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So denkt ein syrischer Flüchtling wirklich über Frauen

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FLCHTLINGE
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Ich treffe Mahmoud vor dem Flüchtlingsheim, in dem er seit einigen Monaten lebt. Ich erzähle ihm, dass ich gerne über Frauen sprechen möchte - darüber, was er von deutschen Frauen hält. Darüber, wie er selbst Frauen in seinem Leben behandelt. Er schaut mich ernst an. Er bittet mich in sein kleines Zimmer, das er sich mit einem syrischen Freund teilt. Er schenkt mir Kaffee ein und beginnt zu erzählen:

In Syrien werden Frauen anders behandelt als Männer. Das ist wirklich so. Viele Frauen dürfen nicht arbeiten und müssen daheim bleiben. Und ja, der Ehemann entscheidet oft darüber, ob seine Frau arbeiten darf, wie sie sich kleidet und wen sie trifft. Nicht alle Frauen sind frei. Das ist zwar nicht richtig, aber es ist die Wahrheit.

In Deutschland sind Frauen genauso frei wie Männer: Sie entscheiden selbst, ob sie eine Freundin im Restaurant treffen wollen oder womit sie Geld verdienen. Sie reisen, wohin sie wollen. Sie tun, was sie wollen.

Das gefällt mir viel besser.

Ich respektiere jede Frau. Denn der Mann ist ein Mensch, die Frau ist ein Mensch. Wieso sollte ich einen Unterschied machen? Alle Menschen sind gleich. Alle müssen respektiert werden.

Diese Gespräche bedeuten mir alles.


Mein größtes Vorbild ist auch eine Frau: meine Mutter. Sie liebt mich über alles - und dafür will sie keine Gegenleistung. Ich würde sagen, sie ist mein Leben.

Wir telefonieren jeden Tag - seit fünf Monaten. Ich erzähle ihr, was ich erlebe. Wie glücklich ich in Deutschland bin. Und sie gibt mir wichtige Ratschläge, wie ich mein Leben meistern soll. Diese Gespräche bedeuten mir alles.

Ich habe in Deutschland inzwischen auch eine Freundin gefunden. Ich habe sie vor ein paar Wochen kennengelernt, hier im Flüchtlingsheim. Sie kommt aus Rumänien.

Während Mahmoud das erzählt, schaut er verschämt auf den Boden. Er wirkt unsicher, ein bisschen wie ein kleiner Junge. Als er aufschaut, sagen seine Augen alles: Er ist verliebt.

Oft weiß ich gar nicht, wo sie ist und was sie macht. Aber das stört mich nicht. Wir haben eine westliche Beziehung und ich mag das.

Es macht mich traurig, was in Köln passiert ist. Das sind schlechte Menschen. Die Frauen tun mir sehr leid, denn niemand hat es verdient, so behandelt zu werden.

Und es macht mich wütend, dass die Leute jetzt so tun, als wären wir alle respektlose Vergewaltiger, die über Frauen herfallen.

Es ist falsch zu sagen, dass Syrer und andere Flüchtlinge generell keinen Respekt vor Frauen haben. Oder alle Vergewaltiger sind.

Unter einer Million Deutscher würde man auch böse Menschen finden.


Schlimme Taten wie Vergewaltigungen von Frauen passieren überall auf der Welt. Egal ob in Deutschland, Syrien oder anderswo. Das hat nichts mit der Kultur zu tun. Sondern mit dem Menschen, der so etwas tut. Es ist eine Frage des Charakters, und nicht der Nationalität.

Wenn ich durch die Stadt laufe und eine Frau mit einem kurzen Rock sehe, dann denke ich mir nichts dabei und ich sage auch nichts. Es ist doch ihre freie Entscheidung, warum soll mich das stören? Viele meiner Freunde sehen das genauso.

Eine Million Flüchtlinge sind nach Deutschland gekommen. Es ist klar, dass darunter auch einige böse Menschen sind. Unter einer Million Deutscher würde man auch böse Menschen finden.

Wenn einige Flüchtlinge ein Verbrechen begehen, dann stehen sie nicht für alle anderen.
Was die Männer in Köln getan haben, ist nicht die allgemeine Kultur von Syrern oder Flüchtlingen. Es sind einzelne Taten von dummen Menschen, die dafür verantwortlich gemacht werden müssen.

Nach dem Gespräch mit Mahmoud stehe ich auf. Mahmoud und seine Freunde erheben sich eilig, um mir die Hand zu geben. Sie bedanken sich bei mir für das Gespräch. Dabei neigen sie den Kopf - es ist schon fast eine Verbeugung.

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