van gebracht, ein notdĂŒrftiger Krankenwagen, und ich fĂŒhlte mich taub.

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Ich saß alleine da und schaute zu, pitschnass, wĂ€hrend ich mich verabschiedete. Ich wusste, dass er gegangen war. Ich wusste, dass ich es der Familie sagen musste. Ich wusste, dass neben uns im Flugzeug ein Platz frei sein wĂŒrde. Ich wusste, dass mein Leben nie wieder wie vorher sein wĂŒrde. Ich wusste, dass ein Herzinfarkt gerade meinen Stiefvater getötet hatte.

Ich werde fĂŒr immer geschockt sein und ich werde nicht aufhören, diesen Tag in meinem Kopf immer wieder abzuspielen. Ich werde nie wieder dieselbe sein. Aber ich weiß nun, was Leben bedeutet und dass ich keine Angst habe muss zu sterben. Das ist kein Klischee.

Lebe dein Leben und genieße den Moment, wann immer du kannst. Habe ein Ziel, habe einen Traum, habe einen Grund. SchĂ€tze die Menschen und alles andere was du hast, und trenne dich niemals im Bösen von jemandem. Du wirst es fĂŒr immer bereuen. Das verspreche ich dir.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf HuffPost UK und wurde aus dem Englischen ĂŒbersetzt und zum besseren VerstĂ€ndnis angepasst.

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