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Models halten besser den Mund? Zur Debatte um Ronja von Rönne und "Wanda"

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alkir via Getty Images
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Die Ausgangslage: Eine Feminismuskritik. Oder doch nicht?

Ronja von Rönne wurde in meinem ersten Artikel für die Huffington Post als exemplarisches Beispiel dafür herangezogen, wie wir Hassreden, Mobbing und anderes aggressives Gehabe kaum mehr wahrhaben wollen, wenn es gegen einen Gegner geht, dessen Anliegen wir für politisch verwerflich halten.

Da wird der notorischen Mahner zum Rüpel, der Fortschrittsfreund und Freiheitsprediger zum ordinären Schulhofrowdie. Von Rönne ist berühmt, weil sie einen Text geschrieben hat, in dem sie mehr oder weniger stilvoll darlegt, warum sie Feminismus nicht brauche, und dass ihre persönliche Lebensphilosophie auf den einfachen Nenner des "Egoismus" zu bringen sei.

Der Text endet durchaus ambivalent, die heftigen Attacken radikalere Teile des Feminismus ebenso wie die liebevollen Umarmungen des chauvinistischeren Flügels der Männerrechtsbewegung sind vielleicht verfrüht:

„Der Feminismus bleibt im Flur stehen und beschwert sich, dass Frauen keine Türen offen stehen. Bis irgendwann eine Frau kommt, über den zeternden Flurfeminismus steigt und die Tür selbst aufmacht."

Das Empörungskarussell. Es dreht sich und dreht sich.

Nun könnte man es mit Frau von Rönne dabei bewenden lassen. Sie hat berechtigte Kritik einstecken müssen und wurde ungerechtfertigt harsch persönlich angegriffen. Auch das wurde wiederum kritisiert.

Doch ist es allem Anschein nach mittlerweile so unerhört, dass eine attraktive junge Frau, noch dazu ehemals Model, den Mund aufmacht und ihre Meinung äußert, und zu allem Überfluss eine womöglich bürgerlich liberale bis konservative Meinung*, dass das Empörungskarussell sich weiter und weiter drehen muss.

Denn gerade hat die österreichische Pop-Band Wanda von Rönne als Model für ihr neues Video gebucht. Das wiederum bringt einige alte und neue Gegner von Rönnes derart auf die Palme, dass man gar zuvor gerade selbst noch aufgezählte bessere Gründe (frühere chauvinistische Äußerungen des Sängers, eine mindestens unglückliche Bildsprache des neuen Videos) außen vor lässt, und sich vor allem aufgrund dieses Engagements auf Wanda als antifeministische Band einschießt. Herrje.

Halten Models besser den Mund?

„Es wäre schön, wenn jene, die vorgeben für junge modebegeisterte Frauen zu sprechen, nicht deren Interessensgebiet immer wieder in Gänze verhöhnten und infantilisierten."

Das schrieb ich Anfang des Jahres über frauenfeindliche Herablassung gegenüber dem Modelberuf in The European.

Ach, bliebe es doch wenigstens beim Verhöhnen und Infantilisieren! Man bedenke: In der Regel wissen weder wir noch die Booker, was ein Model im Alltag so denkt und meint. Der Job ist, so will es zumindest das Klischee, den Mund zu halten und hübsch auszusehen. Unter solchen Models können stumme Monarchistinnen sein, stumme Faschistinnen, und womöglich sogar, Gott bewahre, stumme glühende Katzenhasserinnen.

All das wäre, so legt es die neuerliche Aufregung um von Rönne nahe, schon in Ordnung. Aber wenn ein Model einmal den Mund aufmacht, dann komme besser die richtige Meinung heraus! Zumindest, wenn man (lies: sie) auch weiterhin als Model arbeiten möchte.

Im Zweifelsfall hübsch aussehen und den Mund halten. Soll das die Frauenrolle sein, die man im 21. Jahrhundert anstrebt?


*Womöglich liberal bis konservativ, da sich von Rönne mit ihrem assoziativ-sprunghaften Stil ungern festlegen lässt. „Dann sagt er, dass er es toll findet, wenn Leute sich mal nicht hinter der Ironieschiene verstecken, und dann stehe ich auf und gehe", schreibt die Autorin in ihrem Beitrag zum Bachmannpreis.

Im journalistischen Register wird ihr das Versteckspiel mit der Ironie zum flatternden Bühnenvorhang, hinter dem sich beinah alles sagen lässt. Und dessen Gegenteil.


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