Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sohra Behmanesh Headshot

Warum habt ihr uns nie gesagt, woher Fleisch kommt?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHILD EATING SAD
Fran Polito via Getty Images
Drucken

„Warum habt ihr uns nie gesagt, woher Fleisch kommt?" Der Schauspieler Joaquin Phoenix entschied sich im Alter von nur drei Jahren, vegan zu leben. Und machte seiner Mutter bittere Vorwürfe.

Vegane und vegetarische Eltern müssen sich immer wieder dem Vorwurf stellen, sie würden ihren Kinder ihre persönliche Ernährungspräferenz - nämlich die, kein Fleisch bzw. keine Tierprodukte zu essen - aufdrängen. Ich habe zu der Frage, ob Kinder selbst entscheiden sollten, was sie essen, bereits ausführlich meine Meinung geäußert: Ich denke nicht, dass Kinder, deren Eltern für sie entscheiden, dass sie Fleisch und Tierprodukte essen, in ihrer Ernährung selbstbestimmter sind, als Kinder, deren Eltern für sie entscheiden, dass sie kein Fleisch und keine Tierprodukte essen.

Was ich an dem Interview mit Joaquin Phoenix (der übrigens auch der Doku „Earthlings" seine Stimme geliehen hat) so interessant finde, ist der Umstand, dass es bei ihm genau umgekehrt gelaufen ist: Als Joaquin Phoenix mit nur drei Jahren entschied, vegan zu leben, hatten er und seine Geschwister gerade gesehen, wie ein geangelter Fisch getötet wurde, indem er gegen die Bootswand geschlagen wurde. Joaquin Phoenix und seine Geschwister waren verstört und wütend. Sie waren wütend auf ihre Eltern, weil diese ihnen nie gesagt hatten, woher Fleisch kommt. Und beschlossen fortan, vegan zu leben.

Kinder lieben Tiere

Manchmal haben sie auch etwas Angst vor ihnen, aber Tiere faszinieren sie und die meisten Kinder möchten mit Tieren spielen, sie in den Arm nehmen und sie streicheln. Dabei machen sie keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund - und in Sachen Verspieltheit oder Intelligenz nehmen sich diese beiden Tierarten auch nichts.

Dieses karnistische Prinzip, einige bestimmte Spezies als essbar zu betrachten und andere nicht, müssen wir ihnen erst anerziehen. Das fällt uns nicht schwer, schließlich sind wir selbst (zumindest alle, die nicht von Geburt an vegetarisch erzogen wurden) auf diese unsichtbare Konditionierung hereingefallen.

Wir haben selbst gelernt, zu wissen, ohne wirklich zu wissen und nur zu gerne möchten wir glauben, dass die massiv geschönten Darstellungen von Bauernhöfen in den Bilderbüchern unserer Kinder wenigstens ein bisschen der Wirklichkeit entsprechen.

Ich spreche mich nicht dafür aus, dass wir Kindern die Wirklichkeit dessen, was wir Bauernhöfe nennen, die aber längst industrialisierte Tierfabriken sind, zumuten. Aber ich spreche mich dagegen aus, Kinder von dem, was sie essen zu entfremden, indem wir ihnen verheimlichen, was sie da essen. Und faktisch tun das die meisten Menschen.

Als Die Sendung mit der Maus 1972 einen Beitrag ausstrahlte, der zeigte, wie die einzelnen Körper- und Bestandteile einer Kuh in der Ernährung und Industrie Verwendung finden (hier zu sehen), gab es einen Proteststurm von Eltern, so dass der Beitrag aus dem Programm genommen wurde.

Eltern machen ihren Kindern etwas vor

Die meisten Eltern wollen nicht, dass Kinder wissen, woher Fleisch kommt und wie es produziert wurde. Und sie können nichts dafür, dass ihnen gar nicht auffällt, warum sie das nicht wollen: Es wäre zu grausam, darüber genauer nachzudenken oder Bescheid zu wissen. Karnismus macht's möglich.

Die wenigsten Eltern sprechen mit ihren Kindern so offen darüber, was auf ihren Tellern liegt wie die (nicht vegetarische) Mutter des etwa drei Jahre alten Luiz Antonio. Das herzergreifende Video des Gesprächs, das die beiden am Essenstisch führen und das dazu führt, dass Luiz entscheidet, keine Tiere mehr essen zu wollen, ist weiter unten zu sehen. Vielleicht kennst Du es bereits; vor einigen Monaten wurde es im Internet hoch und runter gepostet.

Und das ist ein entscheidender Punkt in der Frage, ob vegetarische und vegane Eltern ihren Kindern in ihrer Entscheidungsfreiheit einschränken: Wenn man keinen Zugang zu bestimmten Informationen hat (und sei es die kinderfreundliche Information, dass das Fischstäbchen aus zermatschten Tieren besteht, die eigentlich viel lieber im Meer schwimmen würden), kann man keine selbstbestimmte Entscheidung treffen. Wenn man nicht weiß, was man isst, kann man nicht entscheiden, ob man es eigentlich essen möchte oder nicht.

Beat that.



Der Beitrag erschien ursprünglich auf Tofufamily.de.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa kümmert sich um die frühkindliche Förderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gründer zuvor als zutiefst vernachlässigt erfahren haben.

Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierfür Schulungen an. Auch die Aufklärung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien gehören zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

Auf HuffPost:

Peta-Kampagne: Diese Werbung über Veganer darf nicht ausgestrahlt werden