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Staatsfreie Räume als Schauplätze künftiger Konflikte?

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Foto: Calsidyrose (CC BY 2.0)

Unsere gegenwärtige Zeit ist durch eine Vielzahl von Konflikten spannungsgeladen. In der medialen Berichterstattung dominieren vor allem Konflikte, die terroristische Hintergründe haben. Dass dabei aber weitaus mehr Konfliktpotentiale auf der Welt existieren als berichtet wird, liegt auf der Hand.

So spielen exterritoriale Räume, also Gebiete, die keiner staatlichen Hoheitskontrolle unterliegen, eine weitgehend unbedeutende Rolle - noch - denn das wird sich wahrscheinlich in ferner Zukunft ändern.

Warum aber wird diese neue Konflikt-Dimension eine noch stärkere Rolle in den internationalen Beziehungen spielen? Die Antwort darauf ist aus staatlicher Perspektive recht simpel: zunächst werden Ressourcen knapper, gleichzeitig nimmt der Ressourcenverbrauch aber zu, da sich Staaten wie China und Indien zu mächtigen Akteuren entfalten.

Außerdem steigen die technologischen Entwicklungen an und damit stellt sich schließlich die Frage über die territoriale Erstreckung staatlicher Souveränität neu, wie es beispielsweise momentan im Chinesischen Meer beobachtet wird. Wenn also ein Staat die technischen Anforderungen erfüllt und die entsprechende Macht besitzt, um beispielsweise an vorher nie zugänglich gewesene Ressourcen zu gelangen oder tiefer in das Weltall zu dringen, so wird er das mit gewisser Wahrscheinlichkeit tun.

Das sind Faktoren, die in der Außenpolitik einen erheblichen Stellenwert genießen, weil sie für souveräne Staaten von existentieller Natur sind.

Der Ressourcenwettlauf in den Polarregionen

Die Arktis und Antarktis, staatsfreie Räume, werden in einigen Jahrzehnten womöglich noch stärker Schauplatz für Konflikte zwischen den Staaten Russland, Amerika, Norwegen, Dänemark und Kanada im Norden, sowie Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und Großbritannien im Süden sein.

Das mag zunächst noch trivial erscheinen, immerhin assoziiert man mit beiden exterritorialen Räumen zunächst bloß kalte, großflächige Eiswüsten, bestehend aus Nichts, die keinen triftigen Grund für Konflikte hergeben könnten. Dem ist aber nicht so.

Aufgrund des Klimawandels vollzieht sich ein drastischer Wandel, der den Rückgang der polaren Eiskappen im Nord- und Südpol zur Folge hat. Wissenschaftler vermuten dabei ein Vorkommen von Ölen, Gasen, Uran und weiteren Ressourcen unter den Eiskappen. Diese Rohstoffe sind nun mitunter der Grund dafür, weshalb sich Staaten das Recht vorbehalten, diese Gebiete in Zukunft für sich zu beanspruchen.

So hisste Russland auf dem Boden der Arktis beispielsweise in 4261 Metern Tiefe ihre Nationalflagge, um bereits jetzt ihren Anspruch auf die Bodenschätze zu demonstrieren, so Kritiker. Russland rechtfertigte dieses Vorgehen mit der Argumentation, dass dies die Amerikaner auf dem Mond ebenso gehandhabt haben.

Sowohl der Antarktisvertrag wie auch der arktische Rat regeln auf beiden polaren Gebieten das staatliche Handeln insofern, dass eine militärische und wirtschaftliche Kontrolle durch Staaten untersagt ist. Ob und inwieweit diese Regelung auch in Zukunft noch Beachtung findet, bleibt dabei offen. Zu vermuten ist aber, dass sich das Konfliktpotential im Nord- und Südpol in einigen Jahrzehnten deutlich verschärfen und damit auch, ähnlich wie der Terrorismus heute, mediale Wirksamkeit erfahren könnte.

Die Militarisierung des Weltraums

Ein weiteres Konfliktpotential der Zukunft stellt der Weltraum dar. Wenn man an diesen denkt, so assoziiert man damit beispielsweise zunächst einmal die zivile Raumfahrtnutzung oder im Sonnensystem befindliche planetare Körper, aber vermutlich nicht die Tatsache, dass auch der Weltraum einer militärischen Kontrolle unterliegt.

Tatsächlich ist es mit Anbeginn des Kalten Krieges schon immer ein Menschheitsziel gewesen, den erdnahen Orbit zu beherrschen. Wer daher glaubt, Kriege und Konflikte spielen sich nur auf dem Boden ab, der irrt. So sind technologisch entwickelte Staaten wie Russland mittlerweile in der Lage, "16 satellitengesteuerte Geschosse " auf einmal abzuwerfen. Aber auch Satelliten selbst haben eine sogenannte Dual-Use Komponente, die zivile, aber auch militärische Zwecke erfüllen können.

So besitzen die amerikanischen GPS-Satelliten ebenso die Fähigkeit, einen vom Boden gestarteten Marschflugkörper präzise ins gegnerische Ziel zu steuern.

Wie eng Technologie, Weltraum und Machtausübung zusammenhängen, zeigt auch der Vorfall aus China, als dort ein ausgemusterter chinesischer Wettersatellit mit einer Antisatellitenrakete erfolgreich abgeschossen wurde und für internationale Empörung sorgte.

Diese Beispiele zeigen Ambivalenzen auf: zum einen besitzen Staaten ein wichtiges Machtpotenzial im und aus dem Weltraum aufgrund ihrer Dominanz durch Satelliten. Zum anderen verdeutlichen diese Satelliten aber auch die Verwundbarkeit der Staaten, denn solche weltraumgestützten Systeme zählen zur sogenannten "kritischen Infrastruktur". Hier offenbart sich eine staatliche Achilles-Ferse, die mit der technologischen Weiterentwicklung von Weltraumwaffen und der Proliferation in Zukunft angreifbarer werden könnte.

Dabei sollte der 1967 ratifizierte Weltraumvertrag die staatlichen Tätigkeiten im All regeln und somit eine friedvolle Nutzung garantieren. Problematisch ist gegenwärtig aber, dass der Weltraumvertrag seitdem keine rechtlichen Anpassungen an technologische Entwicklungen erlebte und damit relativ veraltet ist.

Mit dem Erstarken der Geopolitik sind sowohl die Polarregionen wie auch der Weltraum Gebiete, die künftig noch eine stärkere Rolle in den internationalen Beziehungen spielen werden. Ob sich dabei schlussendlich nationale oder internationale Interessen im Sinne der Kooperation durchsetzen werden, bleibt eine offene und spannende Frage.

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