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AfD wählen ist so sinnvoll, wie sich selbst das Wasser abzugraben

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WAHLEN
dpa
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Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit der geringsten Zahl an Flüchtlingen. Wenn hier 22 % der Wählerinnen und Wähler angeben, aus Angst vor Flüchtlingen die AfD gewählt zu haben, handelt es sich um eine Angst, die nicht in der konkreten Lebenssituation begründet sein kann - weil es ja kaum Flüchtlinge gibt. Wie ist sie erklärbar?

Wir leben in einer Zeit in der viele Gewissheiten weggebrochen sind, vieles ist schnelllebiger geworden. Arbeitsbiographien haben sich verändert - eine lebenslange Anstellung bei einem Arbeitgeber ist heute die Ausnahme. Umbrüche, Umzüge, Neuanfänge sind die Regel. Mit der Digitalisierung sind neue Berufe entstanden, andere obsolet geworden.

Niemand kann sagen, welche Veränderungen uns hier in naher Zukunft bevorstehen. Das macht vielen Menschen Angst. Die AfD macht sich diese Angst zu nutze - Flüchtlinge müssen als Sündenbock herhalten. Das ist kein neues, aber ein für viele Menschen offensichtlich immer wieder plausibles Erklärungsmodell.

Bundesregierung hat es versäumt, ihre Flüchtlingspolitik hinreichend zu erklären

Für demokratische Parteien kann es keine Option sein, diese ebenso einfache wie falsche Antwort zu kopieren. Politik muss es schaffen, Bürgerinnen und Bürgern ein Gefühl von Sicherheit zu geben: nicht nur, aber natürlich auch, Sicherheit im öffentlichen Raum durch eine personell gut ausgestattete und ausgerüstete Polizei.

Mit Programmen für Stadtentwicklung und ländliche Räume in strukturschwachen Regionen, in denen Menschen sich abgehängt fühlen. Mit einer Mietpreispolitik, die verhindert, dass Menschen mit geringem Einkommen und Familien keine bezahlbare Wohnung mehr finden. Mit arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen, die Menschen eine gesicherte Existenz ermöglichen.

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Darüber hinaus glaube ich, dass es die Bundesregierung versäumt hat, Menschen ihre Flüchtlingspolitik hinreichend zu erklären. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass alle AfD-Wählerinnen und Wähler diese aufgrund ihrer völkisch-nationalen Parolen gewählt haben.

Ich wünsche mir, dass all jene, die einfach nur aus Protest ihr Kreuz bei der AfD machen, sich einmal ansehen, was diese Partei eigentlich will: etwa in Fragen der sozialen Sicherheit, was die Unterstützung von Alleinerziehenden oder Steuergerechtigkeit anbelangt. Dann würden einige erkennen, dass AfD wählen ungefähr so sinnvoll ist, wie sich selbst das Wasser abzugraben.

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