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Die Flüchtlingskrise als Chance für die deutsche Gründerlandschaft

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Chef and restaurateur doing paperwork | Jupiterimages via Getty Images
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Was wäre eigentlich, wenn wir die "Flüchtlingskrise" als Chance sehen? Diese Frage stellten wir uns im letzten Jahr, als über 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Wir, das ist eine Gruppe junger Berliner, die im Januar 2016 die Initiative „Project Re:Start" gründete. Für uns war Migration stets ein normaler Teil unseres Lebens.

Wir nutzen die Freizügigkeit Europas und unsere guten Aussichten auf Visa, um in anderen Ländern zu studieren oder dort zu arbeiten. Nun kamen Menschen zu uns nach Deutschland als Flüchtlinge. Wir wollten helfen. Aber wie?

Viele Flüchtlinge haben Erfahrung als Unternehmer

Als ehemalige Entwicklungshelferin wußte ich: In vielen Ländern, aus denen Flüchtlinge heute zu kommen, gibt es eine ausgeprägte Gründerkultur. Es ist dort nicht unüblich, dass Menschen einer selbständigen Beschäftigung nachgehen, zum Beispiel eigene Läden führen, kleine Restaurants eröffnen oder erfolgreiche Unternehmen managen.

Uns war klar, dass auch unter den Geflüchteten viele Menschen sein würden, die Erfahrung damit haben, sich eine eigene, selbständige Existenz aufzubauen.

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Viele dieser Geflüchteten haben wir im letzten halben Jahr kennengelernt. Wir haben Interviews geführt, Workshops organisiert und Geflüchtete beraten. Wir haben junge Macher und langjährige Unternehmerinnen aus Syrien, Pakistan und Somalia getroffen.

Keiner will dem Staat auf der Tasche liegen

Da ist zum Beispiel Hiba, die erfolgreiche Möbelproduzentin aus Damaskus, die mit ihrem Mann Khaled in Berlin Zehlendorf ein kleines Geschäft eröffnet hat. Für die beiden war wichtig, schnell unabhängig zu werden.

Keiner der beiden wollte dem Staat auf der Tasche liegen. „Wir können doch etwas beitragen!" Oder Munzer und seine Freunde, die eine App entwickelt haben, die Geflüchteten hilft, sich in der deutschen Bürokratie zurechtzufinden. Keiner wollte seine Heimat verlassen. Aber jetzt sind sie hier. Und herumzusitzen und zu warten, das ist für alle undenkbar.

Wir sind nicht naiv: nicht jeder Flüchtling wird erfolgreich sein. Auch andere Gründer scheitern - und probieren es kurze Zeit später einfach nochmal. Denn Innovation lebt vom Ausprobieren. Und vom Risiko.

Vor kurzen habe ich einen syrischen Gründer gefragt, ob er denn keine Angst vor dem Risiko habe. Er hat geschmunzelt und gesagt: „Ich habe Freunde zurückgelassen und bin tausende Kilometer gelaufen. Ich habe mein Leben riskiert. Ich bin erprobt darin, Risiken auf mich zu nehmen."

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Was braucht es also, um Flüchtlinge im Gründungsprozess zu unterstützen? Dieser Frage sind wir in den letzten Monaten nachgegangen und haben verstanden: Gründen will gelernt sein. Denn jedes Land, jeder Markt ist anders.

Durch die Digitalisierung besteht heute die Möglichkeit, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die wenig Startkapital benötigen - dafür aber schneller skalieren. Ein spannendes Feld für Flüchtlinge, die häufig ohne Kapital nach Deutschland kommen. Hier gilt es, Know-How und relevante Netzwerke in die Gründerszene aufzubauen.

Wir wollen Flüchtlinge in die Selbstständigkeit begleiten

Aus dieser Erkenntnis ist ein sechsmonatiges Gründungsprogramm entstanden, mit dem wir Anfang 2017 an den Start gehen. Es wird Flüchtlinge auf dem Weg in die Selbständigkeit begleiten.

Unsere Vision ist es, dass Flüchtlinge nicht nur für ihr eigenes Einkommen sorgen, sondern mittelfristig auch Stellen für anderen Menschen in Deutschland schaffen.

Ich bin überzeugt: die Politik wird es alleine kaum schaffen, erfolgreiche Integration zu gestalten. Es braucht uns alle, die mit anpacken, die sich engagieren und helfen.

Damit Menschen, die unter widrigsten Umständen zu uns gekommen sind, Teil unserer Gesellschaft werden: als Studenten, Ärzte, Facharbeiter - oder eben als Unternehmensgründer.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

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